Campusgrün kritisiert die Bundesregierung - BAföG-Reform darf keinesfalls abgesagt werden!
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Der Bundesverband Campusgrün - grüne Hochschulgruppen e.V. ist entsetzt über die
Aussagen von Unionspolitiker*innen zum Stopp der BAföG-Reform. Im Koalitionsvertrag
hatten sich Union und SPD auf eine Reform des BAföG, und damit mehr Geld für
Studierende, geeinigt. Dieses Versprechen wird nun wohl doch nicht eingelöst.
Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) verkündete vergangene Woche es sei “[…] kein
Drama, wenn Studierende neben dem Studium jobben. Nebenjobs bringen niemanden um”.
Angesichts der geplanten Einschnitte im Sozialbereich sei eine großzügigere Unterstützung
bedürftiger Student*innen nicht vermittelbar.
Bärs Aussage verkennt den aktuellen Zustand: bereits jetzt jobben zwei Drittel der
Studierenden neben ihrem Vollzeitstudium, unabhängig davon, ob sie BAföG beziehen oder
nicht. Stefan Grob vom Deutschen Studierendenwerk e.V. spricht von rund 50 Stunden die
Woche, die Studierende mit Nebenjobs und Studium arbeiten.
Cora Merzbach, Sprecherin von Campusgrün, sagt:
„Das Geld in diesem Land muss gerechter verteilt werden. Durch Maßnahmen zur
Umverteilung, wie beispielsweise eine Vermögenssteuer, könnte diese Reform und vieles
Weitere ohne Probleme finanziert werden. Doch die Regierung hat offenbar kein Interesse
an sozialer Gerechtigkeit. Wenn alle Fixkosten steigen, aber das BAföG sich gleichzeitig um
keinen Cent bewegt, ist das ein fatales Zeichen.”
Das wird auch an Aussagen, wie der jüngst von Jens Spahn (CDU) getroffenen deutlich, der
in einem Interview feststellte: „Staatliche Leistungen wie Bürgergeld, Wohngeld, Elterngeld,
BAföG werden wir absehbar nicht erhöhen können, in manchen Bereichen müssen wir
sparen – jedenfalls solange wir kein Wachstum haben”. Das BAföG ist keine Sozialleistung,
es ist eine Investition in die Zukunft dieses Landes. Wer Bildung vom Geldbeutel der Eltern
abhängig macht, verspielt das größte Versprechen der Demokratie.
Alisa Draken, ebenfalls Sprecherin von Campusgrün, stellt fest:
„Das Aufwiegen vom Zustand der Wirtschaft mit der Höhe von Sozialleistungen ist an
Respektlosigkeit nicht zu übertreffen. Es spricht für sich, dass Jens Spahn eiskalt lieber
noch den letzten Cent Sozialleistung wegkürzt anstatt beispielsweise die 60 Milliarden
klimaschädlichen Subventionen anzutasten. Studierenden wird erzählt, die BAföG-Erhöhung
sei zu teuer. Gleichzeitig wurde der Tankrabatt, der 25-Mal soviel kostet, ohne Innehalten
von der Bundesregierung bewilligt. Das Geld ist also da, die Prioritäten sind nur falsch
gesetzt.“
Entgegen der Auffassung der Koalition geht es nicht darum, einen entspannten Lifestyle von
jungen, arbeitsscheuen Menschen zu finanzieren. Das Versprechen vom Bildungsaufstieg,
unabhängig von sozialen Verhältnissen, wird hier gekonnt unter den Teppich gekehrt und
damit gleichzeitig auch eine neue Generation gut ausgebildeter Fachkräfte aus allen
Gesellschaftsschichten verhindert. Wer heute an Bildung spart, spart an den Menschen, die
dieses Land zukünftig am Laufen halten sollen.
Ein BAföG unterhalb der Armutsgrenze ist kein Versehen, es ist eine politische
Entscheidung.
Deshalb fordert der Bundesverband der Grünen Hochschulgruppen, die dringend
notwendige Erhöhung der Wohnkostenpauschale wie versprochen einzulösen und
strukturelle Hürden abzubauen, damit das BAföG wieder zu dem wird, was es ursprünglich
sein sollte: Ein Versprechen, dass der Bildungsaufstieg unabhängig vom Geldbeutel
gelingen kann.
Hintergrund:
Rund 80 % der Studierenden, die einen eigenständigen Haushalt führen, gelten als
potenziell armutsgefährdet. Der aktuelle BAföG-Höchstsatz liegt mit 992 € ebenfalls unter
der Armutsgrenze. Zusätzlich sind die Mieten für Studierende im Vergleich zum Vorjahr
nochmal um 4% auf 512 € im Schnitt gestiegen. Außerdem müssen in vielen Studiengängen
sogenannte “Pflichtpraktika” absolviert werden. Diese sind meist unbezahlt, was bedeutet,
dass betroffene Studierende in der Zeit auf ihr zusätzliches Einkommen durch ihren
Nebenjob verzichten müssen. Zusätzlich hat sich seit 2022 die Arbeitslosigkeit unter
Akademiker*innen mehr als verdoppelt.
Destatis (2024): Die Hälfte der Studierenden mit eigener Haushaltsführung hat
weniger als 867 Euro im Monat zur Verfügung.
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/08/PD24_N044_62.html
Deutsches Studierendenwerk (2026): DSW-Presse-Statement zu Ministerin Bärs
Aussagen zum BAföG im Bundestags-Plenum. https://www.studierendenwerke.de/beitrag/dsw-presse-statement-zu-ministerin-baers-aussagen-zum-bafoeg-im-bundestags-plenum
Moses Mendelssohn Institut (2026): Pressemitteilung: Studentische Wohnkosten
Sommersemester 2026. https://www.moses-mendelssohn-institut.de/aktuelles/SoSe2026
Tagesschau (2026): Jung, Akademiker, kein Job: Warum es für junge Absolventen
schwieriger auf dem Arbeitsmarkt wird.

