Sparschwein schlachten, Mond betrachten: Wie das BAföG zum Sparschwein der Nation degradiert wird
- vor 13 Stunden
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Damit die dringend notwendige BAföG-Novelle zum kommenden Wintersemester greift, muss sie bis Ende Februar das Bundeskabinett passieren. Doch weder das Ministerium für Forschung und Raumfahrt unter Ministerin Bär (CSU), noch das Finanzministerium wollen für die Kosten aufkommen.
Während Union und SPD sich darüber streiten, welches Ministerium die im Koalitionsvertrag geplanten Ausgaben für die Erhöhung der Wohnkostenpauschale von gerade einmal 67 Mio. Euro finanzieren soll, leben Studierende in Armut und werden zum Spielball der Koalition. Für Campusgrün ist klar: die Forderungen der BAföG-Novelle sind längst überfällig, allerdings reichen diese bei weitem noch nicht aus! Wer bei der Bildung spart, um Raketen zu bauen, hat die Zukunft dieses Landes bereits aufgegeben.
Der Haushalt der Koalition sieht ohnehin schon vor, die Mittel um rund 250 Millionen Euro zu kürzen. Eine zynische „Anpassung an den Bedarf“.
Doch der Bedarf besteht. Das Problem: der Großteil der Anspruchsberechtigten, rund 70%, beantragen erst gar kein BAföG. Das bedeutet im Klartext, dass Studierende mit weniger Geld leben als ihnen zusteht, weil die Bürokratie überfordert und die Wartezeiten zur Armutsfalle werden.
Cora Merzbach, Bundessprecherin von Campusgrün, erklärt:
“Die aktuelle Wohnkostenpauschale geht völlig an der Realität der Mieten in vielen Universitätsstädten vorbei. Alle wissen, dass die Mieten in München und Berlin deutlich höher sind als die Pauschale. Das Studium darf nicht zur Armutsfalle werden, sondern muss Grundstein für einen guten Start in die Berufswelt sein.”
Alisa Draken, ebenfalls Bundessprecherin, ergänzt:
„Das BAföG soll allen das Studieren ermöglichen und keine Existenzängste schaffen. Wenn eine Beantragung durch zu hohen bürokratischen Aufwand Monate dauert, aber die Miete trotzdem gezahlt werden muss, ist das kein Zufall, sondern eine politische Entscheidung.“
Die geringen Förderzahlen müssen die Bundesregierung motivieren, den Zugang zu vereinfachen. Geringe Inanspruchnahme darf nicht zum Argument werden, Mittel zu kürzen, sondern muss Argument für bürokratischen Abbau sein, wo er gebraucht wird. Die aktuelle Bundesregierung entwickelt eine Dynamik, in der sie gezielt bürokratischen Aufwand aufrechterhält, um zu sparen.
Unsere Forderungen an die Bundesregierung:
Stopp der Kürzungen: Der Kürzungswahnsinn im Bildungssektor
muss aufhören!
Wohnpauschale dynamisieren: Eine Anpassung an ortsübliche Mieten statt einer starren Pauschale.
Entbürokratisierung jetzt: Digitale, bundeseinheitliche Verfahren und schnellere Auszahlungen.
Existenzsicherung garantieren: Das BAföG muss einen verlässlichen Anpassungsmechanismus haben, analog zu anderen Sozialleistungen.
Für uns Studis ist klar: das BAföG ist eine Investitionsmöglichkeit in die Zukunft. Ein ausgeglichenes Fördersystem ermöglicht echte Teilhabe, soziale Gerechtigkeit und ein Recht auf Bildung ohne Existenzangst.
Hintergrund
Aus dem 24. BAföG-Bericht (Dezember 2025) geht hervor, dass so wenige Studierende BAföG beantragen, wie zuletzt im Jahr 2000.
Gleichzeitig liegt der Höchstsatz nur bei 992 Euro für Studierende außerhalb des Elternhauses. Dieses Geld reicht gerade in Städten kaum für ein lebenswertes Studium. Darüber hinaus verzichten bis zu 70 Prozent der Anspruchsberechtigten darauf, überhaupt einen Antrag zu stellen – oft wegen Fehleinschätzungen oder Bürokratie, wie das Fraunhofer-Institut für Informationstechnik herausfand.
Deshalb soll, so geht es aus dem Haushalt der Bundesregierung für 2026 hervor, nun eine drastische Kürzung von 250 Millionen Euro folgen.





