Atomforschung? Nein Nein! - Gegen Transmutations- und Kernfusionsforschung

25.03.2014: Beschluss der 29. Campusgrün-Mitgliederversammlung vom 8. - 9. März 2014 in Göttingen

Atomforschung? Nein Nein!
Gegen Transmutations- und Kernfusionsforschung

Mit dem Ausstieg aus der Nutzung der Atomkraft zur kommerziellen Stromerzeugung geht die Bundesrepublik Deutschland einen Weg, der zu begrüßen ist. Neben der Befassung mit den daraus resultierenden Herausforderungen muss im Nachgang der "Energiewende" auch Augenmerk auf die nach wie vor bestehende Förderung von Atomkraft durch staatliche deutsche Institutionen gelegt werden. Dies betrifft Hermesbürgschaften für ausländische AKWs ebenso wie die Förderung von Forschung an Verheißungen wie der Partitionierung und Transmutation von Atommüll und der Kernfusion.

Müll bleibt Müll bleibt Müll
Die Technologie der Transmutation verspricht, Atommüll durch ein spezielles Verfahren so zu behandeln, dass dieser nicht mehr Millionen Jahre, sondern "nur noch" wenige tausende oder gar hunderte Jahre strahlt. Was im ersten Moment wie die Lösung der Müllproblematik klingt, stellt sich bei näherer Betrachtung allerdings als umso problematischer heraus.

So muss, bevor eine Transmutation des Mülls überhaupt möglich ist, dieser durch Partitionierung in einzelne Bestandteile geteilt werden. Da der Prozess der Partitionierung und Transmutation mehrfach wiederholt werden muss, entstehen immense Mengen schwach- und mittelradioaktiven Abfalls, etwa durch die Kontamination von Wasser und Chemikalien. Die Müllmenge wird nicht verkleinert, sondern vergrößert. Diese Technologie ist vergleichbar mit der Wiederaufarbeitung von Atommüll, deren umweltzerstörerischen Folgen durch radioaktive Verseuchung in La Hague und Sellafield zu beobachten sind und deren Verwendung für deutschen Atommüll seit 2005 aus diesem Grund verboten ist. Für die Transmutation selbst werden Atomreaktoren oder Beschleuniger benötigt - also atomare Großanlagen - mit entsprechenden Risiken für die Umwelt.

Ist der Prozess der Transmutation vollzogen, so bleiben neben diesen schwach- und mittelradioaktiven Abfällen und dem eigentlichen, transmutierten Atommüll noch ein nicht unerheblicher Teil verglaster Atommüll aus den Wiederaufarbeitungsanlagen, der nicht transmutiert werden kann. Zudem ist die Wirksamkeit der Transmutation begrenzt - im günstigsten Fall kann davon ausgegangen werden, dass der hochradioaktive Atommüll auf ein Zehntel reduziert würde. Folglich bleibt, selbst wenn die Transmutation funktionieren sollte, der Bedarf nach einem Endlager vorhanden.

Die Nutzung von Partitionierung und Transmutation bedeutet einen Wiedereinstieg in atomare Zeitalter und hilft letztlich vor allem den Atomkonzernen. Sie bringt darüber hinaus ein enormes politisches Risiko mit sich, da sie den Mythos vom Brennstoffkreislauf und der scheinbar unerschöpflichen und sauberen Energiequelle Atomkraft weiter am Leben hält.

Das Märchen von der Kernfusion
In die Erforschung der Kernfusion fließen auf verschiedene Wege öffentliche Gelder. So beteiligt sich die Bundesrepublik Deutschland über ihren Beitrag zum EU-Haushalt am Forschungsprojekt ITER, an dem die EU, die USA, Russland, China, Indien, Japan und Südkorea beteiligt sind und bei dem ein Forschungsreaktor im französischen Cadarache gebaut werden soll. Darüber hinaus gehen öffentliche Mittel in das Forschungsprojekt Wendelstein 7-X in Greifswald. Die Kosten sind enorm: wurden für ITER 2001 noch 4,6 Milliarden Euro veranschlagt, so geht man heute von 17 Milliarden Euro aus. Ob die technischen Herausforderungen zu bewältigen sind, ist zumindest zweifelhaft. Nicht umsonst wird scherzhaft von der "Fusionskonstante" gesprochen: Seit Jahrzehnten heißt es, die Kernfusion sei in 30 bis 40 Jahren nutzbar.

Sollten die beteiligten Wissenschaftler*innen diesmal Recht behalten und die Kernfusion wäre tatsächlich 2050 nutzbar, so würde sie wenig Nutzen bringen. Im Rahmen der Energiewende wird zunehmend auf dezentrale Energieerzeugung und Energieeffizienz gesetzt, bis 2050 soll die Energieversorgung längst zu 100% aus den erneuerbaren Energien gedeckt sein. In dieses Konzept passt die Kernfusion einfach nicht. Und auch Fusionsreaktoren bringen Risiken durch Radioaktivität und Müllerzeugung mit sich.

Atomfoschung? Nein Nein!
Für Campusgrün steht fest: Die Forschung an einem Wiedereinstieg in das Atomzeitalter darf nicht durch öffentliche Mittel gefördert werden. Der Konsens des Atomausstiegs muss auch bedeuten, aus der Atomforschung auszusteigen. Stattdessen sind entsprechende öffentliche Forschungsmittel auf Fragen der Betriebssicherheit der noch laufenden AKWs, sowie des Rückbaus von Atomkraftwerken zu beschränken. Ein angemessener finanzieller Beitrag der AKW-Betreiber*innen, etwa durch die Brennelementesteuer, ist unbedingt weiter zu erheben.

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