PM: Bildungsstreik 2009 - Über 20.000 fordern ein sozial gerechteres Bildungssystem

22.06.2009: Am 17. Juni sind in Bayern über zwanzigtausend Schülerinnen, Schüler und Studierende auf die Straße gegangen, um für eine Reform des Bildungssystems zu demonstrieren. Bei den bundesweit dezentral organisierten Aktionen war Campusgrün Bayern durch die lokalen Hochschulgruppen an vielen der bayerischen Hochschulorten vertreten.

CGB beim Bildungsstreik in München

Bei den friedlichen Protesten ging es nicht wie von einigen Politikerinnen und Politikern wohl missverstanden um den Wunsch nach einer Rückkehr zu einem überholten Bildungssystem, wie es vor den Reformen der letzten Jahre bestanden hatte. Vielmehr wurden ganz konkrete Forderungen an ein zukünftiges Bildungssystem deutlich. Es ist in Bayern und Deutschland an der Zeit für eine Generalüberholung unseres Bildungssystems.
Hierzu Ingo Henneberg, Sprecher von Campusgrün Bayern: "Regelmäßig bescheinigen internationale Studien dem deutschen und vor allem dem bayerischen Schul- und Hochschulsystem eine soziale Selektivität sondergleichen. Dies ist seit Jahren bekannt. Vor diesem Hintergrund ist das Festhalten am deutschen Modell des dreigliedrigen Schulsystems nicht tragbar. Was die Studiengebühren angeht ist es an der Zeit, dass Bayern dem Beispiel Hessens und Österreichs folgt und diese Hürde abbaut. Dass in Bayern ab Herbst nur noch ein Kind pro Familie diese Gebühren bezahlen soll, zeigt den Erfolg der bisherigen Proteste." Tatsächlich handelt es sich jedoch hier um eine rein familienpolitische Maßnahme, die Ansprüche auf Grundlage von sozialer Bedürftigkeit außer Acht lässt. BAFöG-Höchstsatz-Empfangende werden somit trotz anerkannter Bedürftigkeit nicht von den Studiengebühren befreit, Studenten aus reichem Elternhaus dagegen schon. Studiengebühren sind und bleiben ein entscheidendes Element der sozialen Selektivität im bayerischen Bildungswesen und gehören deshalb abgeschafft!

Wissenschaftsminister Heubisch vollkommen realitätsfremd

Bei seinen Äußerungen auf München TV zeigt Minister Heubisch, dass er weder über die Forderungen der Studierenden bescheid weiß noch über deren soziale Situation. Es muss bei all denjenigen Studierenden, die aus finanziellen Gründen ihr Studium abbrechen mussten oder gar nicht erst angefangen haben zu studieren, zu einer gehörigen Bitterkeit führen, wenn der Minister behauptet, es sei in Bayern jedem Studierwilligen möglich, "das Fach zu studieren, das er gerne will”, bescheinigt doch die Studie des Hochschulinformationssystems aus dem Jahre 2006, dass ein Viertel all derjenigen, die eine Hochschulberechtigung besitzen und dennoch kein Studium aufnehmen, dies aus finanziellen Gründen nicht tun. Derartige Studienergebnisse scheinen bei Minister Heubisch nicht anzukommen. Von der Realität an den Hochschulen scheint er keine Ahnung zu haben. Davon zeugt auch seine Aussage, Studiengebühren kämen bei den Demonstrationen "nur wirklich sehr am Rande vor”. Vielleicht hätte er sich lieber mit den Forderungen und Banneraufschriften der Demonstrierenden auseinander setzen sollen, bevor er im Fernsehen derartige Aussagen tätigt. "Die Abschaffung der Studiengebühren stellt eine der Hauptforderungen des Streikaufrufs dar. Auch ein Blick auf die Berichte in der Presse hätten dies gezeigt!”, so Felix Binder, Beisitzer von Campusgrün Bayern.

Mehr Investitionen - Bildung ist unser einziger Rohstoff

Wir fordern die Abgeordneten in den deutschen Parlamenten auf, ihren Versprechen, die über alle Parteigrenzen hinweg gemacht wurden, Taten folgen zu lassen und endlich mehr in Deutschlands und Bayerns Bildung zu investieren. Unter den OECD-Staaten beträgt der Durchschnitt der Ausgaben für Bildung 6,1% des Bruttoinlandsproduktes. Die an Rohstoffen arme BRD liegt hier mit Ausgaben die sich auf 5,1% des BIP beschränken deutlich unter dem OECD-Durchschnitt. Möglichkeiten der Finanzierung wären z.B. eine Umlage der Gelder, die von den alten an die neuen Bundesländer übertragen werden möglich. Dieser „Bildungs-Soli“ könnten vortrefflich zur ausschließlichen Nutzung für Bildungsausgaben vor allem in den neuen Bundesländern umgewidmet werden.
"Bildung ist eine der wenigen zuverlässigen Zukunftsinvestitionen! Sie muss uns mehr wert sein!” fordert Ingo Henneberg, Sprecher von Campusgrün Bayern.


Vorstand
Campusgrün Bayern

Zugehörige Dateien:
PM Campusgrün Bayern zum Bildungsstreik09.pdfDownload (45 kb)
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