PM: Bayerische Studierendenverbände kritisieren die fehlende Beteiligung der Studierenden an Berufungsverfahren im Zuge der Hochschulautonomie

05.05.2009: Mit einem gemeinsame Schreiben appellieren Campusgrün Bayern, RCDS Bayern, die Juso Hochschulgruppen Bayern, die Liberalen Hochschulgruppen Bayern und die LAK Bayern an den Bayerischen Landtag. Wir befürchten gemeinsam eine weitere Abwertung der Lehre in Berufungsverfahren.

An die Abgeordneten des bayerischer Landtags im Ausschuss für Hochschule, Forschung und Kultur

Beteiligung der Studierenden an Berufungsverfahren bei der Übertragung des Berufungsrechtes an die Hochschulen

Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, wir wenden uns an Sie, da am kommenden Mittwoch unter anderem die Novellen des Bayerischen Hochschulgesetzes und des Bayerischen Hochschulpersonalgesetzes auf der Tagesordnung des Ausschusses für Hochschule, Forschung und Kultur des Bayerischen Landtages stehen.

Unter dem Leitbild einer stärkeren Hochschulautonomie sieht der vorliegende Änderungsentwurf vor, auch das Recht der Berufung neuer Professorinnen und Professoren alleine auf die Hochschulen zu übertragen. Das letztendliche Berufungsrecht soll nach der Vorbereitung durch eine Berufungskommission dann dem Präsidenten/der Präsidentin der jeweiligen Hochschule übertragen werden.

Dabei befürchten wir alle - parteiübergreifend - dass der Stellenwert der Lehre bei Berufungen noch weiter zurückgedrängt wird. Leider wurden in den verschiedenen bisherigen Exzellenz- Wettbewerben hauptsächlich Forschungsleistung und Drittmitteleinwerbung berücksichtigt. Daher ist in unseren Augen zu befürchten, dass die einzelne studentische Stimme in den Berufungskommissionen keine Rolle mehr spielen wird, wenn ein Kandidat oder eine Kandidatin zwar herausragende Drittmitteleinwerbungen oder Forschungsergebnisse aufweisen kann, aber inakzeptable Voraussetzungen für die Lehre mitbringt. Durch das geplante Verfahren fällt mit dem Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst eine wichtige Kontrollinstanz für uns Studierende weg.

Wir möchten aber noch einmal in Erinnerung rufen, dass mit der Habilitation als klassische Berufungsvoraussetzung die Lehrbefähigung, Facultas Docendi, festgestellt wird. Wir möchten die Lehre wieder gleichberechtigt neben der Forschung sehen und nicht als ungeliebten Anhang. Die exzellente Lehre von heute ist Bedingung für die exzellente Forschung von morgen!

Die Studierenden müssen daher als wichtiger Teil der Hochschulen und als Gruppe, welche die Qualität der Lehre am direktesten betrifft, stärker an den Entscheidungen beteiligt werden. Wir fordern eine Einspruchsmöglichkeit für die Studierenden bei Berufungen, um bei kritischen Verfahren ein stärkeres Augenmerk auf die Lehrleistung der Kandidatin oder des Kandidaten werfen zu können. Über die genaue Ausgestaltung des Verfahrens sind wir gerne zu einem Dialog bereit, da verschiedene Varianten möglich sind. Vorstellbar wäre zum Beispiel ein Appellationsrecht an das Ministerium oder eine Kommission an der jeweiligen Hochschule, eine Erhöhung der Anzahl der Studierenden in den Berufungskommissionen oder ein Vetorecht der Studierendenvertretung.

Im Namen der demokratischen politischen Hochschulgruppen und der LAK, und stellvertretend für alle Studentinnen und Studenten in Bayern, bitten wir Sie daher, sich nocheinmal intensiv mit dem Gesetztesentwurf auseinander zu setzen und unsere Bedenken in Ihre Entscheidung einfließen zu lassen.
Für Ihre Bemühungen herzlichen Dank!

Paul Linsmaier, Landesvorsitzender RCDS Bayern

Daniel Mann, Sarah Al-Heli, SprecherInnen Juso Hochschulgruppen Bayern

Ingo Henneberg, Sprecher Campusgrün Bayern

Dagmar Reich, Landesvorsitzende LHG Bayern

Philipp Schrögel, Sekretär LAK Bayern

Zugehörige Dateien:
brief_lak_hochschulausschuss_berufungsrecht.pdfDownload (386 kb)
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