Studienfinanzierung: Alternativen denken

Studienfinanzierung neu denken - soziale Hürden überwinden, weitere Elitenbildung verhindern!

Das bestehende System zur Studienfinanzierung ist hochgradig sozial selektiv und fördert Studierende nur unzureichend nach ihrer Bedürftigkeit. Die Aufrechterhaltung der derzeitigen Förderung durch Stiftungen, die häufig einer einseitigen, antiquierten Leistungsideologie folgen, ist nicht das Ziel gerechter grüner Hochschulpolitik. Die Förderung der A^ufnahme und Durchführung eines Studiums ist eine wichtige gesellschaftliche Herausforderung, die nicht den Interessen einer kleinen Elite dienen darf, sondern für breite soziale Schichten attraktiv gestaltet werden muss. Campusgrün Bayern fordert deshalb eine umfassende Umgestaltung des BAföG-Systems und grundsätzliche Veränderungen im System der Studienfinanzierung durch politische und sonstige Stiftungen.

Auch wenn die Förderung von Studierenden durch BAföG vom Grundsatz her richtig ist und bereits soziale Kriterien berücksichtigt werden, ist die Förderung in den letzten Jahren nur unzureichend an steigende Lebenshaltungskosten angepasst worden. Die jüngste Erhöhung um durchschnittlich zwei Prozent ist längst kein zufriedenstellendes Ergebnis. Studierende sind nicht mit einer Beruhigungspille abzuspeisen, sondern brauchen einen gesicherten Lebensunterhalt für ein erfolgreiches Studium ohne finanzielle Sorgen.

Dazu wäre es unabdingbar notwendig, das bestehende BAföG um eine weitere starke Komponente zu erweitern. Campusgrün Bayern fordert eine elternunabhängige Teilförderung, die allen Studierenden ihr Recht auf ein selbstbestimmtes Studium gibt, ohne von ihren Eltern abhängig zu sein, dabei aber gleichzeitig auf die unterschiedlichen sozialen Hintergründe der Studierenden achtet. Außerdem kann durch diese gerechtere Verteilung die massive Elitenbildung, die wir derzeit erleben, eingedämmt und die soziale Selektion an unseren Hochschulen verringert werden. Diese umfassende Umgestaltung muss einhergehen mit einer grundlegenden Veränderung im deutschen Stipendiensystem. Derzeit werden durch diese Förderungsstrukturen gesellschaftliche Elitenetzwerke verfestigt und soziale Selektion gefördert. Auch wenn sich manche Stiftungen redlich um eine Förderung nach sozialen Kriterien bemühen, so schaffen die Stiftungen es doch nicht, eine ausgewogene Sozialstruktur ihrer Stipendiaten zu erreichen. Noch immer sind Kinder aus AkademikerInnenhaushalten in allen Stiftungen weit stärker vertreten als es dem ohnehin schon hohen Durchschnitt an den Hochschulen entspricht. Dazu kommen häufig kaum nachvollziehbare Aufnahmeverfahren, deren Ergebnisse in den meisten Fällen eher weltanschauliche Nähe zu den politischen Überzeugungen der Stiftungen und Beherrschung sozialer Normen ausdrücken, als wirkliche Studienleistungen, gesellschaftliches Engagement oder soziale Bedürftigkeit. Dass für diese zweifelhafte Förderung in großem Maße Steuergeld verwendet. wird, das für eine soziale Förderung an anderer Stelle fehlt, ist für Campusgrün Bayern nicht hinnehmbar.

Besonders kritisch muss in diesem Zusammenhang auch das erst kürzlich beschlossene Nationale Stipendienprogramm der Bundesregierung gesehen werden. Es ist Ausdruck schwarz-gelber Klientelpolitik und verbessert nicht die Situation sozial schwacher Studierender. Die Fixierung auf herausragende Studienleistungen zementiert eine überholte Leistungsideologie, ohne soziale und gesellschaftspolitische Kriterien zu beachten. Campusgrün Bayern fordert deshalb ein System der Studienfinanzierung, in dem die Studienstiftungen den Studierenden weiterhin ihre begrüßenswerte ideelle Förderung anbieten, Studierende aber unabhängig von ihrer Weltanschauung und einem antiquierten Leistungsbegriff bei ihrem Lebensunterhalt unterstützt werden: Die staatlichen Mittel sollen statt in von Stiftungen

vergebene Stipendien in ein breites, sozial orientiertes Studienfinanzierungsprogramm fließen, um damit in großem Stil Bildungschancen für Menschen aus unterrepräsentierten Gruppen an Hochschulen zu eröffnen. Wichtig ist uns dabei die Kombination aus einer elternunabhägigen Grundförderung und einer sozialen Komponente, die anhand des Einkommens der Eltern ermittelt werden soll. Das existierende Zwei-Säulen-Modell der Grünen ist dabei ein vielversprechender Ansatz. Campusgrün Bayern fordert zu dessen Prüfung und gegebenenfalls Umsetzung auf!

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