Neugestaltung der Leitungsstrukturen der Hochschulen konsequent durchsetzen!

12.07.2012: Pressemitteilung von Campusgrün Baden-Württemberg

Campusgrün Baden-Württemberg zeigt sich erfreut, dass die Landesregierung an den Leitungsstrukturen der Hochschulen Baden-Württembergs Änderungsbedarf sieht. Dies geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Presseerklärung hervor. Doch gehen die Aussagen von Ministerpräsident Kretschmann und Ministerin Bauer nicht weit genug.

"Wir lehnen die Hochschulräte in ihrer jetzigen Form ab. Das Modell der 'unternehmerischen Hochschule', welches von den vergangenen CDU-Regierungen geschaffen wurde und neben einem starken Rektorat als Vorstand Hochschulräte als Aufsichtsräte vorsieht, ist für Hochschulen unpassend. Denn Hochschulen sind keine Unternehmen und benötigen eine demokratische Entscheidungsstruktur, in die die Mitglieder der Hochschule eingebunden werden. Deswegen sprechen wir uns dafür aus, dass die Hochschulräte in beratende Gremien überführt werden und die Senate gestärkt werden", so Patrick Stoll aus dem Landesvorstand von Campusgrün Baden- Württemberg.

Sonja Völker, Vertreterin der Grünen Hochschulgruppe Tübingen erganzt: "Die hochschulexternen Mitglieder der Hochschulräte sind momentan vor allem VertreterInnen der Wirtschaft, die damit einen massiven Einfuss auf die Entwicklung der Hochschulen haben. Hochschulen müssen aber das Wohl der gesamten Gesellschaft als Ziel haben. Es widerspricht auch der Freiheit der Wissenschaft, wenn eine Interessengruppe über die Zukunft der Hochschule entscheiden kann. Deswegen sind wir für eine Stärkung der inneren Entscheidungsstrukturen, die durch beratende Expertise von außen, z.B. von der lokalen Politik, Gewerkschaften, Umweltverbänden, aus der Kultur und aus der Wirtschaft unterstützt werden können."

"Wenn Ministerin Bauer nun meint, eine 'wissenschaftsadäquate Struktur der Hochschulen' müsse nicht im Widerspruch zu den Hochschulräten stehen, so verkennt sie die Realität. Denn eine wirtschaftliche Ausrichtung stellt Forschungsprojekte, die kurzfristige Marktoptionen eröffnen, sowie Studiengänge, deren AbsolventInnen von den WirtschaftsvertreterInnen umworben werden, in den Vordergrund. Dies geht oft zu Lasten von Grundlagenforschung, sowie ganzen Wissenschaftsgebieten und am Arbeitsmarkt weniger gefragten Fächern. Ministerpräsident Kretschmann und Ministerin Bauer müssen sich jetzt klar zu ihren Wahlversprechen bekennen und die Hochschulräte zu beratenden Gremien umwandeln", so David Hellwig, Mitglied des Landesvorstands.
Im Wahlprogramm der Grünen von 2011 hieß es noch wörtlich: "Die bestehenden Hochschulaufsichtsräte haben sich als nicht hilfreich erwiesen. Wir werden Hochschulräte zu beratenden Gremien umgestalten, in denen Externe aus Gesellschaft und Wirtschaft vertreten sind und die Entwicklung der Hochschulen von außen begleiten."

Vor diesem Hintergrund fordert Campusgrün Baden-Württemberg die Landesregierung dazu auf, sich nicht dem Druck der Wirtschaftsverbände zu beugen, sondern an ihren ursprünglichen Plänen festzuhalten.

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