Bildungsstreik 2010 - Der Protest geht weiter

Ein Jahr nach der ersten Bildungsstreik-Aktionswoche gingen am 9. Juni erneut Tausende von SchülerInnen und StudentInnen auf die Straße für ein besseres Bildungssystem. Sie demonstrieren dabei nicht nur gegen die anhaltende Misere an deutschen Hochschulen und Schulen, sondern auch gegen die VerantwortungsträgerInnen, die trotz vieler schöner Worte und Absichtserklärungen nichts handfestes unternommen haben, um sozialen Barrieren, verkrusteten Entscheidungsstrukturen und der zunehmenden Kluft zwischen Forschung und Lehre entgegenzuwirken.

Campusgrün Baden-Württemberg unterstützt auch in diesem Jahr die Proteste und fordert ein Umdenken an Hochschulen und Schulen. So setzen wir uns für eine tiefgreifende Demokratisierung der Hochschulen von Grund auf ein. Entscheidungsprozesse müssen nicht nur transparent, sondern auch partizipatorisch unter Einbindung aller am Wissenschafts- und Hochschulbetrieb Beteiligten gestaltet sein. Den Studierenden die Verfasste Studierendenschaft mit Satzungs- und Finanzautonomie, Rechtsfähigkeit und allgemeinpolitischem Mandat weiter vorzuenthalten entbehrt jeder Grundlage und dient der Unterdrückung unter Umständen missliebiger Meinungen. Desweiteren können Studierende ihre Interessen nur durch eine angemessene Vertretung in den Hochschulgremien einbringen: Eine Viertelparität in allen Gremien ist daher unumgänglich.

Obwohl im vergangenen Jahr tausende Studierende und Schüler durch Protestaktionen, Streiks und Besetzungen ihren Unmut zum Ausdruck brachten ist es bisher kaum zu nachhaltigen Änderungen im Bildungssystem gekommen. Viel wurde versprochen, wenig bis gar nichts wurde umgesetzt.

Studiengebühren, welche nach wie vor in einigen Bundesländern erhoben werden, verschärfen die ohnehin schon vorherrschende soziale Ungerechtigkeit an Hochschulen. Vorhaben wie das Nationale Stipendienprogramm lösen die Probleme beim Hochschulzugang in keinster Weise.

Campusgrün Baden-Württemberg setzt sich für eine ausreichende Breitenförderung statt der Unterstützung weniger ein und steht damit hinter den Forderungen des Bildungsstreikbündnisses.

Als Teil des Bildunsgsstreiks vertritt Campusgrün Baden-Württemberg ein alternatives Bild von Hochschule: Hochschulen sollen offene Institutionen des kritischen Geistes sein, die Bestehendes unentwegt hinterfragen und sich mit den drängenden Problemen einer zunehmend ökologisch ins Abseits geratenden, durch und durch der Verwertungslogik unterworfenen und der gesamtgesellschaftlichen Solidarität immer mehr entbehrenden Menschheit auseinandersetzen und ihnen entgegenwirken. Kurzlebige Interessen haben an einem solchen Ort keinen Platz.

Nicht umsonst steht auf einem der aktuellen Bildungsstreik-Sticker provokativ "Heute schon auswendig gelernt?" Eine Schule oder Hochschule an der nur streng Fakten gepaukt wird haben ihren Sinn verfehlt. Schulen und vor allem Hochschule sollten alle Lernenden darin unterstützen Demokratie, Solidarität und Nachhaltigkeit zu leben und zu lernen.

Campusgrün Baden-Württemberg setzt sich deshalb für eine stärkere Berücksichtigung ökologischer Gesichtspunkte bei Entscheidungsfindungen in allen Bereichen der Hochschule ein. Will die Hochschule ihrer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft nachkommen, muss sie sich klar zu dem Leitbild der Nachhaltigkeit bekennen und entsprechende Maßnahmen ergreifen.

Campusgrün Baden-Württemberg, der Landesverband der grünen und grün-alternativen Hochschulgruppen, fördert den Austausch grüner Hochschulgruppen und bündelt vorhandene Kräfte.

Zugehörige Dateien:
PM_CGBW_Bildungsstreik 2010 - Der Protest geht weiter (9.6.2010).pdfDownload (68 kb)
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