Hochschulräte in beratende Gremien überführen

06.05.2012: Hochschulräte (an manchen Hochschulen heißen sie bereits Aufsichtsräte) fungieren im Bild der unternehmerischen Hochschule wie Aufsichtsräte in Unternehmen und die RektorInnen (bzw. die PräsidentInnen) wie Vorstandsvorsitzende. Diese hierarchischen Strukturen sind nicht zeitgemäß und schaffen die akademische Selbstverwaltung ab. So ist es in vielen Bereichen nicht mehr möglich, dass hochschulinterne Entscheidungen alleine durch die Angehörigen der Hochschule getroffen werden.

Hochschulräte sind häufig durch VertreterInnen aus Wirtschaftsunternehmen dominiert. Dies hat zur Folge, dass wirtschaftliche Interessenverbände die finanzielle, personelle oder inhaltliche Ausrichtung der Hochschule bestimmen können. Eine Instrumentalisierung von wissenschaftlichen Einrichtungen und Bildung durch Wirtschaftsunternehmen lehnen wir ab.

Hochschulräte haben maßgeblichen Einfluss durch die Verabschiedung der Struktur- und Entwicklungspläne. Außerdem schlagen sie den/die RektorIn sowie alle weiteren hauptamtlichen Vorstandsmitglieder vor, welche vom Senat nur noch angenommen bzw. abgelehnt werden.

Begründet wird die derzeitige Ausgestaltung der Hochschulräte damit, dass die Hochschulen Beratung aus "der Mitte der Gesellschaft" benötigten. Um diese Aufgabe zu erfüllen braucht es aber nicht die derzeit für Hochschulräte vorgesehenen Kompetenzen. Es ist außerdem eine Farce, dass die Hochschulräte weder öffentlich tagen, noch ihre Protokolle einsehbar sind.

Campusgrün Baden-Württemberg fordert daher die Umwandlung der Hochschulräte in beratende, öffentlich tagende Gremien, in denen verschiedene gesellschaftliche Gruppen vertreten sind. Das bedeutet, dass VertreterInnen aus Wissenschaft, Kultur, Gewerkschaften, Umweltverbänden und anderen gesellschaftlichen Gruppen verstärkt herangezogen werden sollen, statt wie bisher vornehmlich VertreterInnen der Wirtschaft. Insbesondere müssen auch Angehörige der jeweiligen Hochschule Mitglied des betreffenden Hochschulrats sein, um den Informationsfluss zwischen der Hochschule und ihrem Beratungsorgan zu verbessern. Um die Geschlechtergerechtigkeit voranzutreiben, erscheint eine Quotierung der Hochschulräte als wirksames Instrument.

Generell muss die Besetzung aller Hochschulgremien dahingehend verändert werden, dass alle Mitglieder der Hochschule angemessen repräsentiert sind. Die akademische Selbstverwaltung darf nicht von einzelnen Gruppen dominiert werden, sondern muss den Willen aller Mitglieder der Hochschule demokratisch abbilden.

Verabschiedet von Campusgrün Baden-Württemberg am 06.05.2012

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