Durch Evaluation mit breiter Partizipation die Lehrqualität verbessern

28.11.2004: Beschluss der 10. Bundesversammlung des Bündnisses grün-alternativer Hochschulgruppen in Mainz

Evaluation bedeutet, von einem Ziel guter Lehre ausgehend, positive und herausragende Lehre, aber auch die Abweichungen aufzudecken und Verfahren zu deren Überwindung zu empfehlen und zu begleiten. Dabei können Einzelveranstaltungen evaluiert oder Studiengänge insgesamt betrachtet werden. Schlechte Lehre ist mitverantwortlich für unfreiwillig lange Studienzeiten und hohe Abbrecherquoten. Evaluation bietet eine Möglichkeit Lehre nachhaltig zu verbessern.

Das Bündnis grün-alternativer Hochschulgruppen beurteilt Evaluation sowohl auf einzelne Lehrveranstaltungen als auch auf ganze Lehrbereiche bezogen als sinnvoll und im Interesse aller Hochschulmitglieder als wichtig. Die Evaluation von Einzelveranstaltungen ist die bei Studierenden bekannteste Form von Qualitätsbewertung von Lehre. Sie kann DozentInnenen eine Rückmeldung geben,. Die Veranstaltungsevaluation sollte flächendeckend durchgeführt werden. Sie sollte aber nicht gegen den Willen der Dozentin oder des Dozenten durchgeführt werden. DozentInnen, die bereits gute Lehre anbieten, werden darin bestärkt und zu weiteren Verbesserungen ermutigt.. Die oft stärkere Förderung von Didaktik bei jungen DozentInnen wird durch Evaluation erleichtert und verstärkt. Werden Veranstaltungen hartnäckig negativ bewertet, hat sich das Mittel der Lehrevaluation zumindest bisher als unzureichend herausgestellt, um die betroffenen DozentInnen zu Änderungen zu motivieren. Die Evaluation kann aber durch die Objektivierung von vorher oft schon vermuteten Problemlagen zu deren Veränderung beitragen. Die Evaluation von gesamten Lehrbereichen verläuft in mehreren Schritten. Der Ist-Zustand mit verschiedenen Problemen wird festgestellt. Dazu werden Strukturdaten erhoben und Gespräche mit ausgewählten repräsentativen VertreterInnen der Statusgruppen geführt oder der Bericht wird direkt von ihnen verfasst. Zusammen mit den Beurteilungen von externen Experten werden daraus Verbesserungsvorschläge z.B. im Vergleich zu anderen Hochschulen erarbeitet, die auch in ihrer Umsetzung begleitet werden.

Nach Meinung des Bündnisses grün-alternativer Hochschulgruppen ist Evaluation durch vorkonzipierte Gespräche mit StatusgruppenvertreterInnen in ihrer Aussagekraft der Ansammlung von Lehrveranstaltungsevaluation (in Form von Fragebögen) überlegen. Zwar kann die Evaluation von Einzelveranstaltungen bestimmte Probleme genauer aufzeigen, strukturelle Probleme sind aber durch die tiefergehende Analyse des gesamten Lehrbereichs besser zu erkennen. Ein weiterer Vorteil der Fachbereichsevaluation ist die umfassende Beteiligung aller Betroffenen weil sich eine ergebende Reorganisation des Lehrbereichs mit großen Anstrengungen für die Beteiligten verbunden ist, die nicht zuletzt wegen des gegenwärtigen Personalrechts unter fast keinen Umständen austauschbar sind. Eine differenzierte Qualitätsmessung von Lehre durch Evaluationsmaßnahmen ist in jedem Fall Nachfragemechanismen (z.B. durch Studiengebühren) bei der Qualitätsverbesserung überlegen. Durch eine Qualitätsmessung von Lehre kann diese Forschungsleistungen zu einem relevanten Kriterium für die Gesamtleistung von ProfessorInnen und MitarbeiterInnen werden und wird damit aufgewertet. Dies gilt insbesondere auch in der Selbstwahrnehmung der DozentInnen. Allerdings bleibt gute Lehre immer auch auf die Rückkopplung mit aktueller Forschung angewiesen.

Die Evaluation von Lehre ist ein sich weiterhin stark verändernder Bereich. Dieser Katalog stellt die Mindestanforderungen des Bündnisses grün-alternativer Hochschulgruppen für die Durchführung von Evaluation dar:

  • Eine Feststellung von Mängeln in der Durchführung der Lehre muss seitens der Hochschulen immer mit dem ausreichenden Angebot an Fortbildungsmaßnahmen verbunden sein.
  • Die Ergebnisse der Lehrveranstaltungsevaluation sollten zur Validierung gegebenenfalls untereinander abgeglichen werden, um subjektive Sympathiebewertungen zu vermeiden. Auch bei der Formulierung von Fragestellungen ist darauf zu achten, möglichst objektive Daten zu erhalten.
  • Bei der Durchführung sind im Seminar ausgefüllte Fragebögen einer passwortgeschützten Onlinebefragung klar in der Rücklaufquote überlegen und sollten daher favorisiert werden.
  • Zur Wahrung von Demokratie und Transparenz sollten VertreterInnen der Statusgruppen auf den verschiedenen Ebenen von Evaluationsverfahren eingebunden sein. Die Ergebnisse von Lehrbereichsevaluationen sollten zumindest intern veröffentlicht und damit allen Betroffenen zugänglich werden.
  • Bei der Durchführung von Lehrveranstaltungsevaluationen sollte immer sichergestellt sein, dass die Ergebnisse in der TeilnehmerInnen-Gruppe besprochen werden. Sonst kann selbst bei einer persönlichen Verwertung der Ergebnisse durch den/die DozentIn bei den Studierenden der entmutigende und abschreckende Eindruck entstehen, dass die Ergebnisse der Evaluation wirkungslos bleiben.
  • Die Erstellung und Auswertung von Evaluationsbögen sollten von Studierenden oder unabhängigen Personen durchgeführt werden, um die Anonymität der Anmerkungen sicherzustellen. Nur wenn diese Voraussetzung erfüllt ist, wird man ehrliche Antworten erhalten können.
  • Evaluation kann nicht als Mittel für die Umsetzung von Mittelkürzungen eingesetzt werden. Eine wahrheitgemäße Rückmeldung ist nicht zu erwarten, wenn jedes ehrliche Eingeständnis von Fehlern potentiell zum Verlust von Mittel und Personal führt.