Bericht vom Gender Budgeting Seminar

17.05.2007: Vom 11. bis zum 13. Mai tagten Campusgrüne in Berlin und setzten sich mit dem Instrument Gender Budgeting auseinander. Unter der Anleitung der Referentinnen Marion Böker und Karin Flothmann entstanden dabei ein Grundsatzpapier und ein Maßnahmenkatalog, die auf der nächsten Mitgliederversammlung, die voraussichtlich vom 29.06. bis zum 01.07. stattfindet, als Antrag vorgelegt werden soll.

Karin Flothmann (Referentin) und Inga Müller (Bielefeld)

Der Anreisetag Freitag begann mit allgemeinen Debatten rund um das Thema Gleichstellungspolitik. Wer achtet in seinen Flyern eigentlich auf gegenderten Sprachgebrauch? Wie siehts mit den Quoten aus? Was für Ziele haben grün-alternativ Hochschulgruppen sonst in ihrem Programm - und was haben sie vielleicht schon umgesetzt? Es war die Zeit, ein wenig ins Gespräch zu kommen und all die Fragen zu stellen, die am Samstag dann geklärt sein sollten, damit wir den Fokus auf das eigentliche Thema des Seminars legen können.

Am Samstag ging es früh los: Marion Böker stellte mit einem Input-Referat das Instrument "Gender Budgeting" und dessen Verankerung im internationalen Institutionen vor. Sie berichtete aus ihrer Tätigkeit als Beraterin verschiedener Behörden in Berlin, das als erstes Bundesland seinen Haushalt auf Geschlechtergerechtigkeit untersucht. Sie räumte ein, dass eine entsprechende Untersuchung nur ein Aspekt von vielen sein sollte: Gleichwohl dürfte die Gleichstellungsfrage nicht erneut als Nebenwiderspruch abgetan werden und damit auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben werden. Vielmehr könnte eine entsprechende Implementierung Zugpferd für andere Gruppen sein: Wie viel des öffentlichen Geldes landet beispielsweise konkret bei Menschen mit Migrationshintergrund oder mit Behinderung? Am Nachmittag waren die TeilnehmerInnen selbst gefragt: Es wurde überlegt, wie eine Umsetzung in den Hochschulen aussehen könnte. Schnell war klar, dass dabei eine Umsetzung im Hochschulhaushalt und in den Studierendenschaften unterschiedlich diskutiert werden muss. Stark betont war dabei, wie wichtig es ist alle Beteiligten - Studierende oder Angestellte - mitzunehmen und nicht per ordre de mufti ein bürokratisches Verfahren zu verordnen. Bis in die Nacht hinein wurde dann an zwei Papieren gefeilt, die nun im Wiki diskutiert werden sollen: Ein Positionspapier, mit dem Campusgrün die Einrichtung von Gender Budgeting "flächendeckend" fordert sowie ein Maßnahmenkatalog, der konkrete Schritte für die Umsetzung vor Ort enthält. Beide sollen auf der Mitgliederversammlung vorgestellt werden.

Tagen in europäischer Atmsphäre: Mallas (Kiel), Waimann (Bielefeld), Müller (Bielefeld), Schrader (Kiel)

Der Sonntag war dann das Sahnehäubchen auf dem Programm: In einem Saal des Roten Rathauses diskutierten auf Einladung von Campusgrün Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Hochschulverwaltung über die Umsetzung in den Hochschulen. Die Debatte machte Mut, dass den campusgrünen Forderungen auch Taten folgen könnten: die stark vertretene Universität Bielefeld könnte bald erste Schritte zur Einführung unternehmen. Die VertreterInnen der grünen hochschulgruppe*offene liste der Hochschule nahmen den Ball auf - über Umsetzungen wollen sie ihre KollegInnen bundesweit auf dem Laufenden halten.