Positionspapier Werbung an Hochschulen

17.04.2011: Die Hochschule ist ein wissenschaftlicher Raum für Studierende und Lehrende. Hochschulen sind kein Raum für ein massives Bewerben von kommerziellen Angeboten. Besucher_innen der Hochschulen sollen somit nicht belästigenden, kommerziellen Werbeangeboten ausgesetzt werden.

Gleichzeitig bietet der öffentliche Raum Hochschule ein attraktives Werbeumfeld: Akademiker_innen und zukünftige Akademiker_innen sind finanzkräftiger, häufig ‚early adopter’, was neue Technologien und Produkte betrifft. Kurz: In den Augen vieler Marketing-Leute die idealen Werbebotschafter_innen. Das weckt Begehrlichkeiten, auch bei den Leitungen der unterfinanzierten Hochschulen, denn Werbung bringt Geld, und je exklusiver der Zugriff auf begehrte Werbeflächen, desto mehr Geld kann die Hochschule einnehmen.

Dennoch: In den Hochschulen hat die Wissenschaft und somit Lehre und Forschung Vorrang vor anderen Interessen. Werbung in den Hochschulen darf den Hochschulbetrieb nicht stören. Campusgrün spricht sich gegen kommerzielle Werbestände an den Hochschulen aus. Wir sind ausdrücklich gegen eine Hochschule, die den Verkauf kommerzieller Produkte fördert.

Hochschulen sind unserer Meinung nach Ort und Raum für Interaktion und Kommunikation für Studierende und dem Personal und sollen wissenschaftlich interessierten Menschen offen stehen.

Wir vertreten die Meinung, dass eine Hochschule nicht der richtige Ort ist, um Verkaufs- und Werbegespräche zu führen. Uns ist es wichtig, dass die Verantwortlichen seitens der Studierendenschaften, der Studierendenwerke und der Hochschulleitung gemeinsame Leitlinien entwickeln und mit Hilfe einer Werbeverwaltung bewusst darüber entscheiden, welche Werbung an der Hochschule vertreten sein darf und welche Formen abzulehnen sind.

Wir lehnen grundsätzlich externe Hochschulvermarkter für Werbung an Hochschulen ab. Wir glauben, die Hochschulleitungen und die Studierenden müssen einen unmittelbaren Einfluss auf die geschaltete Werbung haben. Damit besteht die Möglichkeit, sexistische, rassistische und sonstige diskriminierende Werbung vorab zu überprüfen und gegebenenfalls zu verhindern.

Studentische nichtkommerzielle Werbung muss Vorrang vor kommerzieller Werbung haben. Es müssen ausreichend Ausstellflächen für nichtkommerzielle studentische Werbung und Informationsangebote innerhalb und außerhalb der Hochschule zur Verfügung gestellt werden.

Die Kommunikation und Interaktion des studentischen Lebens an der Hochschule ist zu fördern und zu stärken. Es ist darauf zu achten, dass studentischen Angeboten ein exklusiver Platz für ihre Informationsangebote zur Verfügung gestellt wird. Studentische - nicht kommerzielle - Werbung darf nicht in Konkurrenz zu kommerzieller Werbung stehen und durch diese eingeschränkt werden.

Wir sprechen uns gegen jegliche Form von diskriminierender Werbung an Hochschulen aus. Werbung arbeitet oft mit Stereotypen, ist daher nicht als neutral anzusehen und bedarf somit einer Regulierung anhand bindender Leitlinien, um diese Formen auszuschließen.

Wir fordern ein Vetorecht seitens der Studierenden bezüglich des Anbringens von Werbung: Mit diesem Vetorecht ist es den Studierenden in schweren Fällen möglich, bei diskriminierender Werbung unmittelbar zu reagieren.

Wir sprechen uns dafür aus, dass in Kooperation mit Studierendenvertretung und Hochschulleitung bindende Regelungen für den Umgang mit kommerzieller und nicht kommerzieller Werbung erarbeitet werden. Es sollte reguliert werden, wie viel Raum Werbung eingeräumt wird und welche Inhalte bzw. Produkte und Werbung sich an der Hochschule präsentieren dürfen. Auch bei nichtkommerzieller Werbung ist abzuwägen, welchen konkreten Nutzen Studierende, Wissenschaftler_innen und andere Hochschulangehörige und die Hochschule frequentierende Personen haben.

Beschlossen auf der 23. Mitgliederversammlung von Campusgrün am 17. April 2011 in Köln

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