Heißer Herbst - Im Zeichen der Bildungsproteste

12.11.2009: In den letzten Wochen und Tagen scheint die Utopie eines neuen hochschulpolitischen Bildungssystems und Wünsche nach einer sozialen und gerechten Studierbarkeit des BA/MA Studiensystems wieder an Fahrt zu gewinnen.

Viele Studierende sind sich Ihrer momentanen Studiensituation bewusst: der viel zu hohe Leistungsdruck, die ewigen Probleme beim Studienortswechsel, die Akkreditierung der Studienleistungen und die kaum vorhandene Möglichkeit, die eigenen thematischen Schwerpunkte innerhalb des eigenen BA/MA Studiums wählen zu können. Die kaum aktiv vorhandene Partizipation der Studierenden und die darin enthaltene Mitbestimmung in der akademischen Selbstverwaltung an der Universität tun ihr übriges.

Es sind nicht nur diese genannten Gründe, die viele Studierende an deutschen Universitäten bewogen haben, sich politisch spektrenübergreifend in Bündnissen an Ihren jeweiligen Standorten zu organisieren. Viel mehr steckt dahinter eine Unzufriedenheit der Studierenden, als Konsumenten einer Bildungsmaschinerie klassifiziert zu werden, deren Leitbild eine ökonomisch Handlungsorientierte Hochschule ist.

Die Zeiten für ein freies selbst bestimmtes Studium stehen vielen Interessen einer neoliberalen Ideologie und Ihrer systematischen wirtschaftlichen Denkweise diametral entgegen. Der Humboldt´sche Grundgedanke verschwindet immer weiter, jedoch wächst der Wunsch der Studierenden eben nach dessen Tenor.

"Gestrig" - wie die Bundesbildungsministerin Anette Schawan es bezeichnete, sind die Bildungsproteste wohl eher kaum, es ist viel mehr das programmatische Bestreben der Studierenden, für die Vorstellungen und Forderungen die sie haben, zu kämpfen.

Es ist nachvollziehbar das sich Studierende in Deutschland, Europa und in anderen Ländern der Welt für ihre Forderungen und Vorstellungen von einem studentisch orientierten Studium aktiv einsetzen.

Mit studentisch aktiv orientierten Handlungen muss eine kritische Reflexion der Proteste einher gehen und lösungsorient auch im Sinne der Studierenden verfolgt werden. Die Möglichkeit einer aktiven Mitbestimmung von Studierenden bei der Erneuerung und Verbesserung des derzeitigen BA/MA ist notwendig. Ausschließlich ökonomische Gesichtspunkte sind monetär und widersprichen studentischen Vorstellungen und Interessen.

Es darf nicht der Fall sein, dass die Besetzung universitärer Räume strafrechtlich verfolgt und kriminalisiert werden. International versuchen Studierende ihr Recht auf Legitimation im Sinne einer freiheitlichen demokratischen Meinungsäußerung durch aktive gewaltfreie Handlungen einzufordern - Forderungen angesichts politischer Missstände.

Aus Sicht von Campusgrün ist es ein richtiger Ansatz, nachhaltigkeit Entwicklung mit in den Prozess einer Neustrukturierung und Überarbeitung des derzeitigen BA/MA Systems einzubeziehen, zu verinnerlichen und umzusetzen. Dabei muss die soziale Dimension des Begriffes Nachhaltigkeit klar herausgestellt werden und darüber hinaus auch die Dimension einer nachhaltigen Lehre und Forschung erörtert und mit einbezogen werden.

Ein Überdenken des BA/MA Systems muss intergovernmental und supranational geschehen und gerade deswegen ist es unumgänglich, dass studentische Interessen international ernstgenommen werden.