Gemeinsame Erklärung der Studierendenverbände und des Deutschen Studentenwerks (DSW)

16.11.2000: Die unterzeichnenden Studierendenverbände und das Deutsche Studentenwerk (DSW) lehnen Studiengebühren ab.

Jeder junge Mensch muss die Möglichkeit haben, eine seiner Eignung und Neigung entsprechende Ausbildung zu erhalten, unabhängig von den finanziellen Verhältnissen seiner Familie. Die Zukunft unserer Gesellschaft hängt entscheidend mit davon ab, wie viel sie in die Ausbildung ihrer jungen Menschen investiert. Wir fordern die politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern auf, nicht immer nur von der Notwendigkeit von Investitionen in Bildung zu reden, sondern diese Einsicht auch im praktischen Handeln der Parlamente und Regierungen glaubwürdig umzusetzen.

Die fortwährende Diskussion um Studiengebühren erschüttert die Glaubwürdigkeit; denn Studiengebühren:

  • benachteiligen Familien mit Kindern im Vergleich zu den übrigen Bevölkerungsgruppen, da sie von Kosten für Erziehung und Ausbildung in erster Linie betroffen sind,
  • belasten die Jugend, die später für die heute im Erwerbsleben Stehenden die Renten und Pensionen bezahlen soll, nun auch noch mit der Rückzahlung eigener Ausbildungskosten,
  • treffen insbesondere Familien mit mittleren und kleineren Einkommen, deren Kinder jetzt schon an deutschen Hochschulen unterrepräsentiert sind.

Spätestens die Greencard-Debatte hat deutlich gemacht, dass Deutschland eher zu wenig als zu viele Studierende hat. Wie die Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks belegt, ist das Bildungspotential der oberen Einkommensgruppen weitgehend ausgeschöpft, das der unteren und mittleren bei weitem noch nicht. Die Kosten für die Ausbildung und die späteren Schulden bei einer Darlehensrückzahlung wirken schon bei Familien mit mittlerem Einkommen abschreckend. Studiengebühren verstärken diesen Abschreckungseffekt.

Die unterzeichnenden Studierendenverbände und das Deutsche Studentenwerk (DSW) lehnen deshalb Studiengebühren ab.

Wie breit der Konsens hinsichtlich der Ablehnung von Studiengebühren ist, wird durch das Spektrum der Verbände deutlich, die trotz unterschiedlicher Ausrichtung diese gemeinsame Erklärung unterzeichnen:

  • Bundesausschuss der Studentinnen und Studenten der GEW,
  • Bundeskoordination Grüner und grünnaher Hochschulgruppen (gemeint ist das Bündnis grün-alternativer Hochschulgruppen),
  • Bundesweiter studentischer Arbeitskreis zur Arbeit der sozialen Einrichtungen der Studieren-den (AK SES,
  • Deutsches Studentenwerk (DSW),
  • Evangelische Studentengemeinde (ESG),
  • JUSO-Hochschulgruppen,
  • Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS).