PM:Neues Jahr - neue Gebühren.

17.01.2011: Neues Jahr - neue Gebühren. Zur bevorstehenden Einführung kostendeckender Studiengebühren erklärt Campusgrün Bayern:

Die Freude bei den Studierenden über die erfolgreiche Verhinderung der drastischen Kürzungspläne der bayerischen Staatsregierung zum Jahreswechsel kann nicht über das bald drohende Unheil in diesem Jahr hinwegtäuschen. Die umfassende Novellierung des bayerischen Hochschulgesetzes, die Anfang März 2011 in Kraft treten soll, enthält neben positiven Ansätzen vor allem neue finanzielle Belastungen für Studierende.

Einerseits begrüßt Campusgrün Bayern die in der Gesetzesnovelle vorgesehene Einführung von berufsbegleitenden Studiengängen, da diese dazu beitragen, die soziale Durchlässigkeit unseres Bildungssystems zu erhöhen. Andererseits protestieren wir gegen die geplante Erhebung von kostendeckenden Gebühren von bis zu 3000€ pro Semester für diese Studiengänge.[br}

Die finanzielle Lage eines Teils der möglichen Studierenden von berufsbegleitenden Studiengängen wird in der Gesetzesänderung völlig außer Acht gelassen. "Viele Berufstätige werden es sich bei einer Campusmaut von 3000 Euro pro Semester auf Grund ihrer Einkommen schlich nicht leisten können, berufsbegeitend zu Studieren. Somit verschärft sich die soziale Selektion im Bildungsbereich weiter, anstatt oft gefordertes lebenslanges Lernen zu fördern", kritisiert Katharina Günther, Sprecherin von Campusgrün Bayern.

"Die Möglichkeit zur Erhebung neuer Gebühren lädt die Lösung der Unterfinanzierung bei den bayerischen Hochschulen ab. Das Mantra von Deutschland als Wissensgesellschaft und Bildung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe klingen im Zuge dieser Entwicklung wie blanker Hohn", ergänzt Meike Gäde, Beisitzerin im Landesvorstand. Die fortschreitende Privatisierung von Bildungsfinanzierung u.a. durch kostendeckende Gebühren für berufsbegleitende Studiengänge steht dem öffentlichen Bildungsauftrag diametral entgegen. Der Zugang zu Bildung hängt somit zunehmend am Geldbeutel der Eltern oder dem der Studierenden selbst. Dazu Maximilian Rumler, Sprecher von Campusgrün Bayern: "Studierende wollen nicht zu zahlenden Kunden der Hochschulen degradiert werden, sondern ihren Bildungserfolg selbstbestimmt gestalten".

Campusgrün Bayern setzt sich für flexible Studienmodelle ein, die möglichst vielen Lebensentwürfen gerecht werden und breiten Schichten Bildungschancen ermöglichen. Durch die beschlossenen Änderungen besteht jedoch die Gefahr, dass zahlungskräftige berufsbegleitend Studierende eine Konkurrenz für regulär Studierende darstellen, die den Hochschulen weniger Einnahmen bescheren und somit von den Hochschulen verdrängt werden. "Der Freistaat muss Bildung als Ressource der Zukunft erkennen und allen Interessierten ein Studium ermöglichen, anstatt durch Studiengebühren verschiedenster Art die soziale Selektion im Bildungssystem zu fördern", bringt Katharina Günther ein Ziel grüner Hochschulpolitik auf den Punkt.

Die Staatsregierung rechtfertigt in ihrem Entwurf die Einführung der kostendeckenden Gebühren im Übrigen damit, dass "...die Lehrtätigkeit im Rahmen der berufsbegleitenden Studiengänge, mangels zusätzlicher Kapazitäten […] über die festgelegte Lehrverpflichtung hinaus geleistet werden muss." Weiter heißt es im Text des Entwurfs: " Dies bedeutet, dass das Lehrpersonal diese Lehre freiwillig erbringt". Wie angesichts dieser zusätzlichen Belastung für das bestehende, und bereits heute oftmals überstrapazierte Lehrpersonal die Qualität von Forschung und Lehre weiterhin gewährleistet werden soll, lässt die Staatsregierung völlig offen.

Vorstand Campusgrün Bayern

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