Studiengebühren - 2007 boykottieren, 2008 abschaffen!

24.11.2006: Der OECD-Bildungsbericht hat Mitte September einmal wieder längst bekannte Weisheiten bestätigt: Im internationalen Vergleich ist das deutsche Bildungssystem unterfinanziert und zu wenig junge Menschen nehmen nach dem Schulabschluss ein Studium auf. Sven-Christian Kindler vom Landesvorstand der GRÜNEN JUGEND Niedersachsen erklärt wie Studiengebühren diese Entwicklung verschärfen und warum sie 2008 wieder abgeschafft werden müssen.

Sven-Christian Kindler, Schatzmeister der GRÜNEN JUGEND Niedersachsen

Gerade mal 20,6% eines Jahrgangs absolvieren laut der OECD erfolgreich ein Hochschulstudium. Doch anstatt jungen Menschen Anreize zur Aufnahme eines Studiums zu setzen, werden bestehende finanzielle und soziale Barrieren verschärft, indem die CDU/FDP-Landesregierung in Niedersachsen flächendeckend nachgelagerte Studiengebühren einführt. In Niedersachsen zahlen alle Erstsemester ab Oktober 500 Euro pro Semester, ab dem Frühjahr 2007 sollen dann alle Studierenden zur Kasse gebeten werden. Flucht aus Niedersachsen

Schon heute "exportiert" Niedersachsen StudienanfängerInnen in andere Bundesländer, sprich Niedersachsen bietet zu wenig Studienplätze an und verpasst damit die Chance junge, gut ausgebildete Menschen dauerhaft an das Land zu binden. Noch nicht abzuschätzen ist die Anzahl der Studierwilligen, die wegen der finanziellen Belastung komplett auf ein Studium verzichten. Erfahrungen aus Österreich haben gezeigt, dass gerade Menschen aus sozial schwächeren Schichten dies eher abschreckt und durch Gebühren die soziale Spaltung im Bildungssystem weiter verschärft wird. Bildung ist keine Ware!

Die Studierenden - die nicht auf den Geldbeutel der Eltern vertrauen können - sollen nach dem Studium den Kredit, den sie für die Gebühren aufnehmen müssen, innerhalb weniger Jahre zurückzahlen, wenn sie denn eine ausreichend bezahlte Anstellung finden. Ja, wenn! Und wenn nicht? Die Arbeitsrealität sieht heute für junge Menschen nach Abschluss des Studiums in vielen Branchen frustrierend aus: Viele HochschulabgängerInnen absolvieren erstmal ein, zwei, viele Praktika, jobben in befristeten Arbeitsverhältnissen, teilweise auch deutlich unter ihre Qualifikation. Folglich wird angesichts der Einführung von Studiengebühren mit dem Zwang möglichst erfolgsorientiert zu studieren, eine Konzentration auf ökonomisch besonders verwertbare Studiengänge stattfinden. AbsolventInnen der BWL, Chemie oder Biotechnologie sind ganz bestimmt wichtig für die Unternehmen. Aber auch freie KünstlerInnen, SoziologInnen oder IslamwissenschaftlerInnen leisten einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft, auch wenn das Ergebnis ihrer Arbeit nicht immer unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sofort zu erkennen ist. Eine Hochschule sollte deshalb nicht primär eine Ausbildungsstätte für die Wirtschaft sein, sondern den einzelnen Menschen durch Bildung befähigen selbst bestimmt, kritisch und aktiv an unserer demokratischen Gesellschaft teilzuhaben. Mehr Geld für die Uni

Von der schwarz-gelben Landesregierung wird als Argument für Studiengebühren die bessere finanzielle Ausstattung der Universitäten aufgeführt. Bewusst verschweigt sie allerdings, dass sie 2003 mit dem Hochschuloptimierungsgesetz 50 Millionen im Hochschulbereich zusammengekürzt hat. Eine bessere Finanzierung des Hochschulbereichs sollte viel mehr durch eine Umschichtung im Haushalt erreicht werden. Der oft beschworene Vorrang für Bildung muss sich endlich auch finanziell nieder schlagen. Zusätzlich müssen sich gut verdienende und vermögende AkademikerInnen an der Finanzierung der Universitäten beteiligen. Aber nicht durch Gebühren, sondern durch eine Erhöhung der Steuern auf Einkommen, Vermögen und Erbschaften.

Was können wir jetzt machen?

Die GRÜNE JUGEND Niedersachsen muss sich jetzt solidarisch mit den Studierenden zeigen und sich im Zusammenschluss mit Bündnis 90/ Die Grünen und Campus Grün mit den anderen GebührengegnerInnen vernetzen. Als erstes Ziel steht dabei der Boykott von Studiengebühren durch die Studierenden 2006 und 2007 an. Je mehr Menschen die Gebühren nicht zahlen, desto eher besteht die Möglichkeit die Landesregierung zu Verhandlungen zu drängen. Nach der Landtagswahl 2008 wird dann eine Rot-Grüne Koalition Studiengebühren abschaffen und damit auch für andere Bundesländer ein positives Signal setzen: Das Studium muss kostenfrei bleiben und zwar für alle!

Der Artikel erschien zuerst auf www.gj-nds.de.