Bericht der Nürnberger Nachrichten

Protestwelle hat Uni Erlangen-Nürnberg erreicht

Am 17. November soll es Demos in beiden Städten geben Protestwelle hat Uni Erlangen-Nürnberg erreicht

NÜRNBERG - "Jetzt brennt auch Deutschland" - unter diesem Motto ist die seit etwa drei Wochen andauernde Protestwelle von Studierenden in Österreich über die Grenze geschwappt. Am Anfang ging es in München rund: Studierende besetzten schon vergangene Woche die Akademie der Bildenden Künste. Und seit Mittwochabend halten mehr als 400 Studierende das Audimax der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) besetzt.

Am Donnerstag breitete sich die Protestwelle auf ganz Deutschland aus. Unter anderem in Coburg, Würzburg, Hamburg, Berlin, Bielefeld, Heidelberg, Mainz, Dresden und Potsdam besetzten Studierende Räume in Hochschulen. In Tübingen ließ der Rektor von einer Hundertschaft der Polizei den blockierten größten Hörsaal räumen.

Kritik an sozialer Ungleichheit

Die Kritik der Studierenden richtet sich vor allem gegen überlastete Studiengänge als Folge der Umstellung auf Bachelor- und Master-Abschlüsse, gegen soziale Ungleichheiten im Bildungssystem und Studiengebühren sowie gegen die chronische Unterfinanzierung der Hochschulen. In München werden die Aktionen von den Jusos und von Campusgrün, der Studentenorganisation der Grünen, unterstützt. "Jahrelang wurde die Wichtigkeit der Bildung gepredigt und nichts unternommen. Jahrelang wurden Investitionen in die Hochschulen versprochen und hinterrücks die Etats gekürzt. Jetzt ist das Maß voll!", sagte die bayerische Juso-Vorsitzende Marietta Eder.

"Es geht nicht darum, ein paar tausend Euro mehr an einzelne Eliteuniversitäten zu verteilen. Es geht vielmehr darum, die Hochschulen demokratisch zu gestalten, Zugangshürden abzubauen und den ständigen Notendruck zu vermeiden", erklärte Ingo Henneberg, Sprecher von Campusgrün Bayern.

All diese Kritikpunkte sind die Zielscheibe bundesweiter Protestaktionen, die für Dienstag, 17. November, angekündigt sind. Der zweite bundesweite Bildungsstreik in diesem Jahr steht unter dem Motto "Unser Leben, unsere Perspektive! Lasst uns gemeinsam kämpfen - für ein Bildungssystem nach unseren Interessen". Zu Protestdemos ruft auch das Bildungsstreikbündnis Nürnberg/Erlangen auf. Ziel ist es, wie im vergangenen Mai Tausende von Schülern, Studenten und Unzufriedenen zu mobilisieren, damit sie ihren Unmut über das Bildungssystem auf die Straße tragen.

Demonstrationszüge geplant

In Erlangen beginnt die Demonstration um 9.30 Uhr auf dem Hugenottenplatz, in Nürnberg um 11.30 Uhr an der Lorenzkirche. In Bayreuth soll der Protestzug um 14 Uhr auf dem Uni-Campus beginnen und um 16 Uhr mit einer Kundgebung am Luitpoldplatz enden. "Gründe auf die Straße zu gehen gibt es mehr als genug!", meint Jasmin Hildebrand, Sprecherin des hiesigen Bildungsstreikbündnisses: "Studiengebühren, zunehmende Privatisierung des Bildungssektors, soziale Selektion sowie Leistungs- und Konkurrenzdruck. Gegen all diese Ungerechtigkeiten müssen wir uns alle wehren. Nur gemeinsam sind wir stark!"

Des weiteren appelliert das Bündnis auch an Lehrer und Dozenten den Streik nicht als Kritik an ihrer individuellen Arbeit zu werten. Sie sollten sich vielmehr solidarisch mit den Streikenden erklären. "Unsere Kämpfe für eine Bildung nach unseren Bedürfnissen sind grenzenlos", sagt Jasmin Hildebrand, "deswegen begreifen wir uns nicht nur als Teil der bundesweiten Bildungskampagne, sondern sehen uns auch in der ,international week of action‘ verortet. Wir erklären uns solidarisch mit den Besetzungen in Österreich und begrüßen jede weitere Aktion für eine emanzipatorische Bildung."

Quelle: www.nn-online.de/artikel.asp?art=1121564&kat=120