Neue Wege braucht das Land

30.03.2009: Leitartikel der Campusgrün-Zeitung

Als im vergangenen Oktober die Bundeskanzlerin zum Bildungsgipfel nach Dresden lud, waren die Hoffnungen groß. Endlich schien erkannt, dass Bildung nicht irgendein Thema im politischen Kosmos, sondern das Thema in der Republik ist. Es wurde also gegipfelt in Dresden. Man sprach von der „Bildungsrepublik“, von entscheidenden Durchbrüchen und vor allem von viel Geld für Bildung. Ein gutes halbes Jahr ist nun vergangen. Was bleibt? Außer Spesen nichts gewesen?

Die Frage drängt sich nach wie vor auf: Wie sollen all die Baustellen wie Bildungsungerechtigkeit, Akademiker- und Fachkräftemangel, Studienplatzchaos, energetisch ineffizienter Hochschulbau oder misslungener Bologna-Prozess behoben werden?

Neue Konzepte und Ideen sind dringender denn je gefragt. Auch wenn all dies vor dem Hintergrund der Finanzkrise winzig erscheinen mag, wird ohne eine nachhaltige Bildungspolitik nur an den Symptomen gekurt. Die eigentlichen Ursachen bleiben unberücksichtigt. Investitionen in Bildung bedeuten aber Ursachenbehandlung und nicht Symptom-Kur - auch wenn letztere sich politisch besser vermarkten lässt.

Wer Kritik übt, darf die Alternativen nicht vergessen! Es geht um eine Neuausrichtung der Bildungspolitik. Ausgaben in diesem Bereich müssen zukünftig als „Investitionen“ behandelt werden. Der bald auslaufende Solidaritätszuschlag soll in einen „Bildungssoli“ umgewandelt werden. Die Kompetenzen zwischen Bund und Ländern müssen neu geregelt werden. Das ZVS-Bewerber-Chaos als Folge der Föderalismusreform I zeigt , dass es so nicht funktioniert.

Das Ende der Studiengebühren darf mit Hessen nicht nur eingeläutet, sondern es muss bundesweit umgesetzt werden. Die Bologna-Reform wird nur Früchte tragen, wenn die Anwesenheitspflicht und der Prüfungsmarathon beendet sind. Studienplätze müssen zukünftig nach OECD-Durchschnitt finanziert werden. Nur so wird das Betreuungsverhältnis auf ein funktionstüchtiges Niveau gebracht.

All dies und noch viel mehr steht an! Dabei geht es nicht um irgendwelche träumerischen Utopien, sondern um die konkrete Frage nach der wertvollsten Ressource unserer Gesellschaft: die Gehirne (Köpfe) unserer Bürgerinnen und Bürger.

Die Zeitung, die ihr nun in den Händen haltet, will einen Einblick geben in Erfahrungen, Gedanken und Ideen aus der Welt der Grünen Hochschulgruppen. Abschließend sind unsere Ideen nicht, sondern immer eine Aufforderung zum Weiterdiskutieren. Wir freuen uns darauf.

Tom Münster