Kind oder Master ?

30.03.2009: Die Grünen Hochschulgruppen treten dafür ein, dass sich diese Frage nicht mehr stellt.

Eine Universitätsstadt irgendwo in Deutschland. Wenn Karina am frühen Morgen ihren Sohn zum Kindergarten bringt, kommen ihr die letzten Partygänger entgegen. Während die sich ausschlafen, ist Karinas Tag bereits zwei Stunden alt. Sie hat schon Wäsche gewaschen, Maximilian angezogen, gefüttert und das Abendessen vorbereitet. Jetzt ist sie auf dem Weg zur Bibliothek. Die KiTa schließt um 16 Uhr, dann muss sie fertig sein.

Ein Kind stellt das Leben auf den Kopf, heißt es. Tatsächlich hat sich Karinas Leben sehr verändert. Anstatt auf die Wohnheimparty, geht sie um 22 Uhr ins Bett. Morgens steht sie um 6 Uhr auf. Die Partys vermisse sie nicht, sagt Karina, „davon hatte ich in den ersten zwei Jahren meines Studiums genügend.“ Der geregelte Tagesablauf habe hingegen viele Vorteile. „Ich arbeite viel effizienter, denn ich weiß, 15:30 Uhr ist Schluss mit dem Studium. Dann gehört die ganze Aufmerksamkeit meinem Kind.“

Einer Studie des Bundesbildungsministerums von 2008 zufolge widmen Studierende mit Kind pro Woche sechs Stunden weniger ihrem Studium als kinderlose Kommilitonen. Der größte Abstrich wird dabei beim Besuch von Lehrveranstaltungen gemacht. Auch Karina kann an Wochenendseminaren nicht teilnehmen. Da hat die KiTa zu und Maximilians Vater muss arbeiten.

Die Entscheidung über ein Studium mit Kind kann jede/r nur selbst treffen. Die Grünen Hochschulgruppen möchten diejenigen unterstützen, die sich der Herausforderung stellen. Schließlich birgt ein Studium mit Kind auch viele Chancen. Es ist mehr Zeit für das Kind da. Die Integration elterlicher Aufgaben in die Lebensgestaltung kann – auch mit Blick auf das Berufsleben – „geübt“ und erfolgreiche individuelle Modelle können erprobt werden.

Die Grünen Hochschulgruppen fordern daher mehr KiTas mit flexiblen Öffnungszeiten auf dem Campus, eine individuelle Stundenplangestaltung und gezielte finanzielle Hilfen für studierende Eltern. Dann heißt es bald „Kind UND Master“.

Jana Pajonk