Tierversuche abschaffen - den Weg bereiten für neue Forschungsmethoden!

10.06.2015: Beschluss der 31. Bundesmitgliederversammlung in Schwanewede

Campusgrün fordert die Förderung alternativer, tierversuchsfreier Lehr- und Forschungsmethoden sowie die Abschaffung der Tierversuche in Lehre und Forschung. Aus didaktischen, ethischen und wissenschaftlichen Gründen ist dies dringend erforderlich.

Zunächst bedarf es an den Hochschulen einen ausführlicheren "Tierschutzbericht" und mehr Transparenz gegenüber den Studierenden. Langfristig sollte die Rechtsgrundlage, die in den Hochschulgesetzen gegeben sind, so verändert werden, dass Tierversuche verboten werden. Bis dahin gilt es, zumindest eine stärkere Dokumentationspflicht, Transparenzpflicht sowie größere Hürden bei der Bewilligung von Tierversuchen zu schaffen. Außerdem sollen Gelder zur Verfügung gestellt werden, dass verstärkt Alternativen zu Tierversuchen erforscht und verwendet werden.

Bei der Änderung der Rechtsgrundlage sind besonders grünregierte Länder in der Verantwortung! Ein Grundproblem der Tierversuche liegt in der aktuellen Praxis der Forschung bzw. des wissenschaftlichen Arbeitens. Wissenschaftler*innen erhalten mit hohen Publikationsraten und noch größeren Versuchsreihen mehr Popularität. Das einfachste Mittel um beides zu erreichen sind Tierversuche. Da diese sehr einfach und schnell durchzuführen sind, müssen sehr viele Tiere dafür sterben, dass Wissenschaftler*innen schneller Renommée erhalten. Tiefergehende Reflexion über die ethische Vertretbarkeit oder zumindest über den Mehrwert gerade so großer Versuchsreihen scheint nicht stattzufinden.

Des Weiteren lässt sich stets feststellen, dass Tierversuche in den meisten Fällen nicht auf Menschen übertragbar sind. Es herrschen enorm viele Unterschiede in den Funktionsweisen der Organe und des Stoffwechsels zwischen beiden Lebewesen. So sieht man in Versuchen, dass etwa Penicillin an Hamstern und Meerschweinchen tödlich - bei Menschen hingegen heilend wirkt oder so führt Asbest bei Ratten erst in 300facher höherer Dosis zu Krebs als bei Menschen. Das hat und kann fatale Folgen für Menschen haben. Gleichzeitig behindert das Beharren auf Tierversuchen die wissenschaftlichen Erkenntnisse. Denn häufig werden Dinge an Tieren getestet, bei nicht gewünschter Wirkung ausgesondert und nicht mehr für Menschen in Betracht gezogen. Insgesamt kann deshalb der Wert für Menschen bisher als gering betrachtet werden.

Besonders in der Lehre wären Tierversuche vermeidbar. So bestehen hochentwickelte Alternativen, die die Verwendung von Tieren umgehen. An dieser Stelle sollten kurz ein paar Alternativen oberflächlich genannt werden. Zu Versuchen mit der Reaktion der Haut, können künstlich hergestellte Häute als Ersatz fungieren, sehr viele Versuche können mit Zellkulturen aus Reagenzgläsern durchgeführt und Antikörper durch Bioreaktoren hergestellt werden. Des Weiteren kann mit einem "Lab-on-a-chip"-System die Aufnahme, Verteilung und der Stoffwechsel bei menschlichen Organen simuliert werden. Zusätzlich bestehen hochentwickelte Computersysteme, die genaue Informationen über Struktur, Wirkung und Giftigkeit von Substanzen im menschlichen Körper darstellen. Vor allem aber stellt sich die Frage nach der ethischen Vertretbarkeit von Tierversuchen: Es handelt sich um ein Herrschaftsverhältnis, bei welchem sich Menschen wehrlose Tiere aneignen, diese häufig unter Schmerzen für ihre Zwecke verwenden und töten. Inwiefern das ethisch zu vertreten ist, wird derzeitig weder rechtlich noch wissenschaftlich ausreichend debattiert. Laut Rechtslage sollen in Hochschulen zwar Tierversuche in der Lehre wenn möglich nicht durchgeführt werden, de facto werden sie jedoch in über die Jahre steigender Zahl durchgeführt. Des Weiteren ist die Berichtspflicht äußerst dürr mit einem jährlichen Bericht der Tierschutzbeauftragten an den Senat.