COP 15: Enttäuschung nach Kopenhagen

15.12.2009: Ist unser primäres Einsatzfeld meist die Hochschullandschaft so verlieren wir natürlich nie das größere Ganze aus den Augen. Allen skeptischen und pessimistischen Vorüberlegungen zum Trotz stiegen Helene Ganser, Dorett Schneider, Yannick Oster und Stefan Schanz unterstützt von anderen Mitgliedern aller Grünen Hochschulgruppen hoffnungsvoll und vor Tatendrang strotzend in den Zug nach Kopenhagen um für ein gerechtes internationales Abkommen beim COP 15 zu demonstrieren.

Für viele war schon die Anfahrt in Begleitschaft zahlreicher Aktivisten aus verschiedenen Ländern ein Erlebnis. Die wahllosen Leibesvisitationen alternativ aussehender Passanten, die manche gleich nach der Ankunft beobachten konnten brachten dann schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Auch ein Studierender der Grünen Hochschulgruppe Karlsruhe und sein Bastelmesser mussten dran glauben und durften anstatt der Demo bei skandinavischen Temperaturen die dänische Gastfreundschaft in der örtlichen warmen Strafsvollzugsanstalt genießen. Dieses großzügige Angebot seitens der dänischen Polizei wäre wirklich nicht nötig gewesen. Betroffener Student und sein Bastelmesser möchten sich hiermit nochmal ausführlich für den so spontan um zwei Tage verlängerten Aufenthalt in Kopenhagen bedanken. Wir anderen übernachteten zum Großteil in einer Schule etwas außerhalb des Stadtzentrums mit zahlreichen Friends of the Earth Aktivisten. Am Samstag morgen überfluteten wir in blauen Ponchos die Stadt. "No Offsetting! Climate Justice Now!" wurde im Sprechgesang gerufen. Die symbolische Flutwelle schwemmte uns bis zum offiziellen Ausgangspunkt der Großdemo. Die wirklich überwältigenden 10 000 Demonstranten konnten sich hier bei warmer Suppe und Brot, Reden, Musik und Tanz auf den langen Marsch einstimmen. Nach vielen Stunden, mit einer Mischung aus Erschöpfung, Zufriedenheit und Kälte in den Knochen verließen wir die Endkundgebungen und hofften genug Wirbel erzeugt zu haben, dass den Verantwortlichen im Bella Center ihre Ausreden nur so um die Ohren fliegen würden. Pustekuchen... Statt eines verbindlichen, zukunftsweisenden Klimaschutz-Abkommens brachten die in Kopenhagen verhandelnden PolitikerInnen nichts weiter zustande als eine Erklärung, die von VertreterInnen von gerade einmal 30 Ländern entworfen und von den restlichen Staaten nur "zur Kenntnis genommen" wurde. "Die Welt geht baden! Die PolitikerInnen scheinen den Ernst der Lage nicht wirklich begriffen zu haben! Statt eines verbindlichen Abkommens haben wir nun die Vertagung des Gipfels auf eine Folgekonferenz in Mexiko. All die großen Erwartungen, die mit Kopenhagen verbunden waren, wurden nicht erfüllt. Was bleibt ist Frust! Von Gipfel zu Gipfel trödeln bringt dem Klima nichts!" fasst Daniel Kanzleiter aus dem Vorstand von Campus Grün Ba-Wü wütend zusammen.

Trotz allem bleibt unsere Überzeugung, dass es weiter gehen muss im Streben nach einer ökologischen und gerechteren Welt. Und wir werden weiterhin dort aktiv arbeiten, wo unsere Stärken und Expertise liegt: an der Hochschule. Klimaschutz an der eigenen Uni vorantreiben lautet die Devise und nicht zuletzt mit der nun anstehenden Campustour 2010 wollen wir verstärkt genau darauf hinarbeiten.