Klimaschutz ist machbar!

20.06.2006: Energetische Optimierung, Gebäudeneubau im Passivhausstandard, Nutzung von Regenwasser und umweltschonender Ressourcenumgang - die Handlungspalette für mehr Klima- und Umweltschutz an der Universität Hannover ist breit. Worauf es ankommt, ist diese zu nutzen!

Klimawandel auf der einen, Endlichkeit konventioneller Ressourcen auf der anderen Seite erhöhen den Handlungsdruck, ökologisch-nachhaltige Entwicklungsstrategien einzuschlagen. Dies beginnt bei politischen Weichenstellungen, jedoch auch bei uns selbst und den Orten, in denen wir uns bewegen und die wir mitgestalten, z.B. in der Universität. Dies macht nicht nur umweltpolitisch Sinn, sondern birgt für die Universität Hannover auch eine Vielzahl an Potentialen. Hochschulen haben einen gesamtgesellschaftlichen Auftrag und sind Stätten der Innovation und des Fortschritt. Im Bereich des Umweltschutzes besteht der gesellschaftliche Auftrag sowohl in der Bildung, als auch in der Forschung zu Antworten und Strategien für einen nachhaltigeren Umgang und die Entwicklung neuer Umwelttechnologien. An der Universität Hannover gab es in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe an theoretischen und auch praktischen Arbeiten zu diesem Themenkomplex, so wurde z.B. auf dem Dach des Instituts für Elektrotechnik eine Solarthermieanlage realisiert. Energieeffizienz und ein ressourcenschonender Umgang haben darüber hinaus auch einen ökonomischen Anreiz: Ein schonender Verbrauch von Energie und Ressourcen schont zugleich auch die Finanzen der Uni! In einer Kooperation aus dem Arbeitskreis Regenerative Energien und der Grünen Hochschulgruppe haben Studierende im Mai 2006 damit begonnen, weitergehende Handlungspotentiale im Bereich von Energie- und Umweltfragen an und in der Universität Hannover zu erarbeiten, um für die Uni selbst mehr praktischen Umweltschutz zu verwirklichen. Als erstes haben wir uns mit den bereits bestehenden Aktivitäten der Universität auseinander gesetzt und dann mit der Uni Kontakt aufgenommen. Dabei wurde schnell deutlich, dass noch deutlich mehr Möglichkeiten bestehen, als die Uni zur Zeit nutzt!

Passivhaus: Zukünftig Standard!

Die Universität Hannover verfügt über insgesamt 170 Gebäude, die über das gesamte Stadtgebiet Hannovers verteilt sind. Zahlreiche dieser Gebäude werden zur Zeit oder zukünftig saniert und umgebaut. Gerade diese Sanierungen im Bestand der Uni bieten die Möglichkeit, die Gebäude im selben Atemzug energetisch zu optimieren. Dies beinhaltet, sie mit einem ökologisch nachhaltigeren Standard umzubauen und so für mehr Energieeffizienz zu sorgen. Bei einer optimalen Dämmung und entsprechenden Isolierungen werden deutlich mehr Energieeinsparungen als bei konventionellen Bauweisen erzielt. Neben energetischen Optimierungen im Bestand ist es bei Gebäudeneubauten gleich von vornherein möglich, ökologisch optimiert zu bauen. Die sogenannte Passivhausbauweise reduziert den Energiebedarf auf ein absolutes Minimum und sorgt mit einer speziellen Dämmung und Lüftungssystemen zudem für ein angenehmes Raumklima.

Sonne auf's Dach!

Mit einer Hauptnutzfläche von rund 330 000 m² verfügt die Uni Hannover über ein riesiges Potential an bislang ungenutzten Dachflächen. Zumindest einige könnten für Solaranlagen nutzbar gemacht werden, um mit der Erzeugung von sauberen Energien einen Beitrag für den Klimaschutz zu leisten! Die Universität müsste diese Flächen nur zur Verfügung stellen. Praktiziert wird dies bereits jetzt auf einigen Dächern mit Solaranlagen zur Warmwassergewinnung. Angestrebt wird nun die Installation von Photovoltaikanlagen, mit denen Strom erzeugt wird.

Die Ressource "Wasser" schonen!

Gerade für Bereiche, in denen viel Wasser für die Bewässerung von Grünflächen eingesetzt wird, wie in Herrenhausen (Gartenbau) und im Moritzwinkel (Zentrum für Hochschulsport), ist die Nutzung von Regenwasser sinnvoll. In der Herrenhäuser Str. 8 wird dies bereits praktiziert, dort wird das Regenwasser von 95 % der bebauten und befestigten Fläche in einer Zisterne gespeichert und zur Bewässerung der Grünanlagen verwendet. Wieso z.B. die Sportplätze im Moritzwinkel mit Trinkwasser bewässert werden, ist ökologisch und wirtschaftlich nicht nachvollziehbar. Nicht nur für Grünanlagen ist die Verwendung von Alternativen zu Trinkwasser sinnvoll, sondern z.B. auch für Toilettenspülungen. So will das Studentenwerk für das Studentenwohnheim in der Dorotheenstr. 5 b „Grauwasser“ (aufbereitetes Duschwasser) für die Toiletten nutzen. All dies bedeutet einen schonenderen Umgang mit Wasser und bietet an vielen Stellen gute Anwendungsmöglichkeiten.

Netzwerke bilden, eigene Potentiale besser abrufen!

Die nötigen Vorraussetzungen an Wissen und Infrastruktur für mehr Engagement im Bereich von Umweltschutz und nachhaltigen Strategien hat die Universität bereits jetzt in den eigenen Instituten, sowohl durch die Lehrenden, als auch durch die Studierenden. Diese Kompetenzen gilt es besser zu nutzen und interdisziplinär zusammen zu bringen! Zur Zeit setzt die Universität in diesem Bereich nur auf vereinzelte "Leuchttürme" und Vorzeigeprojekte, zukünftig kommt es darauf an, dies zu einem wesentlichen und dauerhaften Bestandteil des eigenen Leitbildes und Wirtschaftens zu machen!

Erste Offensiverfolge für mehr Klimaschutz!

Das Engagement vom Arbeitskreis Regenerative Energien und der Grünen Hochschulgruppe zeigt schon jetzt erste Früchte, sowohl im Bereich von Energieeffizienz, als auch beim Einsatz neuer Technologien. Im Jahr 2007 soll am Schneiderberg ein neues Gebäude für das Zentrum für Nano und Quantenengineering gebaut werden. Für diesen Neubau wird nun geprüft, in wieweit dieser im Passivhausstandard realisierbar ist und welche regenerativen Energieträger genutzt werden können, z.B. Erdwärme. Gemeinsam mit dem Gebäudemanagement verhandeln wir darüber hinaus zur Zeit darüber, welche Dachflächen der Universität für Solaranlagen genutzt werden können. Hierzu haben wir bereits das Dach der Hauptmensa besichtigt, auch die Dachflächen des PZH in Garbsen würden für eine größere Anlage in Frage kommen. Ziel ist die "Ökologische Universität Hannover", die eine gesamtgesellschaftlich progressive Rolle einnimmt, im Bereich von Energie- und Ressourcenumgang neue Wege einschlägt und moderne Umwelttechnologien selbst nutzt. Hiefür braucht es natürlich auch die Menschen, die sich in der Uni bewegen, dort arbeiten und studieren. Klimaschutz fängt beim eigenen Handeln an!

Energiebezug der Universität Hannover

Die Uni Hannover bezieht ihren Strom über einen zentralen Liefervertrag, der für alle Landesliegenschaften Niedersachsens gilt. Dieser beinhaltet einen Strommix, der primär aus Energie aus konventionellen Anlagen besteht, dazu 24 % aus Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung und 7 % aus regenerativen Energien. Im vergangenen Jahr wurde die Stromversorgung neu ausgeschrieben. Der Studentische Rat verabschiedete dazu auf Initiative der Grünen Hochschulgruppe einen Antrag, zukünftig den Anteil aus Regenerativen und Kraft-Wärme-Kopplung auf 50 % anzuheben.

Besser aufgestellt ist die Uni im Bereich der Wärmeversorgung. Diese erfolgt hauptsächlich über Fernwärme, d.h. Nutzung von Abwärme bestehender Kraftwerke in Form von Kraft-Wärme-Kopplung.

Weitere Infos:

Jan Haude

Jan Haude ist Autor dieses Textes und bei der Grünen Hochschulgruppe Hannover aktiv.