Exzellenzinitiative abschaffen - Hochschulen gleichmäßig ausfinanzieren

01.04.2012: beschlossen auf der 25. Mitgliederversammlung des Campusgrün-Bundesverbands am 1. April 2012 in Halle (Westfalen)/Hesseln

Campusgrün spricht sich für eine gleichmäßige Finanzierung der Hochschulen im gesamten Bundesgebiet aus.

Die Behauptung, die deutsche Hochschullandschaft benötige Leuchttürme, um internationale Spitzenforschung anzuziehen, sehen wir kritisch. In diesem Zusammenhang wird das "angelsächsische Erfolgsmodell" gepriesen. Unserer Meinung nach ist die amerikanische und britische Hochschullandschaft in der Forschung und Lehre extrem ineffizient. Einzelne Hochschulen wie Oxford, Harvard und Cambridge werden mit Summen finanziert, die in der BRD den großen Bundesländern für die Finanzierung dutzender Hochschulen zur Verfügung stehen. Trotzdem schaffen es diese "Elitenunis" nicht, ihren wissenschaftlichen Nachwuchs selber auszubilden, sondern werben mit ihren höheren finanziellen Mitteln die besten Wissenschaftler*innen anderer Hochschulen ab.

Das Programm der Exzellenzinitiative hat sich das "angelsächsische System" als Vorbild genommen, mit dem Ziel, einzelne "Leuchttürme der Forschung" im Bundesgebiet zu schaffen und den Gros der Hochschulen in der Unterfinanzierung stecken zu lassen. Ein großer Bestandteil der Exzellenzinitiative besteht in dem Versuch, den Hochschulen ein wettbewerbliches System aufzuerlegen. Die Grundmittelfinanzierung der Hochschulen wird gekürzt und durch wettbewerblich vergebene Fördermittel, sogenannte Zweit- und Drittmittel, zum Beispiel durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), vergeben. Die wettbewerbliche Mittelvergabe orientiert sich leider an Messwerten wie der Publikationsquote. Dies führt verstärkt dazu, dass der wissenschaftliche Wert der Publikationen nachlässt, da es zunehmend auf Quantität statt Qualität ankommt. Häufig führt dies dazu, dass die Forschung von Trends abhängig wird. Zunehmend wird kurzfristige Forschung unterstützt, während langfristige Grundlagenforschung weniger finanzielle Mittel bekommt. Die wettbewerbsorientierte Mittelvergabe führt weiterhin dazu, dass viele Ressourcen für die Antragstellung für Drittmittel benötigt werden. Durch die Mittelvergabe nach wettbewerblichen Kriterien lässt sich ein steigendes Misstrauen der Hochschulen untereinander beobachten. Gute Ideen werden lange unter Verschluss gehalten, damit andere Hochschulen diese Ideen nicht ebenfalls verwirklichen können. Statt Kooperation und Verbesserungen für alle führt dies dazu, dass Hochschulen es verpassen, über den eigenen Tellerrand blicken zu können. Dies führt in vielen Bereichen zur Stagnation durch Wettbewerb.

Durch die Zurverfügungstellung von Finanzmitteln für einige schon gut ausgestattete Hochschulen, wird die Grundfinanzierung anderer ärmerer Hochschulen nicht beachtet. Dadurch soll eine Zweiklassenhochschulgesellschaft geschaffen werden. Die einen Hochschulen sollen in der Forschung stark sein und exzellente Forscher*innen anziehen, während die anderen die große Masse an Studierenden durch die Ausbildung schleusen soll. Diese politisch gewollte Elitenbildung lehnen wir ab! Auch wird der Titel als Exzellenzuni von den Hochschulen dazu missbraucht, zu behaupten, auch bessere Lehre anzubieten. Durch die Exzellenzinitiative wird jedoch ausschließlich die Forschung gefördert. Personalausgaben werden häufig gekürzt, um mit freiwerdenden Mitteln die Bewerbung zur Exzellenzinitiative zu forcieren. Dadurch, dass sich die Hochschulen anstrengen in der Forschung gefördert zu werden und dadurch interne Mittel umverteilen, kann es dazu führen, dass die Lehre vernachlässigt wird.

Wir brauchen in der Zeit der Wissensgesellschaft eine breite Masse gut und breit ausgebildeter Hochschulabsolvent*innen.

Auf der Suche nach Alternativen der Finanzierung von Hochschulen stößt man allerdings auf massive Grenzen: Durch das derzeitige Kooperationsverbot bleibt dem Bundesministerium für Bildung und Forschung kaum Möglichkeiten, eine gerechte und langfristige Mittelvergabe zu fördern. Campusgrün spricht sich deshalb neben der Abschaffung der Exzellenzinitiative für die Abschaffung des Kooperationsverbots, zugunsten einer höheren Grundfinanzierung aller deutschen Hochschulen aus.