Exzellenzinitiative abschaffen - Hochschulen gleichmäßig ausfinanzieren

06.05.2012: Campusgrün Baden-Württemberg spricht sich für eine gleichmäßige Finanzierung der Hochschulen im gesamten Bundesgebiet aus.

Die Politik, durch Leuchttürme in der deutschen Hochschullandschaft zu versuchen, internationale Spitzenforschung anzuziehen, lehnen wir ab. In diesem Zusammenhang wird das "angelsächsische Erfolgsmodell" gepriesen. Dort werden einzelne Hochschulen wie Oxford, Harvard und Cambridge mit Summen finanziert, die in der BRD den großen Bundesländern für die Finanzierung dutzender Hochschulen zur Verfügung stehen. Mit diesen Mitteln könnte weit mehr Studierenden eine wissenschaftliche Ausbildung ermöglicht werden.

Das Programm der Exzellenzinitiative hat sich das "angelsächsische System" als Vorbild genommen, mit dem Ziel, einzelne "Leuchttürme der Forschung" im Bundesgebiet zu schaffen und das Gros der Hochschulen in der Unterfinanzierung stecken zu lassen. Ein großer Bestandteil der Exzellenzinitiative besteht in dem Versuch, den Hochschulen ein wettbewerbliches System aufzuerlegen. Die Grundmittelfinanzierung der Hochschulen wird gekürzt und durch wettbewerblich vergebene Fördermittel, sogenannte Zweit- und Drittmittel, zum Beispiel durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), vergeben. Die wettbewerbliche Mittelvergabe orientiert sich an Messwerten wie der Publikationsquote. Dadurch nimmt der wissenschaftliche Wert der Publikationen ab, da es zunehmend auf Quantität statt Qualität ankommt.

Häufig führt dies dazu, dass die Forschung von Trends abhängig wird. Zunehmend wird kurzfristige Forschung unterstützt, während langfristige Grundlagenforschung weniger finanzielle Mittel bekommt.

Die wettbewerbsorientierte Mittelvergabe hat außerdem die Nebenwirkung, dass viele Ressourcen für die Antragstellung für Drittmittel benötigt werden.

Durch die Mittelvergabe nach wettbewerblichen Kriterien lässt sich ein steigendes Misstrauen der Hochschulen untereinander beobachten. Gute Ideen werden lange unter Verschluss gehalten, damit andere Hochschulen diese Ideen nicht ebenfalls verwirklichen können. Statt Kooperation und Verbesserung für alle führt dies dazu, dass Hochschulen es verpassen, über den eigenen Tellerrand blicken zu können. Dies führt in vielen Bereichen zur Stagnation durch Wettbewerb.

Aufgrund der Bereitstellung von Finanzmitteln für einige schon gut ausgestattete Hochschulen wird die Grundfinanzierung anderer ärmerer Hochschulen nicht beachtet. Dadurch wird bewusst eine Zweiklassenhochschulgesellschaft geschaffen. Die einen Hochschulen sollen in der Forschung stark sein und "exzellente" ForscherInnen anziehen, während die anderen die große Masse an Studierenden durch die Ausbildung schleusen soll. Diese politisch gewollte Elitenbildung lehnen wir ab! Auch wird der Titel als Exzellenzuniversität von den Hochschulen dazu missbraucht, zu behaupten, auch bessere Lehre anzubieten. Durch die Exzellenzinitiative wird ausschließlich die Forschung gefördert. Personalausgaben werden häufig gekürzt, um mit freiwerdenden Mitteln die Bewerbung zur Exzellenzinitiative zu forcieren. Außerdem werden zur Sicherung der Nachhaltigkeit der unbefristeten "exzellenten" Stellen vielfach an anderen Instituten existierende Stellen nicht besetzt. Dadurch werden viele für die Lehre relevante Bereiche kaputtgespart, um die "Exzellenz" zu erhalten. Im Endeffekt macht die Exzellenzinitiative die Lehre also keineswegs besser, sondern schränkt das Lehrangebot für viele Studierende in weniger beachteten Fachbereichen ein.

Wir brauchen in der Zeit der Wissensgesellschaft eine breite Masse gut und vielseitig ausgebildeter HochschulabsolventInnen.

Auf der Suche nach Alternativen der Finanzierung von Hochschulen stößt man allerdings an massive Grenzen: Durch das derzeitige Kooperationsverbot bleibt dem Bundesministerium für Bildung und Forschung kaum Möglichkeiten, eine gerechte und langfristige Mittelvergabe zu fördern.

Campusgrün Baden-Württemberg spricht sich deshalb neben der Abschaffung der Exzellenzinitiative für die Abschaffung des Kooperationsverbots zugunsten einer höheren Grundfinanzierung aller deutschen Hochschulen aus.

Verabschiedet von Campusgrün Baden-Württemberg am 06.05.2012

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