Bericht von der Green European Summer University in Frankfurt/Oder und Slubice

04.09.2008: In Frankfurt/Oder und Sublice (Polen) fand am vergangenen Wochenende (28.-31. August) zum erstem Mal die "Green European Summer University" statt. Auch Mitglieder von Campusgrün waren unter den insgesamt über 800 jungen und alten TeilnehmerInnen aus ganz Europa.

Vier Tage lang wurde mit WissenschaftlerInnen, PolitikerInnen und JournalistInnen über zentrale Themen der Europapolitik diskutiert. Das Programm bot eine bunte Mischung aus Plenarsitzungen, Workshops und Exkursionen sowie diversen Filmvorführungen, Buchvorstellungen und gemeinsamen Mahlzeiten.

Ein sehr breites Spektrum politischer Themen wurde in den verschiedenen Veranstaltungen behandelt. Ob Klimaschutz, Generationengerechtigkeit oder Außenpolitik - für jeden war etwas dabei und so manchem viel es schwer sich bei der Vielzahl an Parallelworkshops zu entscheiden.

Schon auf dem Eröffnungsplenum mit u. a. Gesine Schwan und Daniel Cohn-Bendit wurde schnell klar, welche großen Aufgaben für ein zukünftiges Europa noch zu bewältigen sind. Dabei wurden vor allem Fragen nach einer europäischen Identität und einer europäisch-sozialen Dimension debattiert. Durch den Auftritt einiger jüngerer Grüner, dem Green Future Team, wurde deutlich gemacht, dass es jedoch nicht darum geht die 68er wieder zu beleben.

Als eine der größten Aufgaben der die Menschheit wurde der Klimawandel diskutiert. Ob Hungersnöte, Erderwärmung oder Naturkatastrophen, keiner dieser Punkte wird nur einen Teil der Menschheit betreffen und der andere kann folgenlos zuschauen. Hier wurde deutlich, dass Europa gemeinsam Antworten und Strategien finden muss, mit den bevorstehenden Problemen entgegenzutreten. Aus aktuellem Anlass wurde die Sicherheitspolitik und vor allem der Georgienkonflikt enger in den Blick genommen. Mit Vertretern aus Georgien diskutierten Cem Özdemir und Daniel Cohn-Bendit über die Krise im Kaukasus und die Rolle der EU. Nachfolgend beteiligten sich einige Grüne aus Estland, der Ukraine und Polen an der Debatte mit der Forderung, das Europa mit einer Stimme deutlich machen muss, das Russland hier Völkerrecht verletzt. In dieser Diskussion wurde einmal mehr klar, wie vielfältig die Ansichten "der Grünen" in Europa sind und wie schwierig es ist sich in bestimmten Punkten einig zu werden.

Zum Abschluss der großen Europadebatte erläuterte Reinhard Bütikofer seine Dimension vom Grünen Europa und machte deutlich, dass die Grünen auf die Menschen zugehen müssen und sie einerseits von den Problemen aber andererseits von großen Chancen, die in Europa liegen überzeugen müssen. Pierre Jonckheer (Vize-Fraktionsvorsitzender der Grünen-Europafraktion) stellte noch einmal klar, das die Grüne Botschaft keine einfache ist, weil die Menschen ihr Leben umstellen müssen, wenn sie für eine bessere Welt eintreten wollen, dies aber die einzige Möglichkeit für ein gerechtes Europa ist.

Die meisten Beteiligten werden nach diesem Wochenende mit neuer Motivation nach Hause gefahren sein, sich für Grüne Politik und Ideen einzusetzen. Doch auch nach einer durchaus gelungenen Green European Summer University bleiben Fragen offen. Es wurde viel diskutiert, doch Dinge ändern sich nicht allein durch Worte, sondern durch Taten und Vorbilder; hier gibt es aber auch innerhalb der "Grünen Welt" noch einiges zu tun. Dass die kulinarische Versorgung hauptsächlich aus Fleischgerichten bestand, war nicht nur für Vegetarier und Veganer eine Enttäuschung, auch sollte es jedem/r nicht-vegetarischen Grünen klar sein, dass gerade unser Konsumverhalten einen großen Einfluss auf den Klimawandel hat und sich dieser nicht allein durch Worte aufhalten lässt. Eine Band extra aus New York einfliegen zu lassen und große Mengen an Fleisch auf die Speisekarte zu stellen, förderte nicht gerade die Klimabilanz dieser Veranstaltung. Trotz des leicht bitteren Beigeschmacks hoffen wir auf eine Fortsetzung der Green European Summer University mit einer zukünftig neutralen Klimabilanz. Wer gerne mit und weiter diskutieren mag, braucht nur diesem Link zu folgen.

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