PM: Rücktritt von Verteidigungsminister Guttenberg

01.03.2011: Was die überwiegende Mehrheit der Fachleute und Journalisten von Anfang an vermuteten, wird nun durch den Rücktritt bestätigt: Aufgrund der vielen nicht als Zitate gekennzeichneten Stellen ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass Ex-Verteidigungsminister zu Guttenberg beim Verfassen seiner Doktorarbeit nicht wie mehrfach beteuert nur "bedauerliche Fehler" unterlaufen sind.

Vielmehr scheint es, dass er in seiner Dissertation vorsätzlich fremdes geistiges Eigentum als das Seine ausgegeben hat.

"Textpassagen ohne Hinweis auf den Verfasser oder die Verfasserin zu übernehmen, ist auch bei einem Minister kein Kavaliersdelikt, sondern Betrug und Diebstahl geistigen Eigentums. Dass die Unionsparteien beides bagatellisierten, um ihren neuen Stern am Polithimmel nicht untergehen sehen zu müssen, ist eine moralisch verwerfliche Verfehlung und zeugt von mangelndem Respekt gegenüber allen wissenschaftlich Tätigen, insbesondere Promovierenden. Gerade weil zu Guttenberg großes Vertrauen und Ansehen in der Bevölkerung genoss, war es überfällig zum Wohle der Wissenschaft Konsequenzen aus den Verfehlungen bezüglich seiner Dissertation zu ziehen, anstatt diese zu leugnen und kleinzureden. " meint Katharina Günther, Sprecherin von Campusgrün Bayern.

Maximilian Rumler, Sprecher von Campusgrün Bayern, fügt hinzu : "Dadurch, dass Gutenberg seinen Betrug an der wissenschaftlichen Gemeinschaft kleinredete, erwies er dem Wissenschaftsstandort Deutschland einen Bärendienst. Der Wissenschaftsstandort Deutschland braucht verantwortlichere Bundes- und Landesregierungen, um auch in Zukunft ernst genommen zu werden. Der Versuch, den Ruf der Forschung dem Ansehen des Verteidigungsminister zu opfern, ist schlicht skandalös. Es dürfen für einen CSU-Nachwuchspolitiker auch keine anderen Regeln gelten als für alle anderen Studierenden, denen schweren Konsequenzen drohen, wenn sie eines Plagiates überführt werden. Der Einwand, die Verfehlungen zu Guttenbergs hätten nichts mit seiner Tätigkeit als Minister zu tun gehabt hat sich nun als haltlos erwiesen: Er musste erkennen, dass er nicht leugnen konnte, sich entweder einer dreisten Lüge schuldig gemacht oder so dramatisch bei der Erstellung seiner Dissertation versagt zu haben, dass er Abgeschriebenes nicht mehr von eigenem Text unterscheiden konnte. In beiden Fällen war der Rücktritt unvermeidlich."

Sebastian Meßlinger, Webmaster von Campusgrün Bayern ergänzt: "Es ist schon sehr bedenklich, dass ausgerechnet bei einer Nachwuchshoffnung der CSU eine Doktorarbeit mit so groben wissenschaftlichen Mängeln nicht nur angenommen, sondern auch mit der Bestnote bewertet wurde. Noch dazu wenn der Kandidat von Anfang an wegen zu schwacher Leistung nur über Umwege zur Promotion zugelassen wurde. Natürlich stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage ob es in dieser Sache vielleicht zu einer politischen Einflussnahme gekommen ist."

Johannes Wegmann von der Grünen Hochschulgruppe Bayreuth schließt ab "Wir erwarten von der Universitätsleitung eine vollständige Aufklärung der Vorfälle um die Dissertation des Verteidigungsministers. In Zukunft müssen Mechanismen etabliert werden, Plagiate zuverlässig aufzudecken. Der Diebstahl geistigen Eigentums ist nicht vergleichbar mit der Schülerin, die im Vokabeltest beim Nachbarn abschreibt. Dass aus Reihen der Union dieser Vergleich immer wieder angestellt wurde, verhöhnt die Forschung in ihrer Gesamtheit. Zwei Parteien, die von sich behaupten, zu ihren 'Werten' zu stehen, versuchten gleichzeitig die Taten einen Ministers zu relativieren, der sich wie kein anderer im Image des ehrlichen, moralischen und integeren Regenten sonnte. Es wird Milde für den gefordert, der diese Ideale auf ganzer Linie verraten hat, während mit der vollen Härte des Gesetzes gegen Filesharing und "Sozialbetrug" vorgegangen werden soll und schon einige übrig gebliebenen Maultaschen ein Kündigungsgrund sind. Wir freuen uns darüber, dass dieser Skandal nicht ohne Folgen geblieben ist."

Vorstand Campusgrün Bayern

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