Nationale Bologna-Konferenz: Note ungenügend!

Aus Sicht von Campusgrün Baden-Württemberg erfüllte die heute in Berlin von Bundesbildungsministerin Schavan veranstaltete Nationale Bologna-Konferenz die schon niedrig angesetzten Erwartungen nicht. Schon im Vorfeld des Gipfels wurden wichtige Forderungen der Studierenden nicht erfüllt. So wurden bei der Themenauswahl die Vorstellungen der Studierenden nicht berücksichtigt: Statt über Mitbestimmung und die Forderung nach selbstbestimmten Leben und Lernen zu sprechen, diskutierten die teils fragwürdig ausgewählten TeilnehmerInnen über die ökonomische Verwertbarkeit von Bildung.

Für das grundlegende Problem der Unterfinanzierung des gesamten Bildungssystems präsentierten Schavan und die VertreterInnen der Länder keine Lösungen.

Die in Deutschland schwerwiegende soziale Selektion - von der Schule bis zur Hochschule - wurde unter den Tisch gekehrt. Von 100 Kindern aus NichtakademikerInnenfamilien schaffen es nur 24 an die Hochschule. Von 100 Kindern aus AkademikerInnenfamilien hingegen 71. Diese Gegenüberstellung verdeutlicht die gravierende Ungerechtigkeit in unserem Bildungssystem. Wir müssen weg von einem Stipendienprogramm, dass nur der Elitenreproduktion dient, hin zu einer Breitenförderung, die es Kindern aus sozial schwächer gestellten Familien ermöglicht, selbstbestimmt ihren Bildungsweg zu gestalten. Hierzu gehört auch die von Schavan und anderen klein geredete Forderung nach einem freien Zugang zum Master. Nicht Quoten, strikte Zulassungsvoraussetzungen oder aufwendige Auswahlverfahren sollen bestimmen, wer einen Master machen darf und wer nicht. Diese Entscheidung sollte allein dem Bachelor-Absolventen oder der Bachelor-Absolventin/den Bacherlor-AbsolventInnen überlassen werden.

Nicht nur Schavan, sondern auch die Länder und Hochschulen müssen ihrer Verantwortung endlich gerecht werden, der sozialen Schieflage und dem Defizit an Mitbestimmungsrechten im Hochschulwesen ein Ende zu bereiten. "Bologna" bedeutet auch, die Studierenden - so steht es zumindest im Prager Kommuniqué von 2001 - "als kompetente, aktive und konstruktive Partner bei der Errichtung und Gestaltung des europäischen Hochschulraums" ernst zu nehmen. Die Nationale Bologna-Konferenz kann an diesem Maßstab gemessen nur als das bezeichnet werden, was ihre Gegner befürchtet hatten: Eine "Schavan-Show", die es verfehlte, die richtigen Fragen zu stellen und adäquate Lösungswege aufzuzeigen.

Zugehörige Dateien:
CGBW_PM - Nationale Bologna-Konferenz (17.5.2010).pdfDownload (91 kb)