Mehr Raum für Studierende - Gegen die Entpolitisierung der Hochschulen!

10.06.2015: Beschluss der 31. Bundesmitgliederversammlung von Campusgrün

Studentische Gruppen haben an vielen Hochschulen mit stetig zunehmenden Einschränkungen ihrer politischen Arbeit zu kämpfen. Wir sehen die Hochschulen jedoch nicht als reine Ausbildungsstätte, sondern als Austragungsort gesamtgesellschaftlich relevanter Debatten, wofür freier Zugang sowie ein plurales Veranstaltungs- und Informationsangebot notwendig sind. Darum fordern wir die Hochschulleitungen und -verwaltungen auf, studentische politische Aktionen und Vorhaben zu unterstützen und nicht durch administrative Hürden und willkürliche Verbote zu behindern.

Die Begrenzung der Arbeit studentischer Gruppen auf sogenannte "hochschulpolitische Themen" lehnen wir ab, da Hochschulen selbst ein zentraler Teil der Gesellschaft sind. Ziele, Normen und Werte der Wissenschaft werden von ihr artikuliert und leiten die Arbeit der Forscher*innen. Gleichzeitig wirkt diese mit ihren Erkenntnissen stets entscheidend auf die Gesellschaft ein. Umfassende Debatten zu Ethik, gesellschaftlichen Verteilungsfragen, wirtschaftspolitischen Entscheidungen und mehr sind daher auch an den Hochschulen innerhalb und außerhalb der Lehrveranstaltungen geboten. Dennoch werden entsprechende Aktionen häufig von den Hochschulen untersagt.

Die Berufung auf notwendige Entpolitisierung und Ideologiefreiheit sind dabei Scheinargumente, da jede hochschulinterne Entscheidung politisch und interessensgeleitet ist. Hochschullehrer*innen verfügen über eine priviligierte Position bei der Setzung von Themen, der Bereitstellung von Plattformen für externe Personen und in der öffentlichen Wahrnehmung. Immer wieder nutzen sie diese zur kritischen Begleitung gesellschaftlicher Entwicklungen, doch in Zeiten von zunehmender Abhängigkeit von Drittmitteln zur Forschungsfinanzierung gewinnen einzelne Interessensgruppen mehr und mehr Einfluss in der Wissenschaft. Hier wachsam zu bleiben und inhaltliche Alternativen aufzuzeigen ist auch die Aufgabe der Studierenden - freilich gemeinsam mit engagierten Lehrenden und Mitarbeiter*innen.

Während jedoch die Räume für politisches Engagement vielerorts stetig schrumpfen, wird der Wirtschaft Tür und Tor geöffnet. Werber*innen zur Verteilung kostenloser Produktproben von denen der Großteil in der Mülltonne landet sind mitunter häufiger anzutreffen als genuin politische Stände und der Raum für Werbeplakate an Hochschulen übertrifft den für politische Informationen und Aufrufe bei Weitem. Wir fordern hier eine Beschränkung der profitorientierten Werbung, insbesondere wenn diese offensichtlich sexistisch oder anderweitig diskriminierend ist sowie nachweislich Sozial- und/oder Umweltstandards durch das werbende Unternehmen verletzt werden. Ebenso lehnen wir die Abgabe der Verantwortung von Werbeflächen an externe Dienstleister, die dann über die Zulässigkeit studentischer Aktionen mitentscheiden, ab.

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