Forderungen von Campusgrün an das Wahlprogramm von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN zur Bundestagswahl 2009

11.09.2008: Folgende hochschulpolitischen Forderungen verabschiedete Campusgrün auf der Mitgliederversammlung am 09. August 2008 in Berlin.


Regelung einheitlicher Zugangsvoraussetzungen und Abschlüsse

Bundeseinheitliche Regelungen zu Hochschulzugang und Hochschulabschluss sind zwei wichtige politische Ziele. Durch einen Wegfall des HRG bestünde die Gefahr, dass ein bildungspolitischer Flickenteppich geschaffen wird, der zu Intransparenz führt und somit ein Mobilitätshindernis für die Studierenden darstellt. Ein Mittel um diesen Flickenteppich zu verhindern ist der Abschluss eines Staatsvertrags zwischen Bund und Ländern. Wenn der Bund und die Länder sich in einem gemeinsamen Staatsvertrag über die Einheitlichkeit der Zugangsbedingungen sowie den Abschlüssen einigen, wäre eine Verschlechterung des momentanen Status auch bei Wegfall des HRG ausgeschlossen.

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Bologna - Eine Reform auf dem Weg ins Chaos?

Die Umsetzung des Bolognaprozesses an den Hochschulen hat vor allem für die Studierenden zu unerträglichen Belastungen geführt, die so der Intention des Prozesses nicht zu Eigen waren. Dies bezieht sich vor allem auf die hohe Prüfungsbelastung, die immense Zahl an Kontaktstunden sowie die überproportionierte Stoffdichte in den einzelnen Studiengängen. Um die Reform letztlich nicht gegen die Wand fahren zu lassen, muss ein bundesweites Bologna-Monitoring durch das BMBF erfolgen, welches die Überbelastung der einzelnen Studierenden detailliert eruiert. Dabei ist neben der Frage nach dem Zugang zum Masterstudium auch die soziale Dimension zu berücksichtigen. In einem weiteren Schritt sind konkrete Maßnahmen für eine Reform der Reform zu erarbeiten, die vor allem die europäische Mobilität berücksichtigt.

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Elternunabhängige Ausbildungs- und Studienfinanzierung

Trotz vieler Reformbemühungen ist das deutsche Bildungssystem noch immer sozial selektiv. Hier müssen auch im Hochschulbereich alle möglichen Anstrengungen unternommen werden, um möglichst vielen Jugendlichen die Möglichkeit eines Studiums zu bieten, unabhängig vom Geldbeutel ihrer Eltern. Das BAföG bietet hier bereits ein wichtiges Instrument. Jedoch mangelt es noch immer an einer elternunabhängigen, die Selbstständigkeit junger Menschen anerkennenden Studienfinanzierung. Grüner Ansatz muss es sein, dass BAföG zu einem bedingungslosen und bedarfsdeckenden Bildungsgeld auszugestalten, dass jungen Menschen eine Studienfinanzierung unabhängig vom Geldbeutel und der Zahlungsbereitschaft der Eltern ermöglicht.

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Hochschullehre - das Ende eines Schmuddelkindes!

Die Zeiten einer stiefmütterlichen Behandlung der Lehre müssen endgültig vorbei sein. Hierzu muss ein Sofortprogramm initiiert werden, dass die Betreuungsrelation an den Universitäten radikal verbessert. Dies wird nicht mit kurzfristigen Investitionen zu lösen sein. Eine dauerhafte Sonderfinanzierung in Höhe von 1 Mrd. Euro für eine verbesserte Betreuungsrelation durch mehr HochschullehrerInnen, zusätzliche Personalmittel sowie Sachmittelzuschläge ist notwendig um eine qualitativ hochwertige Ausbildung zu garantieren. Insgesamt muss die Zahl der ProfessorInnen in der Breite der Fächer um mindestens 33% steigen. (vgl. www.wissenschaftsrat.de/texte/8639-08.pdf) Zusätzlich muss die Kapazitätsverordnung, welche eine verbesserte Betreuungsrelation verhindert, revidiert werdend, so dass zukünftig bei wachsender Anzahl der Studienplätze mehr ProfessorInnen zur Betreuung von Studierenden zur Verfügung stehen. Ein Auseinandertriften von Forschung und Lehre muss in diesem Zusammenhang vermieden werden, denn nur wo gute Forschung existiert, kann auch gute Lehre abgehalten werden.

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Studiengebühren Monitoring

Studiengebühren wirken sozial selektiv, schrecken ab und bringen an den Hochschulen keine nennenswerten Verbesserungen der Lehrsituation. Daher sind Studiengebühren, egal in welcher Form, abzulehnen und dort, wo sie eingeführt wurden, wieder abzuschaffen. Bis dahin ist bundesweit zu regeln, dass es für Studierende mit Kindern, mit Behinderung und BAföG-EmpfängerInnern ausreichende Ausnahmetatbestände in den Gebührenregelungen gibt. Ferner muss eine Beteiligung der Studierendenschaften an der Verteilung der Gelder, sowie ein unabhängiges Monitoring über die Auswirkungen der Studiengebühren sichergestellt wird.

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