Bericht über Diskussionsnachmittag zum Thema "Studiengebühren"

02.04.2005: Die Grüne Jugend (GJ) Wertheim veranstaltete Ende März diese Diskussion. Hierzu war Bianca Hildenbrand eingeladen, die selbst an der TU Darmstadt Politikwissenschaften studiert und seit mehreren Jahren im AStA im Bereich der Sozialpolitik tätig ist.

„Juristisch steht der Einführung von allgemeinen Studiengebühren durch die Länder in der Bundesrepublik nichts mehr im Weg“, führte die Referentin zu Beginn ein. „Baden- Württemberg plant die Gebühren bereits im nächsten Jahr einzuführen.“ Um eine Diskussionsgrundlage zu schaffen und alle Anwesenden an der Diskussion zu beteiligen, wurden zunächst Argumente gesammelt, welche für die Einführung allgemeiner Studiengebühren ab dem ersten Semester sprechen. „Soll die Putzfrau die Ausbildung eines angehenden Chirurgen mitfinanzieren?“, „Warum sollen die Studierenden nicht auch einen Beitrag zu einer besseren Ausstattung der Hochschulen beitragen?“ und „Andere Länder haben auch Studiengebühren – und die haben im internationalen bessere Studierende“, um nur einige Argumente zu nennen. Im Anschluss wurden Gegenargumente gesammelt. Beides stellte man einander gegenüber und diskutierte die einzelnen Punkte.

Bianca Hildenbrand

Die Referentin formulierte zunächst ihre Befürchtung , dass besonders Kinder aus einkommensschwachen Familien von der Einführung der Gebühren getroffen werden. „Egal, welches Kreditsystem eingeführt wird – es wird nie sozial gerecht sein. Während die reichen Eltern ihren Kindern die Studiengebühren einfach so zahlen können und diese dann als Ausbildungsgebühren noch von den Steuern absetzen können, müssen Kinder einkommensschwächerer Familien Darlehen aufnehmen, welche dann spätestens bei Berufseintritt zurückgezahlt werden müssen. Doch die Entscheidung für ein Studium, geht dann mit der Entscheidung für einen Schuldenberg einher“, sagte Bianca Hildenbrand. Die letzte Untersuchung des Deutschen Studentenwerks zeigt, dass schon jetzt 2/3 aller Studierenden neben dem Studium arbeiten gehen und nur 1/10 der Studierenden aus einkommensschwachen Familien kommen. „Das deutsche Bildungswesen ist schon jetzt ein sehr sozial selektives, was die neueste Studie der OECD belegt. Mit Studiengebühren wird das auf jeden Fall schlimmer und auf keinen Fall besser.“ Die Referentin legte Wert darauf, Studiengebühren nicht losgelöst vom Rest der politischen Entwicklungen zu sehen. „Die Frage im Bereich der Hochschulen ist natürlich die eine: Wollen wir ein staatliches (und somit auch ein staatlich finanziertes) Bildungswesen oder ein Bildungswesen, welches nach privatwirtschaftlichen Marktprinzipien Ausbildung als Dienstleistung an Kunden verkauft?“

Nach der eingehenden Information durch die fachkompetente Referentin sieht sich die GJ Wertheim in ihrer Ablehnung gegenüber Studiengebühren bestärkt. „Solange keine Konzepte existieren, wie sich Studiengebühren sozialgerecht gestalten lassen, bleiben wir bei unserer Ablehnung. Wenn die Herren Teufel und Frankenberg auf unausgegorene Schnellschüsse setzen, so müssen sie mit großem Widerstand rechnen,“ erklärt Oliver Hildenbrand, Sprecher der GJ Wertheim, mit Blick auf die geplante Protestwelle der Studierenden, an der man sich beteiligen wird. „Wir wollen ein Steuersystem, in dem endlich auch wieder Reiche Steuern zahlen – hätten wir das, müssten wir nicht darüber diskutieren, ob man die Ausbildung junger Menschen von Finanzmitteln abhängig machen soll,“ resümiert Karolina May, Sprecherin der GJ Wertheim.

Dieser Bericht erschien zuerst auf der Homepage der Grünen Jugend Main-Tauber.

Zum Thema Studiengebühren vernetzen sich die GRÜNE JUGEND und Bündnis Grün-Alternativer Hochschulgruppen auf einer gemeinsamen Mailingliste. Die Möglichkeit zum Eintragen gibt es hier online.