Studieren in der Krise - Hochschulpolitik in Griechenland

14.12.2011: Ein Blick auf die anhaltenden Proteste und Demonstrationen griechischer Studierender genügt, um zu verstehen, dass die Zukunft der Europäischen Union in diesen Tagen auch aus hochschulpolitischer Sicht neu gedacht werden muss. Von Alexander Mein.

Im August diesen Jahres hatten griechische Studierende aller Couleur begonnen, die griechischen Universitäten von Kreta bis Thessaloniki zu besetzen und in regelmäßigen Abständen zu Großdemonstrationen in den Innenstädten aufzurufen.

Seit der blutigen Niederschlagung der Studentenproteste am 17. November 1973 im Polytechnikum und dem anschließenden Untergang der Diktatur in Griechenland verstehen sich die Studierenden des Landes traditionell aus Hüter*innen der Demokratie. Und dennoch hatten die zumeist friedlichen Proteste am diesjährigen Feiertag des 17. November eine neue Dimension erreicht:

Mit großen Transparenten, Plakaten und Flyeraktionen versuchten die Studierenden nicht nur zu informieren und zu protestieren, sondern vielmehr die Politik des Landes aktiv mitzugestalten und Alternativen zur aktuellen Ratlosigkeit in der europäischen Politik zu entwickeln.

Ihre Aktionen sind dabei aber mehr als gelebte Hochschulpolitik in einer europäischen Demokratie. Vielmehr sind sie Ausdruck der Not und Verzweiflung einer ganzen Generation junger Menschen, für die die Krise zur existenziellen Bedrohung geworden ist.

Während es in der deutschen Hochschulpolitik vor allen Dingen um das "wie" des Studierens geht, so geht es in Griechenland für die Betroffenen längst um das "ob": Die Sparprogramme der Regierung sehen die Schließung ganzer Fakultäten sowie eine drastische Reduzierung des Lehrpersonals und der Ausgaben für Lehrmittel vor. Teilweise wurden die Sparprogramme allen Widerständen zum Trotz bereits umgesetzt. Somit ist nicht nur die berufliche Zukunft einer ganzen Generation gefährdet, sondern bereits ihre Ausbildung in Frage gestellt.

Campusgrün fordert deshalb weiterhin ein europaweites Investitions- und Strukturprogramm in Bildung, welches den krisengeschüttelten Staaten Europas und insbesondere seinen jungen Menschen eine echte Zukunftsperspektive eröffnet.

Darüber hinaus darf der Schuldenschnitt für Griechenland kein leeres Versprechen bleiben, sondern er muss umgehend und in ausreichender Höhe in die Tat umgesetzt werden.

Diese Maßnahmen sind der Schlüssel für eine wirtschaftliche und psychologische Erholung des Landes, ohne dass die jungen Menschen weiterhin gezwungen sind, auf der Suche nach qualifizierter Ausbildung und Beschäftigung ihre Heimat zu verlassen.