Universität Greifswald - auch zukünftig "Universitas litterarum"?

06.04.2009: Über die Schwierigkeiten eine Volluniversität zu erhalten

Eine der ältesten Universitäten der Welt, die im Jahre 1456 gegründete Greifswalder „Alma Mater“ steuert seit Beginn dieses Jahrtausends durch sehr unruhiges Fahrwasser. Obwohl erfreulicherweise in den letzten zehn Jahren immer mehr Studierende den Weg an die Ostseeküste gefunden haben, sind die Studienmöglichkeiten, besonders an der Philosophischen Fakultät, stark eingeschränkt worden.

Um das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts erreichen zu können, begann die Regierung des Landes Mecklenburg-Vorpommern, allen voran die damalige Finanzministerin Sigrid Keler, eine Diskussion über die Zukunft der Hochschulen des Landes. Besonders der Standort Greifswald wurde darin immer wieder in seiner Gesamtheit in Frage gestellt: einige hätten am liebsten nur eine Medizinisch-naturwissenschaftliche Hochschule mit ein bisschen Jura aus der Volluniversität herausschneiden und behalten wollen. Ob es so gekommen wäre weiß niemand. Gewiss hingegen ist, dass das Rektorat der Universität mit dem Vorschlag, eine Zielvereinbarung mit dem Land abschließen zu wollen, gefährliches Terrain betreten hat. Die Verhandlungen mit dem Land dauerten Monate und trotz mannigfaltiger Vollversammlungs- und Studierendenparlamentsbeschlüsse sowie einer studentischen Rektoratsbesetzung, schloss das Rektorat der Universität mit Billigung des Senats (!), am 27. April 2006 ein Papier ab, welches für die Uni drastische Einschnitte bedeutete.

Es besiegelte die Streichung von etwa 190 Stellen, die überwiegende Mehrzahl in der Philosophischen Fakultät. Die Aufhebung der Studiengänge in den Bereichen Altertumswissenschaften, Romanistik und Erziehungswissenschaften schmerzen bis heute. Einzig der geforderte Ausstieg aus der LehrerInnenausbildung ist bis heute nicht realisiert worden, ironischerweise wegen der Untätigkeit des Landes ein neues Lehrerbildungsgesetz zu erlassen. Unsicher bleiben zudem Zusagen des Landes über die Sanierung von Universitätsgebäuden. Wer in der Greifswalder Innenstadt wandelt, sieht heute noch etliche baufällige Gebäude, die Institute nur notdürftig beherbergen. Unterm Strich ein hoher Preis für ein paar Zusagen des Landes, die einzig mittelbar die Studierenden betreffen.

Der damalige Vorstoß des Rektorats hat nun zu einem bedenklichen Automatismus geführt. Das Land hat erkannt, wie praktisch solche Zielvereinbarungen sind, die im Gesamten nur von einer Partei ohne viel Murren ausgeführt werden. Die alten Zielvereinbarungen laufen bald aus. Selbstverständlich erwartet das Land zügig den Abschluss neuer Zielvereinbarungen. Die grundlegenden Hochschulentwicklungspläne, einzig eine Zustandsbeschreibung ohne Forderungen oder gar Visionen, sind schon vom Senat verabschiedet worden. Zahlreiche Institute, besonders der Philosophischen Fakultät, werden wahrscheinlich wieder zur Verhandlungsmasse degradiert und die für viele kleinen Institute und die Theologische Fakultät überlebenswichtige Lehrerbildung steht immer noch und nach der Gründung des Zentrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung der Universität Rostock mehr denn je auf der Kippe.

Wenn sich dies bewahrheiten sollte, hat vor allem die Philosophische Fakultät nur minimale Überlebenschancen. Zumal im Kontext der unsäglichen Studienreform die Master-Programme nicht greifen und die Institute momentan schon fast zu reinen 6-semestrigen Bachelor-Durchschleus-Anstalten verkommen. Irgendwann, vielleicht schon in den Jahren nach 2011, wenn die letzten Magister die Uni verlassen haben, wird hier auch der Punkt erreicht sein, dass kein wissenschaftlicher Nachwuchs mehr parat steht.

Schlechte Zukunftsprognosen also für einen wichtigen Teil der derzeitigen Volluniversität Greifswald. Aber einige der führenden LandespolitikerInnen haben ja längst selbst erkannt, dass die Zukunft Mecklenburg-Vorpommerns in besonderen Maß von der Entwicklung seiner Bildungseinrichtungen abhängt. Hoffentlich lassen sie ihren Worten auch endlich einmal Taten folgen. Aber wer`s glaubt?! Alexander Schulz-Klingauf