Studie zur Legitimation von Studiengebühren frisiert und nicht repräsentativ

10.06.2008: Wir dokumentieren: Pressemitteilung des AStA der Universität Münster zur Studie des Stifterverbandes und dem DSW zur Akzeptanz von Studiengebühren in NRW.

Münster, 10. Juni 2008 Gestern haben das Deutsche Studentenwerk und der Stifterverband eine vom Innovationsministerium (verantwortlich für die Einführung von Studiengebühren) in Auftrag gegebene "Studie" vorgelegt. Das Ergebnis: Studiengebühren werden an den Universitäten verantwortungsbewusst verwendet und führen zu Verbesserungen. Seitdem fragt sich der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Universität Münster, aber auch alle weiteren StudierendenvertreterInnen und viele Studierende in ganz Nordrhein-Westfalen: Auf welchem Planeten wurde diese Umfrage gemacht? Bei Erstellung der Studie wurde offenbar dreist getrickst.

Schließlich haben an der "Studie" lediglich 161 der insgesamt rund 460.000 Studierenden in NRW teilgenommen. "Das sind lächerliche 0,04 Prozent. Über soviel Dreistigkeit oder im besten Fall Unwissen muss man sich einfach wundern. Kriegen doch SchülerInnen und Studierende im ganzen Land beigebracht, dass Studien nur dann auch eine Aussagekraft haben, wenn eine genügend hohe Rücklaufquote gegeben ist, also genügend Befragte antworten und teilnehmen. Das ist hier mehr als augenscheinlich nicht gegeben. Wie kann man als erwachsener Mensch so etwas ernsthaft als repräsentativ verkaufen?", zeigt sich André Schnepper, Hochschulpolitikreferent des AStA schockiert und ergänzt verwundert: "Wenn ich mich in eine Vorlesung an der Universität Münster begebe, habe ich in zwei Stunden eine derartige Studie fertig. Das Ergebnis kann ich mir dann aussuchen, ich muss meine Befragten nur sinnvoll wählen. Das ist im höchsten Maße unprofessionell. Der AStA wird beispielsweise an der Universität Münster eine seit längerem in der Planung befindliche Umfrage durchführen, allerdings werden daran allein in Münster eine vierstellige Zahl an Studierenden teilnehmen und zwar in allen Fachbereichen. Nur so können belastbare Daten erreicht werden."

Bestürzt und gleichfalls mit unverständlichem Kopfschütteln reagieren Studierende in vielen nordrheinwestfälischen Städten auf die "Erhebung". Denn in der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass Studiengebühren sozial selektiv sind und von einem Studium abschrecken. So gingen die Studierendenzahlen in Münster und NRW-weit zurück, obwohl mehr junge Menschen einen Hochschulzugang erhielten. Außerdem wurde im ganzen Bundesland immer wieder über Studiengebührenmissbrauch berichtet. Renovierung von Toiletten, aufstellen von Snack-Automaten, Ausgaben für Wandfarbe und vieles mehr. "Selbst nach Abzug von den bis zu 40 Prozent, die für Rückfallfonds und Verwaltungskosten veranschlagt werden, wird also noch viel Geld verschwendet. Von den vielen jungen Menschen ganz zu schweigen, die aufgrund der Gebührenmisere nicht einmal ein Studium aufnehmen können", ist Hochschulpolitikreferentin Irene Thesing fassungslos.

Des weiteren wurde von Minister Andreas Pinkwart behauptet, man habe eng mit den StudierendenvertreterInnen zusammen gearbeitet und sich an sie gewendet. "Wer wurde von Pinkwart gefragt? Weder dem AStA der Universität Münster, noch den Fachschaften ist der Fragebogen bekannt. Wurde Münster etwa gar nicht angeschrieben? Auch von anderen Hochschulen in NRW ist inzwischen bekannt: Keine Befragung weit und breit. Es wird offenbar frisiert und gemauschelt, um Studiengebühren zu legitimieren, die längst - spätestens aber nach der Abschaffung der Studiengebühren in Hessen - unter schweren Beschuss geraten sind", sind sich Thesing und Schnepper einig.