10 Jahre heiße Luft münden zwangsläufig in Feuer

11.03.2010: Zum Bologna-Jubiläumsgipfel der EU-Minister_innen in Wien

Bologna: Hier wurde vor 10 Jahren die Umgestaltung des europäischen Hochschulraums beschlosssen (Autor: Steffen Brinkmann, Lizenz: Creative Commons 3.0)

Der Bologna-Umgestaltungsprozess der Hochschulen im europäischen Raum erreicht sein zehnjähriges Jubiläum. Dieses wollen die zuständigen Politiker_innen aus 46 Ländern gemeinsam begehen und Bilanz ziehen. Grund auch für Campusgrün, den Dachverband grün-alternativer Hochschulgruppen, der schon im letzten Jahr sein zehnjähriges Bestehen feiern konnte, ein Resumée der "Reform" zu ziehen:

"Es ist wichtig, deutlich zu machen, dass es beim Bologna-Prozess auch nach zehn Jahren nichts zu feiern gibt!", betont Jacqueline Klimesch, Sprecherin von Campusgrün. "In den 10 Jahren seit Verabschiedung der Bologna-Erklärung haben sich die systemischen Schwächen gezeigt, welche die Grundidee eines einheitlichen Hochschulraums durch starke Ausrichtung auf ökonomische Verwertbarkeit von Bildung zwangsläufig zu einem Scheitern verurteilen."

Die in Deutschland vor Kurzem erarbeiteten neuen Strukturvorgaben der Kultusminister_innenkonferenz und das scheinbare Einlenken der Hochschulrektor_innenkonferenz sind nichts als ein verzweifelter Versuch, den angerichteten Schaden am Hochschulsystem einzudämmen.

Mit geringen Zugeständnissen und öffentlichkeitswirksamen Gesprächsangeboten, die eine Beteiligung der Studierenden vortäuschen wollen, soll hier in Deutschland einerseits das breite gesellschaftliche Verständnis für die Proteste gegen neoliberale Bildungspolitik und Sozialabbau untergraben werden, andererseits soll die Möglichkeit der Rechtfertigung einer verkorksten Politik geschaffen werden.

"Deshalb sagen wir deutlich: der Bildungsstreik und die Bildungsproteste müssen weiter gehen!", so Patrick Luzina, Sprecher von Campusgrün. "Der Gipfel, insbesondere der von Studierenden organisierte Gegengipfel, bietet eine gute Gelegenheit grundsätzliche Kritik zu äußern und erlaubt es, die europaweiten Ausmaße des Widerstands gegen Bologna deutlich zu machen."

"Der Gipfel lässt nichts Gutes erwarten. Wenn ich mir die Ursachenanalyse für die Probleme ansehe, welche die European University Association (EUA) mit ihrer Studie 'Trends 2010' vorlegt, kann ich keine wesentlichen Einsichten erkennen, die auf eine Veränderung des Bildungssystems hoffen lassen. Ein Kritikpunkt der EUA ist etwa die noch immer nicht erreichte 'employability' der Studierenden. Insofern verspreche ich mir auch von dem für Freitag zu erwartenden Positionspapier der 46 Politiker_innen und Minister_innen nicht viel. Wie sollen wir vollmundigen Ankündigungen der studentischen Beteiligung Glauben schenken, wenn dieser sogenannte Gipfel wieder ohne direkte und breite Beteiligung der Studierenden statt findet?", so Jacqueline Klimesch weiter.

"Die europäischen Bildungsminister_innen produzieren in Wien heiße Luft zum zehnjährigen Jubiläum. Logieren werden sie jedoch in Budapest, denn die Gegendemonstrant_innen in Wien sorgen dafür, dass aus dem lauen Lüftchen ein heißer Sturm wird. Nicht umsonst haben die Studierenden dort den Titel gewählt: Bologna Burns - und das ist auch bitter nötig", bringt Patrick Luzina die Lage auf den Punkt.

Mit der Bitte um Veröffentlichung. Für Rückfragen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.

Campusgrün
Bundesvorstand

Zugehörige Dateien:
PM: "10 Jahre heiße Luft münden zwangsläufig in Feuer" vom 11.03.2010 als PDF-DateiDownload (24 kb)
Nachrichten