Bologna-Prozess: Immer noch zu viele Baustellen

06.07.2009: Zum morgigen Bologna-Treffen zwischen der Ministerin Schavan und verschiedenen Studierendenverbänden erklärt Campusgrün:

Bei der Umsetzung des Bologna-Prozesses zeigt sich immer mehr, dass die positiven Ziele weit verfehlt wurden und es zu zahlreichen Problemen gekommen ist. Überfrachtete Studienordnungen, mangelnde Mobilität, unterfinanzierte Studienplätze und intransparente Studienverläufe überschatten die Ziele der Reform. Campusgrün bekennt sich zu den Zielen des Bologna-Prozesses, doch muss eine Neuausrichtung erfolgen. Für das morgige Treffen stellt Campusgrün folgenden konkrete Forderungen auf:

  • Master für alle
  • JedeR Bachelor-AbsolventIn muss das Recht auf einen Master-Studienplatz haben. Studierende das Weiterstudium zu verwehren ist ein Rauswurf nach dem Vordiplom.

  • Weniger Prüfungsstress, mehr Flexibilität, mehr Wahlmöglichkeiten
  • Eine massive Reduzierung des Prüfungsmarathons sollte oberstes Ziel einer Bolognareform sein. Zukünftig sollen nur noch die Modulziele und nicht mehr die einzelnen Modulveranstaltungen abgeprüft werden. Welchen Weg Studierende zum Erreichen des Modulzieles wählen, muss in ihrer Verantwortung liegen. Die Zahl der Pflichtveranstaltungen in der Studienordnung müssen reduziert werden, damit persönliche Schwerpunkte und Neigungen selbständig entwickelt werden können. Die Anwesenheitspflicht bei Lehrveranstaltungen sollte außerdem abgeschafft werden, da sie mit der Idee des selbstbestimmten Lernens nicht vereinbar ist. Außerdem müssen ECTS ein tatsächliches Instrument zur Messung der Arbeitsbelastung von Studierenden sein. Hierzu sind empirische Studien zu erheben, was Studierende leisten können und sollen, um neben dem Studium auch die anderen Aufgaben des Alltags bewältigen zu können.

  • Freiräume für Jobben, Ehrenamt, Kind
  • Neben dem Studium haben Studierende eine Vielzahl von anderen Verpflichtungen. Oft muss gearbeitet werden, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, da die staatliche Studienfinanzierung mangelhaft ist. Die politische Diskussion um zu niedrige Geburtenraten ist in vollem Gange. Trotzdem werden für junge Familien keine Rahmenbedingungen geschaffen, um Kind und Studium zu vereinbaren. Auch die Vereinbarung von ehrenamtlichem Engagement und Studium wird zunehmend schwieriger. Campusgrün fordert deshalb die Schaffung von Freiräumen für Jobben, Ehrenamt und Familie. Es muss außerdem endlich möglich sein auch ein Teilzeitstudium durchzuführen. Bund, Länder und Universitäten müssen hier die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. Angefangen von der Studienfinanzierung über die Studienordnungen bis hin zur Mobilität, müssen die notwendigen Grundlagen für ein Teilzeitstudium geschaffen werden.

  • Abbau von Mobilitätshindernissen
  • Zur Anerkennung von Studienleistungen muss es bundesweit einheitliche Regelungen geben. Es muss ohne Probleme möglich sein während des Studiums den Hochschulstandort zu wechseln und Prüfungsabschnitte im Ausland zu absolvieren.

  • Abschaffung jeglicher Studiengebühren und Einführung einer elternunabhängien Studienfinanzierung
  • Die soziale Situation muss weiter in den Mittelpunkt gerückt werden. Es bedarf eine an neuen Studiengänge angepasste soziale Infrastruktur, sowie die Abschaffung jeglicher Studiengebühren und eine ausreichende elternunabhängige Studienfinanzierung.

Weitere Infomationen im
Positionspapier zum Bologna-Prozess (05.05.2009)

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