Campusgrün begrüßt Urteil gegen Anwesenheitspflicht an Uni Mannheim!

Ein Studierender der Universität Mannheim hat gegen die Anwesenheitspflicht an seiner Universität geklagt. Gestern gaben ihm die Richter*innen des Verwaltungsgerichtshof in Mannheim Recht.

Die Anwesenheitspflicht sei in der Studienordnung nicht eindeutig genug geregelt. So war es bisher von der Dozent*in abhängig, ob für eine Veranstaltung die Anwesenheitspflicht gilt oder nicht.

Vor allem aber gibt es keine klare Regelung, wann die Anwesenheit als erbracht gilt. Nach Aussagen einiger Student*innen der Universität galt diese in der Vergangenheit schon nicht als erbracht, wenn ein*e Student*in in einer einzigen Sitzung krank war. Das Verwaltungsgericht hat nun festgestellt, dass diese strenge und zugleich willkürliche Regelung weder verhältnismäßig ist noch dem Grundrecht der Berufsfreiheit entspricht.

Bundesweite Auswirkungen?

Zunächst gilt dieses Urteil nur für die entsprechenden Studienordnungen der Universität Mannheim. Es kann allerdings auch bundesweite Auswirkungen haben, wenn andere Studienordnungen ähnlich unklare Regelungen enthalten.

Keine generelle Abschaffung der Anwesenheitspflicht

Auch wenn dieser Fall einige der generellen Probleme von Anwesenheitspflichten aufzeigt, ist dieses Urteil keine grundsätzliche Absage an die Anwesenheitspflicht. Die Universiät Mannheim gab in ihrer Stellungnahme bereits bekannt, dass sie weiterhin an den Anwesheitsverpflichtungen festhalten möchte. Nach Aussage der Universität sei in Zukunft lediglich ihre Umsetzung mit einem größeren Bürokratieaufwand verbunden. "Anwesenheitspflichten sind aber nicht nur aufgrund der Bürokratie die sie mit sich bringen ein Problem. Durch Anwesenheitspflichten wird Studierenden die Möglichkeit genommen eigenverantwortlich zu gestalten, wann und wie sie lernen möchten.", erklärt Danny Behrends, Bundessprecher von Campusgrün. "Doch es kommt nicht nur darauf an, wann und wie Studierende lernen möchten, sondern auch können. Mehr als 80% der Studierenden müssen neben ihrem Studium arbeiten und nicht immer ist es möglich die Arbeitszeiten perfekt auf die Veranstaltungen abzustimmen. Durch solche Anwesenheitspflichten werden also vor allem Studierende benachteiligt, die neben ihrem Studium weitere Verflichtungen haben, also insbesondere Studierende aus einkommensschwächeren Familien und Studierende mit Kindern.", ergänzt Anika Schmütz, Bundessprecherin von Campusgrün.

Strukturelle Diskriminierung abbauen - Anwesenheitspflicht abschaffen!

Eine solche strukturelle Benachteiligung bestimmter Gruppen von Studierenden, die zudem ein Auslöser von noch mehr Bürokratie ist, steht einem freien, gleichen und selbstbestimmten Studium für alle Menschen diametral entgegen. "Wir als Bundesverband Campusgrün und grün-alternativer Hochschulgruppen fordern daher schon lange ein flächendeckendes Verbot von Anwesenheitspflichten an Hochschulen, um allen Studierenden die gleichen Chancen im Studium zu ermöglichen", so Anika Schmütz abschließend.

Nachrichten