HoGeSa am 26.10.2014 - ein Kommentar unserer Bundessprecherin Larissa

29.10.2014: Der letzte Sonntag in Köln: Ein gewaltbereiter, größtenteils stark alkoholisierter Mob zusammengesetzt aus rechtsextremen Größen der Region, rechten Fußballfans, "besorgten Bürger*innen" und sogar vereinzelten Kurd*innen, die sich gegen den IS stellen, marschiert durch die Kölner Innenstadt.
 
Ein persönlicher Kommentar von Bundessprecherin Larissa Janz

Die Kundgebung der HoGeSa startet auf dem Breslauer Platz, ich bin auf der anderen Seite des Bahnhofs, auf der Gegenkundgebung, will mich gemeinsam mit anderen gegen das rassistische und nationalistische Gedankengut der Hools stellen.

Um die Lage zu sondieren, gehe ich kurz vor Beginn der Demo, getarnt als unbeteiligte Schaulustige, auf die andere Seite des Bahnhofs und bin erschrocken. In militärischer Manier marschiert grade ein Trupp glatzköpfiger Hools an mir vorbei, die grade mit einem der Züge hier am Hauptbahnhof angekommen sind. "Hurra, Hurra die Deutschen die sind da" brüllen sie in gruseliger Synchronität. Viele von ihnen halten trotz des von der Polizei verhängten Alkoholverbotes Korn- oder Bierflaschen in der Hand und haben Mühe, beim militärischen Stechschritt mitzuhalten. Das hier scheint mir alles ein reiner Selbstzweck zu sein, eine vollkommene Inszenierung, die der Selbstzelebrierung dient, es soll Hass geschürt und Gewalt zelebriert werden. Vereinzelte Hitlergrüße, ein Böller, der hochgeht zur Ankunft von "SS Siggi", und "Sieg - Heil"-Rufe.

Beim Versuch, mich durch die Hooligan-Menge wieder zurück auf die andere Seite des Bahnhofs zu kämpfen, fällt mein Blick auf drei junge Polizisten, die relativ unbeteiligt das Spektakel beobachten.

Schon im Vorhinein wurde von vielen linken Gruppen kritisiert, wie wenig Polizei für einen solchen Aufmarsch vorgesehen war, doch weder auf 6000 Facebookzusagen zur heutigen Veranstaltung, noch auf warnende Stimmen gut informierter antifaschistischer Gruppen, die schon weit im Voraus eine enorme Bedrohung durch die HoGeSa vorausgesehen hatten, wurde adäquat reagiert. Das Gewaltpotenzial dieser explosiven Zusammenkunft aus verschiedenen Hooligangruppen, deren Hobby es nun mal ist - und das ist Fakt - sich gegenseitig Gewalt anzutun, wurde im Vorhinein ignoriert. Aber wieso? Diese mangelnde Härte im Vorgehen der Polizei gegen rechte Gruppen steht für mich symbolisch für eine mangelnde Verurteilung des menschenfeindlichen Gedankengutes der HoGeSa und lässt mich befürchten, dass das Gedankengut der HoGeSa sich schon viel weiter in die Köpfe der bürgerlichen Mitte gefressen hat, als wir uns vorstellen mögen.

Wieder drüben angekommen, haben sich mittlerweile etwa 300 Leute und ein Lauti auf dem Bahnhofsvorplatz versammelt. Ich sehe viele bekannte Gesichter, zu viele irgendwie für meinen Geschmack. Ich treffe Aktivist*innen vom SDS, der Linken, Solid, der Grünen Jugend, dem Antifa-AK und noch weiteren antifaschistischen Gruppen. Was dieser Demo jedoch gänzlich fehlt, scheint mir die bürgerliche Mitte, "besorgte Bürger*innen", die nicht akzeptieren wollen, dass ihre Stadt von rechten Schlägern übernommen und mit ihren widerlichen Parolen beschallt wird. Ist es die Angst, die durch Massenmedien à la Bild und Express geschürt wurde, die die Leute fernhält? Ich glaube es nicht, denn Menschen, die wütend sind, wirklich wütend über das, was da vor ihrer Haustür passiert, die lassen sich nicht davon abhalten, vor die Tür zu gehen und sich zu wehren. Aber wieso sind die Leute nicht wütend?

In Zeiten eines enormen Aufschwungs der AfD lässt sich ein bitterer Trend in unserer Gesellschaft erkennen. Dieser Trend ist rechts und trägt einen Anzug, er ist "moralisch korrekt", engagiert sich nicht, stellt sich nicht quer, und freut sich darüber, dass die AfD "endlich mal sagt, was eigentlich doch alle denken". So wie viele Menschen bei den Wahlen ein Kreuz bei der AfD gemacht haben und sich weiterhin bedeckt gehalten haben, die bürgerliche Fassade aufrecht erhalten haben, nicht den Mund aufgemacht haben, so ist es jetzt mit HoGeSa. Der Anzug wurde abgelegt, die Haare abrasiert und es wurde nicht mehr argumentiert, diskutiert und propagiert, sondern es wurde gebrüllt und geschlagen; gebrüllt was eigentlich viele denken: "Ausländer raus! Die nehmen uns am Ende noch alles weg."

Dank AfD, Pro NRW und Co. sind antimuslimischer Rassismus und Antisemitismus längst wieder salonfähig geworden. Salafismus wird als scheinheiliger Vorwand genutzt, um muslimische Mitbürger*innen zu diskriminieren und Stimmung gegen scheinbar gefährliche Zuwander*innen zu machen, um den "Deutschen Staat" und natürlich vor allem die "deutschen Kinder" zu schützen.

Doch all das sollte uns als Linke nur noch mehr darin bestärken, dass wir weiter gegen das kapitalistische Ellenbogensystem arbeiten, in dem es niemals wahre Solidarität geben kann. Dass wir dieses System, das ein Gegeneinander und kein Miteinander forciert und Existenzängste schürt, gemeinsam verändern müssen, damit bald auch wieder die Mehrheit der Gesellschaft mit uns auf dem Bahnhofsvorplatz steht, um für ein solidarischeres Miteinander zu demonstrieren.

Liebste Grüße,

Larissa

Dieser Kommentar spiegelt ausschließlich die persönliche Meinung der Autorin Larissa dar.

Bei Fragen, Kritik und Anmerkungen schreibt gerne an Larissa.Janz[at]campusgruen.de

PS.: Am 9. November gilt es einen weiteren Aufmarsch der HoGeSa in Berlin zu verhindern! Meldet euch bei uns und kommt zahlreich. Spread the word! Wir dürfen die Nasen nicht noch mal die Überhand gewinnen lassen.

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