Barrierefrei Studieren

09.06.2005: Vom 27. bis 29. Mai fand in Würzburg das Seminar "Barrierefrei Studieren" statt. Schwerpunkt des Seminars lag auf der Beschäftigung mit den Auswirkungen des Bologna-Prozesses auf behinderte Studierende. Zu dieser Thematik wurde von den TeilnehmerInnen des Seminars eine Resolution mit dem Titel "Barrierefreies Bologna?" erarbeitet.

TeilnehmerInnen

Das Seminar 'Barrierefrei Studieren' begann am Freitag Abend in der Jugendbildungsstätte Würzburg. Bei milden Temperaturen verlegten wir den Seminareinstieg auf die Terrasse der JuBi. Nachdem die TeilnehmerInnen ihren jeweils persönlichen Bezug zum Thema mitteilten, begann unser Referent Sven Drebes mit der Einführung zur Geschichte und Entwicklung der Behinderten-Bewegung in Deutschland. Sven ist aktives Mitglied der BAG Sozialhilfe im Netzwerk der Interessengemeinschaften behinderter und nichtbehinderter Menschen und ehemaliger Sprecher derselben.

Am Samstag wartete auf unsere SeminarteilnehmerInnen eine Exkursion mit Rollstühlen über den Würzburger Campus. Es war für alle eine interessante und aufschlussreiche Erfahrung, wie sich im späteren Erfahrungsaustausch herausstellte. Während man beim Busfahren mit Ein- und Aussteigen keine Probleme hatte, wurde der Weg von der Bushaltstelle "Universität" zur UB kompliziert. Für nichtbehinderte Studierende war die UB in 2 Minuten über einen direkten Treppenaufstieg vom Bus aus zu erreichen. Wir RollstuhlfahrerInnen mussten jedoch über die Straßen des Uni-Parkhauses einen langen Weg auf den Campus zurücklegen, so dass wir schließlich feststellen mussten, dass ein Ausstieg aus dem Bus eine Haltestelle eher genauso effektiv gewesen wäre.

Terminal nicht barrierefrei

Endlich in der UB angekommen, erwarteten uns die nächsten Hindernisse: das SB-Terminal war vom Rollstuhl aus nicht zu bedienen, die Fahrstuhltüren schlossen sich schon, während man noch damit beschäftigt war, in selbigen herein zu kommen. Die Fahrt musste man dann allein antreten, da der Platz doch sehr beengt war. Probleme gab es dann auch mit der Erreichbarkeit der Regale und – obwohl es für Männlein und Weiblein jeweils Behinderten-Toiletten gab, konnte man dort die Spülung nicht richtig betätigen.

Auch der Rückweg hatte einiges an Schikanen zu bieten: die Rampen, die auf dem kürzesten Weg zurück zur Bushaltestelle führten, erschienen uns nichtbehinderten Studies viel zu steil, um sie mit manuellen Rollstühlen meistern zu können. Lediglich unser Referent Sven traute sich mit seinem elektrischen Gefährt dort hinunter. Doch auch er hatte später mit den unebenen Steinplatten zu kämpfen, über die man - dank einer konstruierten Springbrunnenlandschaft - kaum trockenen Rades fahren konnte.

Weg

Für uns nichtbehinderte Studies war die Exkursion eine wirkliche Extremerfahrung und sensibilisierte uns damit um so mehr für die Probleme und Bedürfnisse eingeschränkter Menschen.

Am Nachmittag hörten wir bei strahlendem Sonnenschein ein Referat zum Thema „Sozialgesetzgebung und die Belange behinderter Studierender“ von Sven und tauschten uns danach noch zum Thema BA/MA aus. Den Sonntag Vormittag nutzten wir dann, um unsere Erfahrungen und unser Wissen in einer Resolution für die Belange behinderter Studierender zu manifestieren. Der Resolutionsentwurf wurde am 12. Juni 2005 auf der 11. MV des BGAHG in Springe bei Hannover ratifiziert. Außerdem ist noch eine Checkliste zum Thema „Barrierefreie Vorlesung“ in Bearbeitung, die demnächst hier abzurufen ist.

Zugehörige Dateien:
BarrierefreiesBologna.pdfDownload (33 kb)
Nachrichten