"Grüne Wege an der Uni" - Sommerakademie in Rostock

12.08.2011: Anfang August bot die Hansestadt Rostock die Kulisse für unsere diesjährige Sommerakademie. "Grüne Wege an der Uni": Unter diesem Motto kamen hochschulpolitisch Aktive aus ganz Deutschland zusammen. Das Themenspektrum reichte von Windkraft über selbst bestimmtes Lernen bis zu Zeitpolitik. Von Ruth Blanck.

Am Strand in Rostock-Warnemünde

Als Einstieg versammelten wir uns auf der Holzbank vor dem Hostel und spannen unter dem Titel "Uni 2043 - ich habe die Nacht geträumt" Visionen, wie die Hochschule der Zukunft aussehen könnte. Viele Themen tauchten später in Workshops und Diskussionen wieder auf.

Der nächste Tag begann jedoch ohne langes Reden, sondern mit ganz viel Luft und Bewegung: Bei herrlichem Sonnenschein liefen wir zu Fuß durch Rostock zum Werk des Windkraftanlagenherstellers Nordex. Während einer Fabrikbesichtigung konnten wir uns eine Vorstellung davon machen, wie die Produktion einer 2,5 Megawatt-Anlage wirklich aussieht. Wir erfuhren, welche Verrenkungen und Kletterleistungen ein Monteur bei Kontrollen auf sich nehmen muss, und dass Nordex nach dem Einbruch durch die Wirtschaftskrise wieder "Licht am Ende des Tunnels" sieht (so der Ausbildungsleiter Herr Baumgart).

Die weiteren Tage waren - unterbrochen von Verpflegungspausen mit Selbstgekochtem vom regionalen Biomarkt - geprägt von vielfältigen Workshops.

Eine spannende Möglichkeit, an den Mensen vor Ort mehr klimafreundliches Essen durchzusetzen, präsentierte Felix Hnat vom Vegetarierbund. Im Rahmen seines vom Umweltbundesamt geförderten Projektes können auf studentische Initiative Schulungen für Mensaköche durchgeführt werden, um ein klimafreundliches Essen in Mensen einzuführen - so bereits geschehen in Berlin unter dem Titel "KlimaTisch" (weitere Informationen: gv@vebu.de).

Kira Giesecke von der studentischen Initiative oikos stellte ihren selbstentwickelten "Index zum nachhaltigen Lebensstil" zur Diskussion, der im Gegensatz zu den bereits bestehenden Indikatoren (ökologischer Fußabdruck, carbon foot print etc.) auch die soziale und ökonomische Dimension der Nachhaltigkeit einbezieht.

Speziell zum sozialen Aspekt der Nachhaltigkeit referierte auch Karsten Düwel, der als "Blue Engineer" Seminare zur sozial-ökologischen Verantwortung mitorganisiert. Damit wurde eine der Visionen vom Beginn des Seminars aufgegriffen - nämlich der Wunsch, mehr Interdisziplinarität und selbstbestimmtes Lernen an den Hochschulen zu verwirklichen.

Einen philosophischen Ansatz vertrat Dr. Susanne Schroeder von der Deutschen Gesellschaft für Zeitpolitik, mit der wir in einem spannenden Gespräch Zeit als einen Faktor diskutierten, der allgemein durch räumliche Entgrenzung, moderne Technik und auch durch Bildungsreformen beschnitten und zerlegt wird.

Zum Thema "ökologische Bildungsfinanzierung" referierte schließlich Damian Ludewig vom Forum für ökologisch-soziale Marktwirtschaft: Er erläuterte, wie allein durch die Einführung sinnvoller Umweltsteuern und den Abbau fehlsteuernder Subventionen mehrere Milliarden Euro eingenommen werden könnten, um sie dann in Bildung zu investieren - ein Bereich, der sicherlich der gesamten Gesellschaft langfristig mehr zugute kommt als die Kerosinsteuer-Befreiung für internationalen Luftverkehr.

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