Campusgrün für mehr Datenschutz in sozialen Netzwerken

21.05.2010: Das Facebook-Privatsphären-Einmaleins. Oder: Wie ich meine Daten so gut wie möglich schütze. Von Katharina Maria Nocun und Ingo Henneberg.

"Talking about Facebook is stricktly prohibited on these premises" Hinweis im Schaufenster eines Ladens in St. Kilda, Australien

Soziale Netzwerke sind unter Studierenden sehr beliebt, sie haben Facebook, StudiVZ und Co. erst groß gemacht. Aber immer wieder fallen die beliebten Online-Plattformen durch Datenschutzlecks, Pannen oder gezieltes Ausspähen ihrer Nutzer_innen auf. Aktuelles Negativbeispiel ist wieder einmal das größte soziale Netzwerk Facebook. Am 22. Mai treten dort die neuen AGBs für die deutschen Nutzer_innen in Kraft. Dies bedeutet weitere Einschnitte in die informationelle Selbstbestimmung.

Zwar hat sich Facebook bereits in der Vergangenheit nicht gerade durch datenschutzfreundliche Angebote ausgezeichnet, doch die Neuerungen bauen die Rechte der Anwender_innen weiter ab und stellen damit alle bisher geplanten und durchgesetzen Änderungen der AGBs in den Schatten. Im Fokus der neuen Geschäftsbedingunegen stehen dabei die neuen Applikationen - auch Apps genannt.

Denn Facebook, die Datenkrake, streckt seine Tentakel nun auch nach anderen Internetseiten aus. In Zukunft soll es "ausgewählten" Kooperationspartnern möglich sein, auf ihren Seiten personalisierte Inhalte für Facebook-Nutzer_innen anzubieten. Falls die Mehrheit der über 400 Millionen Anwender_innen weltweit diese Funktionen in Anspruch nehmen, kann Facebook umfassende Daten über deren Nutzer_innen-Verhalten sammeln. Und das ist heutzutage - in Zeiten personalisierter Werbung und regen Datenhandels - bares Geld wert.

Was Mark Zuckerberg, Gründer und Chef von Facebook als social plug-ins bezeichnet, kann aber aus Sicht von Datenschützern zu großen Problemen führen. Denn durch die zunehmende Verzahnung von Facebook mit anderen kommerziellen Anbieter_innen werden auch die Informationen der Facebook-Nutzer_innen immer weiter über das Internet verteilt - die neuen Apps machen es möglich.

Denn wer beispielsweise die neue "I like"- oder zu deutsch "Gefällt mir"-Schaltfläche drückt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass sie somit wirklich aller Welt mitteilt, welche Musik sie mag, wo sie einkauft, was sie liest, usw. Denn sie oder er teilt es dann nicht nur ihren oder seinen realen oder virtuellen Freund_innen, sondern auch den jeweiligen Unternehmen mit. Zusätzlich erhalten die Unternehmen durch jeden Klick auch Zugriff auf die Facebook-Daten, die nicht "privat" sind.

Aber auch wenn du die "Gefällt mir"-Schaltfläche nicht drückst, kann Facebook dank der auf deinem Rechner installierten "Cookies" verfolgen, welche Seiten du aufrufst - und das nicht nur wenn du angemeldet bist. Adieu Privatspäre - Facebook surft jetzt mit!

Bei einem Test der Stiftung Warentest und in einem Bericht des Magazins Ökotest wurde in den vergangenen Wochen und Monaten bereits mehrfach auf gravierende Datenschutz- und Sicherheitsmängel der meistgenutzten sozialen Netzwerke aufmerksam gemacht. Zuletzt sorgte das deutsche Portal SchülerVZ für Schlagzeilen, als sich Unbefugte Zugriff zu 1,6 Millionen Nutzer_innen-Konten verschafften. Die VZ-Netzwerke agieren aber im Vergleich zu Facebook wenigstens unter dem deutlich strengeren deutschen Datenschutzrecht.

Nutzer_innen sollten immer im Hinterkopf behalten, dass nichts, was sie in derartigen Netzwerken über sich preisgeben privat ist. Für Facebook-Anwender_innen ist der 22. Mai 2010 der Stichtag für das Inkrafttreten der neuen AGBs. Datenschützer rufen daher dazu auf, die Einstellungen des eigenen Kontos rechtzeitig anzupassen, um das eigene Recht auf informationelle Selbstbestimmung effektiv verteidigen zu können.

Zu diesem Zweck hat Malte Spitz, Initiator der parteiübergreifenden Initiative "Facebook Privacy Control - NOW", ein äußerst hilfreiches Video erstellt, in welchem den Nutzer_innen Schritt für Schritt erklärt wird, wie sie sich - so gut es eben bei Facebook möglich ist - schützen können. Es lohnt sich wirklich, eine Viertelstunde seiner Zeit zu opfern - denn das Internet vergisst bekanntlich nie.

Die zunehmenden Einschränkungen der Nutzerrechte in Sozialen Netzwerken insbesondere durch das Unternehmen Facebook dürfen nicht schweigend hingenommen werden! Es wird daher dazu aufgerufen, weiterhin sowohl on- als auch offline gegen die Firmenpolitik von Facebook zu protestieren. Denn dass Nutzer_innen-Proteste erfolgreich sein können, haben wir bereits im letzten Jahr, beim letzten Versuch von Facebook, die AGBs "anzupassen", erleben können.

Daher macht mit - es lohnt sich!

Bild: avlxyz; Lizenz: Creative Commons Attribution Share-Alike 2.0

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