Positionspapier Laizismus

Weltanschaulich freie Forschung und Lehre - für eine laizistische Hochschule Positionspapier von Campusgrün Bayern, beschlossen durch die Mitgliederversammlung am 01.12.2013 in Würzburg.

Die Zusammenarbeit zwischen den drei großen Religionsgemeinschaften in Bayern (katholische Kirche, evangelische Kirche und jüdische Gemeinschaft) und dem Freistaat Bayern beruht auf Verträgen, deren Ursprung teils in den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts liegen und teilweise noch ältere Bestimmungen weiterführen. Diese Konkordate spiegeln somit ein Gesellschaftsbild wider, das keinesfalls mehr aktuell ist und stellen anachronistische Privilegien ausgewählter Religionsgemeinschaften dar, welche gegen im Grundgesetz garantierte Rechte, wie Art. 3 Abs. 3 GG (Grundrecht der Gleichheit vor dem Gesetz 12 ohne Ansehung religiöser Anschauung), verstoßen. So ist bei einigen Posten die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Glaubensgemeinschaft unabdingbar. Dabei sinkt die Zahl der Gläubigen dieser drei Glaubensgemeinschaften in Bayern seit Jahrzehnten immer weiter ab. So zählten sich im Jahr 2003 nur noch 58,5% der Bayerinnen und Bayern zur katholischen und 21,9% zur evangelischen Kirche zugehörig.3 Zum Vergleich: Noch 1987 lag der Anteil der KatholikInnen in Bayern bei 67,2%, der der ProtestantInnen bei 23,9%.4 Besonders im Jahr 2010 musste die katholische Kirche im Zuge des Missbrauchsskandals über 60.000 Kirchenaustritte feststellen, wodurch der Anteil an katholischen Gläubigen im Jahr 2010 auf 54,5%. Die Statistiken zeigen, dass die Kirchen in Bayern immer weniger Rückhalt in der Bevölkerung finden. Daher stellt sich die prinzipielle Frage, warum eine 90 Jahre alte Gesellschaftsordnung weiterhin praktiziert werden soll. Die aktuelle Gesetzeslage bevorzugt einzelne Religionsgemeinschaften nicht nur durch die - vom Grundgesetz garantierte - innere Autonomie der Kirchen, sondern auch durch finanzielle Unterstützungen, die in den Konkordaten geregelt sind. Neben der Kirchensteuer zahlen die BayerInnen über ihre Steuergelder außerdem Gehälter für Kirchenfunktionäre durch Staatsdotationen in Millionenhöhe, welche auf eine Vereinbarung zwischen Staat und Kirche aus dem Jahre 1803 zurück geht, sowie die Ausbildung geistlicher Funktionäre an den bayerischen Hochschulen. Daneben gibt es als Besonderheit im Konkordat mit der katholischen Kirche in Bayern zahlreiche nicht-theologische Lehrstühle, bei deren Berufung der regionale Bischof ein sog. Erinnerungsrecht besitzt. Somit hat ein Bischof die Möglichkeit die Berufung eines/r Professors/in zu verhindern, wenn "hinsichtlich [seines/] ihres katholisch-kirchlichen Standpunktes" Bedenken bestehen. Zwar haben die bayerischen Bischöfe am 31.1.2013 beschlossen, auf dieses Recht zu verzichten, doch hängt dies allein vom guten Willen der Geistlichkeit ab, die theoretisch auf ihr vertraglich zugesichertes Recht beharren kann, eine rechtliche Verbindlichkeit auf den Verzicht ist nicht gegeben. Ein entsprechender Antrag der Bündnis 90/ Die Grünen Fraktion im bayerischen Landtag wurde im April 2010 von der Regierungsmehrheit abgelehnt, obwohl die FDP sich auf einem Parteitag desselben Jahres ebenfalls für eine Abschaffung ausgesprochen hat. Campusgrün Bayern fordert, 1. die Abschaffung der sog. Konkordatslehrstühle, wie sie in Art. 3 Abs. 5 des Bayerischen Konkordats mit der katholischen Kirche geregelt sind. Der Fortbestand dieser Bestimmung verstößt gegen die Freiheit von Forschung und Lehre (Art. 33 Abs. 3 GG) und hat keinerlei plausible Legitimation, die es der katholischen Kirche erlauben würde, auf nicht-theologische Lehrstühle Einfluss auszuüben. 2. das signifikante Betreuungsmissverhältnis im Bezug auf das Verhältnis von Lehrstühlen und Studierendenzahl an vielen theologischen Fakultäten/Instituten im Vergleich zu übrigen Fachrichtungen zu korrigieren. Campusgrün Bayern befürwortet ausdrücklich die Einrichtung und Förderung von kritischer und weltanschaulich neutraler Glaubensforschung im Rahmen von Studiengängen wie Religionswissenschaften. 3. ein generelles Verbot der Mitgliedschaft von religiösen Funktionären in den Hochschulräten und Beiräten der bayerischen Hochschulen. Diese Gremien lehnen wir als Ort der Einflussnahme durch externe Akteure auf Hochschulen prinzipiell ab. Einen Einfluss religiöser Strömungen auf die Entwicklung einer Hochschule lehnen wir ab. Die Universitäten sind einer religiösen und weltanschaulichen Neutralität verpflichtet. Campusgrün Bayern setzt sich für eine strikte Trennung von Kirche und Staat ein. Das bedeutet keinen Ausschluss von Gläubigen aus der Wissenschaftsgesellschaft, sondern lediglich die Sicherstellung der Freiheit der Wissenschaft. Daher gilt es, die überkommenen Regelungen der Konkordate an die moderne Gesellschaftsstruktur anzupassen.

Anmerkung: Fußnoten sind im angehängten PDF zu finden.

Zugehörige Dateien:
CGB_Positionspapier_Laizismus.pdfDownload (70 kb)
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