Salzwasserfisch mit Siegel

02.03.2012: Berliner Mensen kürzen Fischtag und führen MSC-Gütesigel ein

Fisch, Fisch, Fisch

In den Berliner Mensen wurde ein Seefisch-Tag gestrichen. Seit letztem Jahr gibt es statt zweimal nur noch einmal die Woche Kabeljau, Seelachs und Co. - dazu entschieden sich die Berliner Mensen aufgrund der akuten Bedrohung der Salzwasserfischbestände. Der noch verkaufte Wildfang trägt zudem von nun an das Siegel des MSC, des Marine Stewardship Council.

Das blau-weiße Oval steht für nachhaltige Fischerei, die nach den Standards Umwelt und Rückverfolgbarkeit bewertet wird. Für den Umweltstandard zählen beispielsweise ein Schutz der Bestände und minimale Auswirkungen auf das Ökosystem, für den Rückverfolgbarkeitsstandard zählt unter Anderem ein effektives Management der zuständigen Fischerei, damit sie schnell auf Veränderungen reagieren kann (die genauen Zertifizierungsanforderungen finden sich auf der Seite des MSC).

Das ist natürlich ein Fortschritt gegenüber konventionellem Fischfang, Kritik bleibt dennoch: Das Zertifikat wird "auch für Fisch aus überfischten Gebieten vergeben, sofern nur ein 'Erholungsprogramm' besteht. Die folgenreiche Grundschleppnetzfischerei wird durch das MSC-Siegel ebenfalls nicht eingeschränkt”. Strenger ist das Siegel des ökologischen Anbauverbands Naturland, es ist jedoch erst wenige Jahre alt und deshalb bisher wenig verbreitet.

Süßwasserfisch bieten die Mensen weiterhin einmal pro Woche an. Da es für Zuchtfisch bislang kein MSC-Siegel gibt, wird er von den Berliner Mensen weiter "siegellos” eingekauft. Naturschützer gehen jedoch "davon aus, dass Aquakultur das Problem der Überfischung nur noch verschärft. Denn für die Fischzucht wird Futter benötigt, welches wiederum aus Wildfisch hergestellt wird. Bei der Lachszucht etwa wird für die Gewinnung von einem Kilogramm Lachs bis zu fünf Kilo wild gefangener Fisch verfüttert. Als charakteristisch für Aquakultur gilt zudem die Zerstörung küstennaher Lebensräume etwa durch Shrimpszuchten in Mangrovenwäldern. Verheerende Auswirkungen haben zudem Chemikalien und Antibiotika, die aus offenen Netzkäfigen in Flüsse und Meere gelangen”. Deswegen fordert Campusgrün die Berliner Mensen auf, sich auch beim Einkauf von Süßwasserfisch an ein Zertifikat zu halten - mindestens an das Bio- Aquakultur-Siegel der EU. Die entsprechende Verordnung ist jedoch noch stark von den Interessen der Fischindustrie geprägt. Es wird kritisiert, dass sie zu hohe Besatzdichten und den Einsatz kritischer Chemikalien erlaubt. Wesentlich besser wäre deshalb Fisch mit dem österreichischen Biofisch-Siegel und ideal auch hier wieder das Naturland-Siegel für Fisch aus Aquakulturen.

Vielleicht gelingt es auch, kleinere Mengen an Fisch auf dem Dach der Mensa selbst zu züchten. Sogenannte Aquaponics sind eine Kombination aus Fisch- und Pflanzenzucht: Die Fischbecken halten das Wasser für die Pflanzen vor, die Pflanzen wiederum filtern das Wasser, sodass es anschließend gereinigt zurück in die Fischbecken fließen kann. So könnte man nicht nur kontrollieren, welches Futter die Fische bekommen. Man sparte zudem Transportwege, reduzierte so den Ressourcenverbrauch und Schadstoffausstoß, und ganz nebenbei könnten Tomaten wachsen.

Die Redaktion dankt Vera Buttmann für den Artikel aus Berlin!

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