Positionspapier Kritischer Konsum

Arbeitskreis Kritischer Konsum Nachhaltigkeit an der Hochschule/Mensa mit Moral Positionspapier "Kritischen Konsum"

In Zeiten, in denen Unternehmen im Zuge der Globalisierung in den Entwicklungsländern mittlerweile nicht nur Arbeitsbedingungen, sondern auch  politische Entscheidungen diktieren können, müssen wir als KonsumentInnen unser  Einkaufverhalten kritisch überdenken. Die globale Lebensmittelwirtschaft sorgt für den Wohlstand eines kleinen Teils der Weltbevölkerung und treibt gleichzeitig ganze Völker in die Verelendung. Doch wenigstens hier hat der/die einfache Bürger/in noch die Macht: Durch unsere Kaufentscheidungen können wir die Handlungsweise von großen Unternehmen beeinflussen. Besonders Universitäten und Studentenwerke können hierbei eine Vorreiterrolle einnehmen.
Es müssen weiter Maßnahmen ergriffen werden, die das Bewusstsein der Studierenden für das Thema "Kritischer Konsum" stärken.

Einkaufen als politische Arbeit

"Kritischer Konsum" heißt, dass jede Kaufentscheidung auch zu einer politischen Entscheidung wird. Der Konsument und die Konsumentin entscheiden bei der Produktauswahl nicht ausschließlich nach dem Kriterium wie viel ein Produkt kostet, sondern wie es produziert wurde, unter welchen Bedingungen die Arbeiter und Arbeiterinnen produzieren und woher das Produkt stammt. So spielen soziale Mindeststandards für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer,  wie Mindestlöhne, die zur Sicherung der Existenz ausreichen, Organisationsfreiheit und Sicherheit am Arbeitsplatz eine Rolle. Daneben stehen vor allem  Aspekte des Umweltschutzes im Vordergrund, z.B. ökologisch produziertes Obst und Gemüse sowie kurze Transportwege. Der Kritische Konsum bezieht sich dabei nicht allein auf Lebensmittel, sondern auch auf Textilien, Elektronikartikel, Pharma-Produkte, u.v.m.
Viele Produkte, die wir tagtäglich konsumieren, wurden in Entwicklungsländern unter Bedingungen erzeugt, unter denen kein Mensch der westlichen Welt arbeiten würde. So werden beispielsweise Arbeiterinnen und Arbeiter auf den Obstplantagen Südamerikas ausgebeutet. Sie müssen teilweise monatelang ohne Urlaubstag durcharbeiten, oft bis zu 14 Stunden am Tag, sind dabei den giftigen Pestiziden schutzlos ausgeliefert und erhalten dafür einen solch geringen Lohn, dass es nicht ausreicht die eigene Familie zu versorgen.1 So wird auch der Kinderarbeit Tür und Tor geöffnet, denn um die Familie zu ernähren, muss jedes Familienmitglied arbeiten. Auf vielen Plantagen ist Kinderarbeit nachgewiesen worden.2 Oftmals kommt es in den Betrieben in Entwicklungsländern zu systematischen Verletzungen von Menschenrechten. Den größten Nutzen davon haben die Konsumentinnen und Konsumenten in Europa, die für ihr Obst Spottpreise bezahlen.

Erst denken - dann kaufen

Was kann der/die einfache Student/in konkret gegen solche Missstände tun? Oft ist das finanzielle Polster nicht groß und am Monatsende muss man jeden Euro zweimal umdrehen. Dabei ist ein ökologischer Lebensstil keineswegs unbezahlbar.
Der erste Schritt ist beim Einkauf nachzudenken: Woher stammt die Stange Lauch? Sind die Äpfel ökologisch produziert? Wurden die Arbeiter für das Kilo Kaffee angemessen bezahlt? Brauche ich wirklich Erdbeeren im Dezember? Wer sich seine Einkaufsentscheidung bewusst macht, ist auf einem guten Weg. Zusätzlich kann ein gelegentlicher Verzicht auf Fleisch bares Geld einsparen, ebenso der Wechsel zu Ökostromanbietern.
Beim nachhaltigen Einkauf gilt die Faustregel: Regional, Saisonal, fair und bio. Dabei können diverse Zertifikate sehr hilfreich sein. Besonders empfehlenswert sind Produkte, die mit dem  Fairtrade-Siegel ausgezeichnet sind. Diese stammen dann aus Betrieben, die regelmäßig von einer unabhängigen Organisation kontrolliert werden und darauf achten, dass existenzsichernde Löhne gezahlt werden und Sozialstandards eingehalten werden. Außerdem legen immer mehr Fairtrade-Produzenten Wert auf eine ökologische Produktion. Umgekehrt ist es beim Bio-Siegel. Die Produkte hier werden nach EG-Vorschriften kontrolliert und angebaut, allerdings kann es vorkommen, dass die Landarbeiter und -arbeiterinnen keinen angemessenen Lohn für ihre Arbeit erhalten.

Faire Mensa

An den Universitäten nehmen die Studentenwerke hier eine Schlüsselstellung ein. In den Mensen und Cafeterien beziehen täglich zehntausende Studierende Speisen und Getränke verschiedenster Art. In Mensen geht es nicht primär darum, den Studierenden extravagante Gerichte anzubieten, sondern die Qualität der verkauften Produkte in den Vordergrund zu stellen.
Leider handeln die bayerischen Studentenwerke bislang eindimensional und achten nur wenig auf Aspekte der Ökologie und des fairen Handels. In den letzten Jahren sind zwar einige Fortschritte erzielt worden - so wird beispielsweise an den meisten Mensen mittlerweile mindestens ein vegetarisches Gericht pro Tag angeboten oder teilweise schon Kaffee aus fairem Handel ausgeschenkt - doch dieser Prozess muss entschlossener vorangetrieben werden.
Da die komplette Umstellung auf regionale, saisonale und ökologische Produkte für die Studentenwerke nicht kostenneutral zu handhaben ist, muss zum einen die finanzielle Ausstattung der Studentenwerke seitens des Staates verstärkt werden, auf der anderen Seite muss jedoch auch von den Studierenden die Bereitschaft kommen, für qualitativ hochwertige Speisen mehr zu bezahlen. Das darf allerdings nicht bedeuten, dass die Studentenwerke die höheren Einkaufskosten in vollem Umfang an die Studierenden weitergeben dürfen. Durch den Einkauf größerer Mengen von regionalen Bio-Versorgern werden die Kosten pro Kilogramm und somit die Preise für die verkaufte Ware  geringer.  Ein teilweiser Verzicht auf Gerichte mit Fisch oder Fleisch und damit die Umstellung auf mehr vegetarische und vegane Kost trägen ebenso zur Kosteneinsparung bei. Fisch und Fleisch sind im Einkauf meist teuer und werden zudem oft unter für die Tiere unwürdigen Bedingungen hergestellt.
Als positives Beispiel, wie eine solche nachhaltige Einkaufspolitik der Mensabetreiber funktioniert, kann die Mensa-Policy des Studierendenrats Leipzig dienen. Das dortige Studierendenparlament hat ein Papier ausgearbeitet und verabschiedet, in dem sich das örtliche Studentenwerk dazu verpflichten sollte, seine Einkaufspolitik mittelfristig auf ökologische Versorger, wenn möglich aus der Region schrittweise umzustellen. Das Studentenwerk Leipzig unterzeichnete die Mensa-Policy mittlerweile und arbeitet gemeinsam mit der Studierendenvertretung an der Umsetzung.3

Nachhaltige Hochschule

Aber nicht nur die Studentenwerke stehen in der Pflicht, auch die Hochschulen sind gefordert. Gerne sehen diese sich als geistige Vorreiter, die die Gesellschaft durch Innovationen vorantreiben. Auch in puncto Nachhaltigkeit wäre hier ein verstärktes Engagement wünschenswert.
Besonders in der Forschung müssen die Hochschulen voranschreiten und nachhaltiges Handeln zum Standard erheben. Dieses Feld bietet für den Forschungsstandort Deutschland eine Vielzahl von Möglichkeiten, durch Innovationen die Gesellschaft positiv zu beeinflussen. Hierbei können die Universitäten eine herausragende Position einnehmen und auch international eine Vorbildfunktion einnehmen.
In den Verwaltungen der bayerischen Hochschulen als Großabnehmerinnen muss durch die flächendeckende Nutzung von ökologischen und fair-produzierten Verbrauchsmaterial wie z.B. Recyclingpapier ein wesentlicher Beitrag zur bewussten Ressourcen-Nutzung geleistet werden. Zusätzlich ist eine Einsparung des Papierverbrauchs ein wichtiger Schritt, da heutzutage eine Vielzahl von Kommunikationsvorgängen auf elektronischem Weg erfolgen kann.
Die Vorreiterrolle der Hochschulen in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz soll durch die Integration von Lehrveranstaltungen zum Thema "Nachhaltige Entwicklung" in allen Studiengängen z.B. in der Art eines so genannten "Studium Oecologicum" gestärkt werden. Hierbei sollen Kenntnisse über Produktionsweisen und Möglichkeiten, alltäglich etwas für Klimaschutz und Ökologie zu tun, aufgezeigt werden. Dieses "Studium Oecologicum" soll im Rahmen eines verpflichtenden Moduls in die Studiengangpläne integriert werden und mit einer Prüfung samt ECTS-Punkten abgeschlossen werden, um die Auseinandersetzung der Studierenden mit der Thematik sicherzustellen. Eine solche Initiative wurde schon von der Universität Tübingen mit großem Erfolg ins Leben gerufen.4

Campusgrün Bayern fordert:

  1. Eine Einkaufspolitik der Mensa-Betreiber, die sich bei der Auswahl der Produkte sozialen und ökologischen Standards verpflichtet und regionale und saisonale Produkte bevorzugt verwendet.
  2. Die verstärkte finanzielle Unterstützung der Studentenwerke durch den bayerischen Staat, um Preissteigerungen nicht in vollem Umfang an die StudentInnen weitergeben zu müssen und der sozialen Verantwortung der Studentenwerke gerecht werden zu können.
  3. Die Vergrößerung des vegetarischen und veganen Angebots in den Mensen und Cafeterien, wobei mindestens die Hälfte aller angebotenen Gerichte vegetarisch sein müssen.
  4. Die ausschließliche Verwendung ökologischer Büro- und Arbeitsmaterialien an den Hochschulen sowie Vermeidung von Papierverschwendungen.
  5. Eine stärkere Vorbild- und Vorreiterfunktion der bayerischen Hochschulen im Umgang mit Nachhaltigkeit und fairem Handel.
  6. Die Integration von Modulen zum Thema "Nachhaltigkeit und Ökologie" in alle Studiengänge.
  7. Verstärkte Förderung von nachhaltiger Entwicklung der Forschung

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