Studierende sind Wissenschaftssubjekte, kein Publikum! - Für eine solidarische Universitätsöffnung!

05.07.2020: CampusGrün setzt sich dafür ein, dass Hochschulen für den universitären "Normalbetrieb" (Seminare, Mensen, Arbeitsplätze, Bibliotheken, Gremienorte) für das WiSe 20/21 so weit wie möglich wieder geöffnet und zugänglich gemacht werden, damit gesellschaftliche Krisen mit einem kritisch-wissenschaftlichen Ansatz verhandelt werden können. Dabei müssen Hygienekonzepte zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie ausreichend beachtet werden.

Die 41. Bundesmitgliederversammlung hat beschlossen:

CampusGrün setzt sich dafür ein, dass Hochschulen für den universitären "Normalbetrieb" (Seminare, Mensen, Arbeitsplätze, Bibliotheken, Gremienorte) für das WiSe 20/21 so weit wie möglich wieder geöffnet und zugänglich gemacht werden, damit gesellschaftliche Krisen mit einem kritisch-wissenschaftlichen Ansatz verhandelt werden können. Dabei müssen Hygienekonzepte zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie ausreichend beachtet werden.

"Die Universität ist ein Ort der Begegnung. Wissen, Erkenntnis, Kritik, Innovation: All dies entsteht nur dank eines gemeinsam belebten sozialen Raumes. Für diesen gesellschaftlichen Raum können virtuelle Formate keinen vollgültigen Ersatz bieten. Sie können womöglich bestimmte Inhalte vermitteln, aber gerade nicht den Prozess ihrer diskursiven, kritischen und selbständigen Aneignung in der Kommunikation der Studierenden."- aus: offener Brief "zur Verteidigung der Präsenzlehre", unterzeichnet von über 4000 Dozierenden.

Anschließend an den oben zitierten offenen Brief denken wir, dass wissenschaftliche Bildung und Forschung leben von Austausch und Begegnung, Mimik und Gestik, auch von spontaner, gegenseitiger Anregung und Inspiration. Ohne kritisch reflektierende und Argumente abwägende Seminardiskussion kann Wissen nicht erarbeitet und ein wissenschaftliches Arbeiten nicht erlernt werden. Damit verbunden sind die Analysen, Diskussionen und Utopie-Bildungen zu aktuellen gesellschaftlichen Problemen. Dazu gehört u.a. der allgegenwärtige Klimawandel, Rassismus und Sexismus sowie der durch die Pandemie verschärften sozialen sowie ökonomischen Prekaritäten.

Gleiches gilt für die demokratische Selbstverwaltung der Hochschulen. Gerade in Krisenzeiten sind demokratische Lösungsfindungen aller Mitgliedergruppen statt autoritären Top-Down-Entscheidungen wichtig (wie sie angesichts der Krise an vielen Hochschulen gefällt wurden). Die Arbeit der studentischen Selbstverwaltung muss durch die Universität infrastrukturell unterstützt werden, indem z.B. für studentische Vollversammlungen und Veranstaltungen Räume zur Verfügung gestellt werden.

Für das WiSe 20/21 muss dies so viel wie möglich Präsenzlehre mit Hybrid-Formaten bedeuten - unter Beachtung ausreichender Hygienevorkehrungen, um die Gesundheit aller zu wahren. Insbesondere die Orientierungseinheiten müssen in Präsenz stattfinden, um den Studienanfänger*innen die Möglichkeit zu geben, die Universität, den Kommiliton*innen und Lehrenden kennenzulernen. Bei der Rückkehr zur Präsenzlehre sind die Bedingungen für Risikogruppen durch flächendeckende Online-Zuschaltmöglichkeiten sowie eine umfassend hygienegerechte Gestaltung des universitären Raumes zu berücksichtigen. Hierfür müssen den Hochschulen finanzielle Mittel zum Ausbau der technischen und räumlichen Infrastruktur zur Verfügung gestellt werden - anstatt zu versuchen, durch erweiterte Online-Lehre auch in den kommenden Semestern, Gelder einzusparen.

Auch der Zugang zu den wissenschaftlichen Arbeitsgrundlagen, wie Bibliotheksarbeitsplätzen, muss schnellstmöglich in vollem Umfang wiederhergestellt werden. Übergangsweise ist auch die Wiederöffnung der Mensen - als studentischer Arbeits- und Begegnungsort bei bezahlbaren Mahlzeiten - zu ermöglichen.

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