Studentenverbindungen keine Plattform geben!

16.07.2019: Beschlossen am 29.06.2019 auf der 39. Bundesmitgliederversammlung in Erlangen.

Im Deutschen Bundestag sitzen seit 2018 neun Burschenschaftler und 40 Verbindungsangehörige. Grund dafür ist vorrangig der Aufstieg der AfD, doch auch in Union und FDP sind "Burschis" verantwortlich für wichtige politische Entscheidungen[1]. Das liegt an der "Verträglichkeit" von ihnen mit der neoliberalen Gesellschaft: Sie feiern gut besuchte "Bier-Pong"-Studentenpartys, bieten günstige Wohnungen und Berufschancen in hohen Unternehmensrängen. Gerade in einer Zeit, in der die Mietpreise ins Unermessliche steigen und eine egalitäre BAföG-Sicherung ungewiss ist, werden Verbindungen somit für Studierende wieder attraktiv. Im Fokus der Verbindungspraxis steht jedoch nach wie vor die (Aus)sortierung der Menschen nach Ungleichheiten. Das sozialdarwinistische "Recht des Stärkeren", die Erziehung zur "vaterländischen" Akademischen Elite, Exklusivität und Geschichtsignoranz sind dabei vordergründige Prinzipien. Sie werden in allen Verbindungen aufrecht gehalten, ob konservativ oder offen-rechtsradikal.

Die gesamtgesellschaftlich erstarkende Ablehnung von marginalisierten Gruppen (Frauen*, Ausländer*innen, Arbeiter*innen) ist provoziert durch die ökonomische Vorherrschaft der kapitalistischen Unternehmen. Diese Tendenzen nutzt die Neue Rechte als Anlass, um ihre menschenverachtende Ideologie erstarken zu lassen. Neben der "Identitären Bewegung" und "Pegida" hetzten auch Burschenschaften und Verbindungen gegen Minderheiten: Sie fühlen sich von ihnen in ihrem avantgardistischen Status bedroht. Seit dem 19. Jahrhundert bis heute haben sich völkisch-nationalistische und antisemitische Tendenzen entwickelt und erhalten: 1996 führte so der größte Dachverband der Deutschen Burschenschaften (DB) einen "Ariernachweis" ein. Bis heute gibt es wiederkehrende Diskussionen um ausschließende Herkunftsnachweise verschiedenster Art.
Außerdem gibt es eine Vielzahl an Turnerschaften, sowie Katholischen und Musikalischen Verbindungen, die in ihrer genauen Ausrichtung unterschiedlich liberal geben (z.B. schlagend/nicht-schlagend, farben-tragend/nicht farbend- tragend). Sie stützen sich jedoch alle auf selektierende, festgelegte Prinzipien und gehen einem konservativen, meist rechtsradikalen, Welt - und Menschenbild nach. Ebenfalls stellen sie sich explizit an Hochschulen gegen jeden notwendigen demokratischen Antifaschismus[2].

Campusgrün fordert im gesamten Verband den Einsatz für die Ausbildung eines antifaschistischen historischen Bewusstseins für egalitäre Studienbedingungen, demokratische Partizipation und ausreichende finanzielle Mittel für alle aus - unabhängig von Nationalität, Gender oder Herkunft. Der Bundesverband lehnt die damit in Widerspruch stehenden unterdrückenden Prinzipien des Verbindungswesens in ihrer Vollständigkeit vehement ab! Er richtet sich in aller Deutlichkeit gegen das Lebensbundprinzip und hierarchische Praktiken. Daher arbeiten wir nicht mit Mitgliedern von Burschenschaften und Studentenverbindungen und ihrem inhärenten, historisch gewachsenen Rassismus und Antisemitismus, Sexismus und Klassismus zusammen.
Wir fordern also • faschistischem Gedankengut in unseren Strukturen keinen Platz zu geben und die Verbreitung aktiv zu bekämpfen;

  • Aufklärungsarbeit über rechtes Verbindungswesen an den Universitäten zu
  • leisten;

  • Emanzipatorische, antifaschistisch-historische Diskurse tatkräftig zu
  • fördern

[1] darunter der frühere Bundesverkehrsminister Peter Raumsauer (CSU) aus Bayern, www.taz.de/Verbindungen-im-Bundestag/!5506306/, letzter Aufruf: 14.6.2019

[2] Es verstärke sich "unsere Sorge über eine immer weitergehende Einengung politischer Freiheit im Zeichen eines mehr und mehr auch staatlich propagierten Antifaschismus" (Hauptausschuss der DB, 30.6.2001, AstA Uni Hamburg (2005): Falsch verbunden…Reader zum Verbindungs(un)wesen in Hamburg, S. 17).

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