Digitalisierung studieren: Mit grünen Ideen in die Zukunft

07.07.2018: #digital Die Digitale Revolution ist in vollem Gange und dabei, alle unsere Lebensbereiche zu verändern. Als Verband grüner und grün-alternativer Hochschulgruppen ist es unser Anliegen, dass die digitale Zukunft nachhaltig, sozial und partizipativ gestaltet wird. Wir fordern die Universitäten und Hochschulen im Land dazu auf, die Digitalisierung nicht nur als technisches Phänomen aufzufassen, sondern ihre gesellschaftlichen Auswirkungen in den Fokus von Bildung und Forschung zu stellen und öffentlich zu diskutieren. Von der Landes- und der Bundesregierung fordern wir, nicht nur Standort- und Wirtschaftspolitik zu betreiben, sondern die Digitalisierung so zu leiten, dass sie zum Vorteil aller Menschen gereicht.

#nachhaltig Wir erkennen an, dass die Digitalisierung Chancen im Bereich der Energieeffizienz bietet und damit zu einer grünen Ökonomie beitragen kann, möchten aber darüber hinaus das Prinzip der Suffizienz betonen. Digitalisierung bedeutet nicht automatisch ein Mehr an Nachhaltigkeit, da Effizienzgewinne allzu oft ökologisch schädlich reinvestiert werden ('Rebound-Effekt', vgl. Lange & Santarius, 2016). Für die sozial-ökologische Transformation bedarf es an erster Stelle immer noch einer Veränderung unserer Lebensstile, die von einer regulierten Digitalisierung begleitet werden kann. Bei der Verwendung energieintensiver Technologien wie der Blockchain sollten Nutzen und Umweltkosten kritisch gegeneinander abgewogen werden.

#neutral Das Arpanet, der Vorgänger des heutigen Internets, war ein Zusammenschluss von Forschungseinrichtungen. Damit das Internet auch in Zukunft im Sinne der Forschung und der Verbraucher*innen genutzt werden kann, fordern wir die Universitäten und Hochschulen auf, sich für den Erhalt der Netzneutralität einzusetzen.

#gestaltend Durch die Digitalisierung wird die Arbeitswelt einen enormen Transformations- prozess erfahren, durch den viele Berufe in Zukunft unnötig sein werden. Diese Entwicklung stellt eine erhebliche Herausforderung für die sozialen Sicherungssysteme dar, bietet aber auch die Chance für mehr gesellschaftliches Engagement. Um den Wandel aktiv zu gestalten, sollten Politik und Universitäten alternative Möglichkeiten der Einkommenssicherung wie das bedingungslose Grundeinkommen in Reallaboren erforschen. Des Weiteren müssen Hochschulen Angebote zur Weiterbildung und Umschulung schaffen, damit Arbeit und Einkommen gleichmäßiger auf die Menschen verteilt werden können.

#gleich Wir sehen in der argen Ungleichverteilung der Geschlechter in den MINT-Studien- gängen ein strukturelles Problem, das konsequent angegangen werden muss. Deshalb fordern wir die verstärkte Frauen*förderung in MINT-Fächern. Durch gezielte Werbung und Förderung und die bevorzugte Vergabe von Stipendien, Promotionsstellen und Professuren an Frauen* können die Universitäten und Hochschulen positiven Einfluss nehmen. An die Landesregierung richten wir die Forderung, Technik- und Informatikunterricht flächendeckend verpflichtend einzuführen, damit den Schüler*innen notwendige Kompetenzen vermittelt werden können.

#privat Die Spionage durch Nachrichtendienste und Aggregation und Auswertung persönlicher Daten durch Konzerne hat in den letzten Jahrzehnten ungeheuerliche Ausmaße angenommen. Wir fordern Universitäten und Hochschulen auf, Konzepte zu entwickeln, wie weltweiter Datenschutz funktionieren und der Überwachung ein Ende gesetzt werden kann.

#friedlich Künstliche Intelligenz bringt nicht nur Vorteile, sondern kann auch gegen Menschen eingesetzt werden. Wir fordern deshalb eine Zivilklausel für alle Universitäten und Hochschulen im Land, und deren transparente Kontrolle durch unabhängige Gremien. Autonome Waffen lehnen wir ab und fordern die Einführung eines Ethikkodex für Informatiker*innen, sowie die Behandlung ethischer Fragen in allen Studiengängen.

#vorausschauend Die von technischen Neuerungen ausgehenden Gefahren können von harmlos bis zum existenziellen Risiko für die Menschheit reichen. Deshalb sehen wir die Notwendigkeit einer verstärkten Forschung im Bereich der Technikfolgenabschätzung. Sollte Baden-Württemberg ein KI-Cluster bekommen, fordern wir, dieses mit einem Lehrstuhl für die Untersuchung existenzieller Risiken auszustatten (beispielsweise nach dem Vorbild des Centre for the Study of Existential Risk in Cambridge), das insbesondere im Bereich "AI Safety" forschen soll.

#innovativ Innovative Konzepte und partizipative Ansätze wie die OpenSource- und CreativeCommons-Bewegung empfinden wir als unterstützenswert und sehen darin die Chance, die Digitale Revolution "bottom up" zu gestalten. Universitäten und Hochschulen sollten Studierende und Forschende dazu aufrufen, bei OS und CC mitzumachen.

  1. DieZukunftBeginntJetzt #DigitalAnpacken #DigitalStudieren

Literatur: Lange, S., & Santarius, T. (2016). Drei Fragen zum transformativen Potenzial der Digitalisierung: Wolf oder Wollmilchsau?. Ökologisches Wirtschaften-Fachzeitschrift, 31(3), 23-24.

Zugehörige Dateien:
Positionspapier - DigitalisierungDownload (48 kb)
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