Stellungnahme Studiengebühren: "Bildung ist ein hohes Gut, das nicht zur Ware werden darf"

09.01.2018: 16.12.2017: Stellungnahme des Landesverbandes zu den Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer und Zweitstudierende

Campusgrün Baden-Württemberg spricht sich entschieden gegen die Studiengebühren für Studierende aus Nicht-EU-Staaten in Höhe von 1.500 Euro pro Semester und die Gebühren für das Zweitstudium in Höhe von 650 Euro aus, die die Grün-Schwarze Landesregierung 2017 eingeführt hat: Bildung ist ein hohes Gut, das nicht zur Ware werden darf.

Allgemein lehnen wir jegliche Form der Studiengebühren ab. Bildung ist ein Menschenrecht, das nicht der Ökonomisierung zum Opfer fallen darf. Dieses Recht muss für alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft und ihren finanziellen Möglichkeiten gelten. Studiengebühren widersprechen dem Ziel eines gleichberechtigten Zugangs zum Recht auf Bildung und sind deshalb sozial ungerecht.

Die Erhebung von Studiengebühren für internationale Studierende stellt eine erhebliche Hürde für den Hochschulzugang dar, insbesondere da das Einkommensniveau in vielen Nicht-EU- Staaten deutlich unter dem deutschen Durchschnitt liegt. Studiengebühren sind elitär und sorgen für eine Selektion beim Hochschulzugang, die ungeachtet der persönlichen Studienmotivation und ohne Rücksicht auf die individuellen Fähigkeiten von Studierenden wirkt. Dadurch werden bestehende soziale Ungleichheiten im Bildungssystem zementiert. Bildung darf aber nicht von den finanziellen Möglichkeiten der Familie abhängen. Auch Stipendien oder Ausnahmetatbestände, die dies nur unzulänglich kaschieren, ändern nichts an diesem strukturellen Problem.

Den gebührenfreien Zugang zum Studium in Baden-Württemberg an Fragen der Staatsangehörigkeit zu koppeln, setzt zudem ein falsches Signal mit Blick auf die notwendige Internationalisierung der Hochschulen und Universitäten. Mobilität im Bildungssystem befördert eine Pluralisierung von Perspektiven, sie dient dem interkulturellen Austausch und macht unsere Hochschulen besser. Internationale Studierende bereichern unsere Gesellschaft und sorgen für ein offenes, internationales Klima an den Hochschulen. Die vom Wissenschaftsministerium vorgelegten ersten Zahlen aus dem aktuellen Wintersemester lassen jedoch befürchten, dass die Zahl der Internationalen Studierenden durch die Wiedereinführung der Studiengebühren zurückgehen wird.

Auch die Einführung von Gebühren für das Zweitstudium lehnen wir ab. In einer globalisierten, immer komplexer werdenden Welt, ist es existentiell wichtig, Menschen breit auszubilden und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich zu entfalten. Studiengebühren für ein Zweitstudium schrecken ab und verhindern, dass interessierte Studierende ihren Horizont über die Grenze ihres Faches erweitern können und dadurch einen wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft leisten. Deshalb sprechen wir uns entschieden gegen die den Gebühren zugrundeliegende kurzfristige Verwertungslogik, die Bildung auf ein ökonomisches Gut reduziert, aus. Die Hürde eines kostenpflichtigen Zweitstudiums ist ungerecht und wird sich langfristig negativ auf unsere Gesellschaft auswirken.

Folglich lehnen wir, der Landesverband Baden-Württemberg von Campusgrün, jegliche Form der Studiengebühren ab. Bildung muss solidarisch finanziert bleiben und zwar für alle.

Zugehörige Dateien:
Positionspapier - StudiengebührenDownload (48 kb)
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