Campusgrüne Forderungen an das Bundestagswahlprogramm 2017 von Bündnis 90/Die Grünen

A-01: Antrag: Campusgrüne Forderungen an das Bundestagswahlprogramm 2017 von Bündnis 90/Die Grünen

Beschlossen auf der 34. Bundesmitgliederversammlung in Bochum, 23.-25.09.2016

Anmerkungen: Die Reihenfolge stellt keine politische Wertung der Forderungen dar. Zum Zeitpunkt des Beschlusses standen Studiengebühren nicht zur der Diskussion in der Grünen Partei. Der Campusgrün Bundesvorstand bekräftigt trotzdem die Ablehnung von Bildungsgebühren jeglicher Art.

Die Hochschulen in Deutschland müssen sozialer und ökologisch nachhaltiger werden!

Ökologische und moderne Infrastrukturen etablieren

Hochschulen haben einen sehr hohen Energie- und Materialeinsatz und müssen ebenfalls einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Dafür schlägt Campusgrün folgende Maßnahmen vor:

  • Auf grünen Innovationscampus erfolgt bei Neubauten der Einsatz modernster Technologien.
  • Förderprogramme der Länder und des Bundes sorgen für die Sanierung von Gebäuden mit dem Ziel eines energieeffizienten, klimaneutralen und ressourcenschonenden Betriebs.
  • Etablierung von Nachhaltigkeitsbeauftragen auf Leitungsebene, welche die nachhaltige Entwicklung von Hochschulen in Anlehnung an die Sustainable Development Goals strategisch begleiten und zuihrem Engagement jährlich berichten.
  • Einrichtung von Green Offices auf Verwaltungsebene, deren Mitarbeiter*innen Maßnahmen entwickeln, um Nachhaltigkeit in den Bereichen Forschung, Lehre, Betrieb und Campuskultur in
  • Kooperation mit bestehenden Initiativen umzusetzen und das Nachhaltigkeitsengagement an Hochschulen zu bündeln.
    • => Beschluss "Unterstützung von Green Office-Initiativen", 33. Bundesmitglieder-versammlung (Wiesbaden, Februar 2016)
  • Alle Mitglieder der Hochschulen auf die Auswirkungen und Gefahren des Klimawandels aktiv hinweisen
  • und Handlungsoptionen für eine Transformation zu Nachhaltigkeit aufzeigen! Über Rebound-Effekte aufklären, damit Umweltentlastung nicht durch Verbrauchssteigerung ins Gegenteil verkehrt wird.

    • => Beschluss "Klimaschutz des 21. Jahrhunderts an die Hochschulen bringen", 33.
    • Bundesmitgliederversammlung (Wiesbaden, Februar 2016)

BAföG

Weg mit Eltern- und Herkunftsbezug, studieren muss sozial gerecht ermöglicht werden!

Die aktuelle Anpassung des BAföGs an die Inflation und Anhebung der Freibeträge bringt nur den Stand der vorherigen BAföG-Novelle zurück. Studieren muss in jeder Lebensphase ermöglicht werden. Hierzu muss ein eltern- und herkunftsunabhängiger Vollzuschuss für Studierende eingeführt werden, der regionale Mietunterschiede berücksichtigt. Das zukünftige BAföG muss zudem automatisch an die Inflation angepasst werden.

Soziale Infrastruktur

Mensen und Wohnheime ökologisch-modern sanieren!

Die soziale Infrastruktur um die Hochschulen muss gestärkt werden. Es mangelt bundesweit an bezahlbarem Wohnraum und bestehende Wohnheime müssen dringend saniert werden. Mensen müssen klimagerecht saniert werden und die Beratungsangebote der Studierendenwerke müssen entsprechend der gestiegenen Studierendenzahlen mehr Fördermittel erhalten.

    • => Beschluss "Einrichtung eines Hochschulsozialpaktes", 33. Bundesmitgliederversammlung (Wiesbaden,
    • Februar 2016)

Arbeitsbedingungen

Die Prekarisierung der Arbeit an Hochschulen muss beendet werden

Hilfskräfte müssen in die Tarifverträge aufgenommen und die Ausnahmen vom Arbeitsrecht im Wissenschaftsbetrieb aufgehoben werden. Stattdessen müssen die Hochschulen ausfinanziert werden, um gerechte Arbeit zu ermöglichen.

Inklusive Hochschule

Studium mit Handicap, Familie und Kind ermöglichen

Nicht nur physische Barrieren, auch Barrieren in den Köpfen müssen weg! Studierende und Mitarbeiter*innen müssen Unterstützung erhalten, wenn sie diese benötigen - ohne komplizierte Prozeduren und Fristen. Neben Kinderbetreuung (dauerhafte und auch kurzfristige) müssen Studierende mit Handicap im Studienalltag unterstützt werden. Hierbei dürfen keine zusätzlichen Kosten auf Studierende und Mitarbeitende zukommen.--=> Stellungnahme Bundesteilhabegesetz

Frauen* in der Wissenschaft fördern

Im Jahre 2014 waren nur 22% der Professuren durch Frauen* besetzt. Im Bereich der wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen sind 41% Frauen* angestellt. Wir fordern daher die Einführung einer Frauen*quote bei Berufungen (Kaskadenmodell) und in Berufungskommissionen, um die strukturelle Diskriminierung von Frauen* bei der Berufswahl zu bekämpfen.

Forschung für eine ökologische und gerechte Welt

Unsere Ziele für eine ökologisch-nachhaltige und gerechte Welt müssen sich auch in der Forschung wiederfinden. Forschung (und Lehre) muss zivil und unabhängig sein. Dafür muss der Anteil der Grundmittel im Vergleich zu Drittmitteln und leistungsorientierter Mittelvergabe stark zunehmen. Jegliche Drittmittel und leistungsorientierte Mittelvergaben müssen den oben genannten Zielen dienen.--=> Beschluss "Zivilklausel", 25. Bundesmitgliederversammlung (Halle/Westf., April 2012)

Nein zur Exzellenzinitiative - Nein zum Deutschlandstipendium

Sowohl der Exzellenzwahn als auch das Deutschlandstipendium müssen beendet werden. Die hierfür verwendeten Gelder sollen in die Finanzierung von BAföG und in die Grundfinanzierung der Hochschulen fließen.--=> Beschluss "Nein zur Exzellenzinitiative - Ja zur Uni für alle", 33. Bundesmitgliederversammlung (Wiesbaden, Februar 2016)

Nachhaltigkeit in der Lehre verankern!

Eine lebenswerte Umwelt geht alle etwas an und erfordert interdisziplinäres und transdisziplinäres Lehren und Lernen. Alle Studierenden sollen sich im Studium mit generellen und fachspezifischen alternativen Lebens-und Wirtschaftsweisen auseinandersetzen, die eine nachhaltige Entwicklung ermöglichen. Auch Lehrformate müssen zu einem nachhaltigen Lernen beitragen: Förder- und Weiterbildungsprogramme für selbstorganisierte Lehrformate, Projektstudien und problembasiertes Lernen unterstützen den Lernprozess zu Nachhaltigkeit.

  • Anzahl der Studienplätze insgesamt steigern, insbesondere im Bezug auf die Masterplätze
  • Kombinierte Zulassungen zum Master ermöglichen, d.h. insbesondere in Studiengängen, in welchen der Master der Regelabschluss ist, Studierenden den Masterstudienplatz bei erfolgreichem Bachelorabschluss garantieren
  • Verschulung durch die Bologna-Reform zurückfahren, z.B. im Bezug auf Attestpflicht, Anwesenheitspflicht und strenge Modularisierung
  • Betreuungsrelation, insbesondere Betreuung durch langjährige und praktizierende Forscher*innen, verbessern
  • Zugangshürden für Menschen mit Berufsqualifizierung und ausländischer Hochschulzugangsberechtigung abbauen und konkrete Betreuungsmöglich-keiten für ein erfolgreiches
  • Studium schaffen

  • Digitalisierung innerhalb der Lehre fördern, z.B. durch die bundesweite Bereitstellung digitaler Infrastruktur, wie Lehr- und Lernplattformen sowie Materialien und die Förderung innovativer und digitaler Lehr- und Prüfungskonzepte, im Sinne eines Blended Learning, um mehr Zeit für den intensiven inhaltlichen Austausch und Diskussion zu schaffen
  • Didaktische Weiterbildung für Wissenschaftler*innen fördern und Anreize zur Weiterbildung schaffen
  • Die Notwendigkeit von Inter- und Transdisziplinarität in Lehre und Forschung zur Lösung gesellschaftlicher Schlüsselprobleme anerkennen und diese fördern, z.B. durch Ausschreibungen
  • Verstetigung der Hochschulpaktmittel des Bundes Bildung zur Bundesangelegenheit machen
  • Kooperationsverbot im Bildungs- und Wissenschaftsbereich komplett abschaffen und dem Bund die Kompetenzen der Gesetzgebung hierfür übertragen
  • Einrichtung einer bundesweit gesetzlich verankerten Bundesstudierenden-vertretung nach
  • österreichischem Vorbild

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